SH Netz erprobt Schutzsystem für Stromnetz der Zukunft

31.08.2021 – Im Kreis Steinburg erprobt Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) mit Projektpartnern neue Schutzsysteme für das Stromnetz der Zukunft. Schutzsysteme messen Ströme und Spannungen in Schaltfeldern. Wenn zum Beispiel ein Bagger ein Kabel beschädigt und es dadurch zu einem Kurzschluss kommt, schlägt der Schutzmechanismus an – und schaltet den entsprechenden Bereich vorübergehend ab. Der Nachteil des bisherigen Systems ist, dass es nicht dazulernt. Sie werden einmalig eingestellt und können anschließend auf Veränderungen im Stromnetz nicht mehr reagieren. Schleswig-Holstein Netz wird im Kreis Steinburg erstmals intelligente Systeme an verschiedenen Knotenpunkten als Schutz in seinem Netz installieren und testen. Der Einbau der Geräte ist im Juli 2021 gestartet. Die Schutzgeräte für den Adaptivschutz stammen von Siemens. Umgesetzt wird dies im Rahmen des Kopernikus-Projektes ENSURE des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

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Bild: Buffik / pixabay.com

Adaptivschutz passt sich an aktuelle Netzsituation an

Der Adaptivschutz wird innerhalb des Energiekosmos ENSURE entwickelt und soll sich später im Betrieb eigenständig an die aktuelle Netzsituation anpassen. Ein zentrales, übergeordnetes Sicherheitssystem (Protection Security Assessment) überwacht die Schutzsysteme laufend, bewertet diese und sendet die Einstellparameter, die zur aktuellen Netzsituation ermittelt wurden, an die Schutzgeräte. Diese verarbeiten regelmäßig neue Befehle und lernen dadurch kontinuierlich dazu.

Im Rahmen des Feldversuches kommt erstmals satellitengestützte Messungen zum Einsatz. Die PMU-Geräte (Phasor Measurement Unit) liefern bis zu 50 Werte pro Sekunde, beispielsweise zu Spannung und Frequenz im Stromnetz. Mit diesen neuen Messeinheiten werden kurz- oder mittelfristige Veränderungen im Stromnetz sichtbar und die Messungen an verschiedenen Netzpunkten vergleichbar, sodass die Forscher das Gesamtsystem besser beobachten können. Hiermit identifizieren und nutzen sie Potenziale für den Anschluss weiterer EEG-Anlagen. Zudem können sie Maßnahmen des Netzausbaus besser analysieren und bewerten. Auch die neuen Schutzsysteme werden mit den PMU-Daten gefüttert. Während des Feldversuchs haben sie noch keinen Einfluss auf eventuelle Abschaltungen im Netz. Die Systeme werden lediglich trainiert und ihre Lernkurve beobachtet. (ds)

www.sh-netz.com

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