edna-Umfrage zum Ordnungsrahmen 2021

18.08.2021 – In einer Mitgliederbefragung hat der edna Bundesverband Energiemarkt & Kommunikation die Stimmungslage zu den in diesem Jahr neu erlassenen Gesetzen und Verordnungen in der Energiewirtschaft abgefragt. „Kritisiert wurde dabei vor allem der weiter zunehmende bürokratische Aufwand sowie Umsetzungsfristen, die keine Rücksicht auf die Einschränkungen durch Corona genommen haben. Immerhin haben die Mehrzahl der Unternehmen Hoffnung, die Vorgaben rechtzeitig umsetzen zu können”, fasst edna-Geschäftsführer Rüdiger Winkler einige der Ergebnisse zusammen.

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Die 2021 neu erlassenen oder überarbeiteten Gesetze und Verordnungen in der Energiewirtschaft sorgen bei den Marktpartner für hohen bürokratischen Aufwand. Bild: ID 8385 / pixabay.com

Wie kommen die Marktpartner mit den vielen Neuerungen zurecht? Wie schätzen sie die Relevanz für die eigene Arbeit ein? edna hat diese Fragen in einer marktweiten Umfrage untersucht. Die Umfrageergebnisse im Einzelnen:

1. Welche novellierte oder neue rechtliche Vorgabe hat für Ihr Unternehmen die größte Relevanz?

Hier waren sich die Teilnehmer weitgehend einig: Das am 1. Oktober 2021 startende Redispatch 2.0 hat derzeit die größte Relevanz, gefolgt vom neuen Energiewirtschaftsgesetz und der MaKo 2022.

2. Kann Ihr Unternehmen die Regelungen fristgerecht umsetzen?

Mehr als die Hälfte der Unternehmen sind mitten in der Umsetzung und hoffen, fristgerecht fertig zu werden. Nur ein Fünftel der Teilnehmenden ist sich sicher, alles umsetzen zu können, wohingegen 10 % dies für unmöglich halten. Dabei hakt es wohl am meisten an der mangelnden Zeit auf allen Seiten – sowohl bei Dienstleistern als auch auf der EVU-Seite. Speziell bei der MaKo bereiten Neuerungen und Veränderungen bei den Formaten dem einen oder anderen Unternehmen viel Arbeit.

3. Wo gibt es den größten Umsetzungsaufwand?

Den meisten Aufwand bei der Umsetzung im Unternehmen verursacht das Redispatch 2.0, bei dem Netzbetreiber, Erzeuger und Dienstleister gefordert sind. Das wird von rund 48 % der Befragten so gesehen. Auch die Marktkommunikation 2022 wird von 32 % der Unternehmen als besonders aufwändig betrachtet.

4. Was verursacht den größten bürokratischen Aufwand?

Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen leiden zunehmend bürokratischen Belastungen. Auch hier ist wieder Redispatch 2.0 an der Spitze der Antworten zu finden. Fast gleichauf werden die Anforderungen aus dem neuen Energiewirtschaftsgesetz als „bürokratisches Monster“ angesehen – speziell die an die Lieferanten. Hierzu gehören beispielsweise Änderungen im Kundenportal, die elektronische Übermittlung der Abrechnungen, der „Kündigungsbutton“ oder die Anpassung der Lieferverträge und AGB.

5. Wie informieren Sie sich hauptsächlich über neue rechtliche Vorgaben?

Verbände gelten gemeinhin als beste Informationsquelle. Als wichtigste Informationsquelle werden edna, BDEW und der Bayerische Verband der Energiewirtschaft genannt. Darüber hinaus werden Kooperationen, Dienstleister, andere VNB und Netzwerke als Informationsquelle genutzt.

6. Haben Sie die Umsetzung bereits abgeschlossen?

Keiner der Befragten hat die Umsetzung der Neuerungen bereits abgeschlossen. Immerhin teilweise abgeschlossen sind die Vorgaben bei gut zwei Drittel der Unternehmen. Die Gründe dafür sind vielfältig, viele EVU sind jedoch schlicht überfordert. Ganz konkret werden zum Redispatch 2.0 aber auch das Erfordernis durchgängiger Tests der Redispatch 2.0-Prozesse TSO-DSO-EIV (Redispatch-Potenziale, Abrufe, Abrechnung) genannt. Denn dabei sind viele Systeme beteiligt und es müssen zahlreiche Schnittstellen ausgeprägt werden.

7. Was halten Sie für die sinnvollste Neuerung?

Tatsächlich wird hier wiederum Redispatch 2.0 genannt. Gerade die Integration jeglicher Flexibilitätsoptionen zur Netzstabilität wird als ingenieurtechnisch sinnvoll gelobt. Auch bei Details des EnWG werden Verbesserungen gesehen. Hier wird der § 41 Abs. 4 EnWG i. V. m. § 7 a UWG genannt – die Informationspflicht nach Vertragsschluss & Dokumentation von Telefonanrufen, da in letzter Zeit viele so genannte „Cold Calls” von dubiosen Drittlieferanten stattgefunden haben. Auch die MaKo 2022 wird als positiv hervorgehoben. Aufgrund der laufenden Nachbesserungen können die Befragten allerdings mehrheitlich keiner Neuerung sehr viel Positives abgewinnen.

8. Was ist der größte Unfug?

Eine provozierende Frage, auf die einige ebenso provozierend antworteten, dass sie nichts für sinnvoll halten. Im Einzelnen wurde hier jedoch erneut konkret der überhöhte bürokratische Aufwand genannt, der sowohl für die Marktteilnehmer als auch für die Kunden keinen großen Nutzen mit sich bringt. Auch die Vorgabe, in Kundenrechnungen auf Vergleichsportale hinweisen zu müssen, empört einen Teil der Antwortenden. Sehr konkret dann die Klage über das Redispatch 2.0: Unfug sei es, einen Termin wie den 1. Oktober 2021 in ein Gesetz zu schreiben und auf die realen Gegebenheiten und notwendige Umsetzungs- und Testzeiträume – auch bedingt durch das mittlerweile 18-monatige Infektionsgeschehen ¬– keine Rücksicht zu nehmen. (ds)

www.edna-bundesverband.de

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