Weltklimarat: Risiken durch fortschreitende Erderwärmung nehmen zu

10.08.2021 – Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) legt im ersten Teil seines neuen Sachstandsberichts dar, wie sich der weltweite Treibhausgasausstoß auf den Anstieg der globalen Temperatur auswirkt. Die Autoren warnen vor einer deutlich schnelleren globalen Erwärmung als bislang angenommen. Demnach werde sich die Erde bei der derzeitigen Entwicklung bereits gegen 2030 um 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erwärmen – und damit zehn Jahre früher als noch 2018 prognostiziert.

Bei dem Dokument handelt es sich um den Bericht der Arbeitsgruppe I, die den Forschungsstand der naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels seit Vorstellung des letzten Berichts 2013 zusammenfasst.

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Laut dem aktuellen Bericht des Weltklimarats können einige Klimaveränderungen direkt auf den Einfluss des Menschen zurückgeführt werden. Foto: Ralf Vetterle (SD-Pictures) / pixabay.com

Wetterextreme häufen sich und werden intensiver

Nach Einschätzung des Weltklimarats ist der Mensch hauptverantwortlich für die globale Erwärmung und den beobachteten Klimawandel ist, wie neue Daten und verbesserte Modellsimulationen belegen.

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre hat dem Bericht zufolge den höchsten Wert seit mindestens zwei Millionen Jahren erreicht. Laut Bericht lag im Zeitraum von 2010 bis 2019 die globale Durchschnittstemperatur zwischen 0,8 und 1,3 Grad Celsius höher als im Vergleichszeitraum von 1850 bis 1900. Bereits diese Erwärmung habe zu zahlreichen Klimaveränderungen geführt: Hitzewellen oder starke Regenfälle nähmen zu und seien intensiver geworden. In bestimmten Regionen habe sich die Trockenheit verschärft. Höhere Temperaturen und stärkere Winde würden Waldbrände fördern. Zudem schmelzen Gletscher, das Meereis in der Arktis geht zurück, die Ozeane erwärmen sich, werden saurer und der Meeresspiegel steigt.

Diese Veränderungen sind dem Bericht zufolge irreversible Prozesse, die selbst in Jahrhunderten oder Jahrtausenden nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Durch Klimaneutralität könnten sich gleichwohl verlangsamt werden.

Prognosen zum Temperaturanstieg

Sollte die weltweite Klimaneutralität später als um die Jahrhundertmitte oder gar nicht erreicht werden, droht dem Bericht zufolge ein weltweiter Temperaturanstieg um bis zu 5,7 Grad Celsius. Das wäre allerdings nur der Fall, wenn der CO2-Ausstoß weltweit von derzeit 40 Gigatonnen im Jahr auf mehr als 120 Gigatonnen ansteigen würde. Sollte der CO2-Ausstoß noch einige Jahrzehnte auf dem bisherigen Niveau verbleiben und zumindest nicht ansteigen, ist laut IPCC mit einer Erderwärmung von 2 Grad Celsius bis zur Jahrhundertmitte und rund 2,7 Grad bis zum Jahr 2100 zu rechnen.

Verbände fordern stärkere Anstrengungen

„Die Botschaft ist mehr als eindeutig: Die Anstrengungen zur Bekämpfung des menschengemachten Klimawandels müssen massiv verstärkt werden. Ein hartes Umlenken beim Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase und der verstärkte Einsatz sauberer Technologien ist erforderlich, um das Klima wieder ins Lot zu bringen. Die Erneuerbaren Energien stehen in großer Technologiebreite für alle Bedarfe zuverlässig und bezahlbar bereit. Wir wollen unseren Beitrag für den Klimaschutz leisten. Dafür müssen die Hürden abgebaut und ein Programm zum beschleunigten Ausbau in den ersten 100 Tagen der neuen Bundesregierung aufgelegt werden. Deutschland kann damit an die einstigen Erfolge als Energiewende-Vorreiter anknüpfen“, so Dr. Simone Peter, Präsidentin Bundesverband Erneuerbare Energie.

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, sieht im Bericht auch Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträger: „Die Ergebnisse müssen auch als klares Signal an die bevorstehende UN-Klimakonferenz im November in Glasgow gesehen werden, denn wirksamer Klimaschutz kann nur gemeinsam auf internationaler Ebene gelingen. Ziel der COP 26 muss sein, von der weltweiten Staatengemeinschaft verbindliche und zielsichere Zusagen auf dem Weg zur Klimaneutralität zu erhalten.“ (ds)

www.de-ipcc.de

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