Übergangsfrist für Redispatch 2.0

21.09.2021 – Zum 1. Oktober 2021 läuft die Frist für die Umsetzung der neuen gesetzliche Vorgaben für das Engpassmanangement ab: Ab diesem Zeitpunkt sollen im Rahmen des Redispatch 2.0 die neuen Prozesse für den Informations- und Datenaustausch, den Bilanzkreisausgleich sowie die Abrechnung bei den Netz- und Anlagenbetreibern implementiert sein. Doch die Implementierung verzögert sich – auch aufgrund fehlender Stammdaten.

Bereits in der vergangenen Woche hatten der edna Bundesverband Energiemarkt & Kommunikation e.V. und die Initiative evu+ gefordert, den Starttermin 1. Oktober abzusagen und mindestens auf den 1. April 2022 zu verschieben. Nun schließen sich der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) und die Bundesnetzagentur dem Vorschlag an: Der BDEW hat am 20.09.2021 eine „Übergangslösung“ zur Einführung des bilanziellen Ausgleichs von Maßnahmen nach § 13a Abs. 1a EnWG bei Anlagen mit einer Leistung von weniger als 10 MW sowie EE- und KWK-Anlagen veröffentlicht. Dieser soll vorübergehend pauschal in Höhe von 0 MWh erfolgen und bestehende Ansprüche in Bezug auf Energiemengen finanziell ausgeglichen werden.

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Der BDEW stellt eine Übergangslösung für Redisptach 2.0 vor. Bild: WikimediaImages / pixabay.com

Keine Abweichung vom Gesetz

Diese Übergangslösung stelle ausdrücklich keine vom Gesetz abweichende Vorgabe dar, betont der Verband, sondern nur eine vorweggenommene Verständigung über die Ermittlung des bilanziellen Ausgleichs. „Die gesetzlichen Anforderungen des Redispatch 2.0 bleiben erhalten“, heißt es in der Nachricht. Die Übergangslösung ist ausdrücklich auf den 31. Mai 2022 befristet, auch das Ziel eines vollumfänglichen physischen bilanziellen Ausgleichsprozesses gemäß den Zielprozessen zum frühestmöglichen Zeitpunkt bleibe von der Übergangslösung unberührt. Spätestens zum 1. März 2022 sei die Betriebsbereitschaft von allen Prozessteilnehmern sicherzustellen. Zu diesem Stichtag soll auch ein dreimonatiger paralleler Testbetrieb aller Residpatch-2.0- Zielprozesse starten.

Bundesnetzagentur begrüßt Vorschlag

Die zuständige Beschlusskammer 6 der Bundesnetzagentur begrüßt das vom BDEW dargestellte Vorgehen. Man habe zur Kenntnis genommen, dass die für die flächendeckende Einführung des bilanziellen Ausgleichs notwendigen Implementierungen noch nicht im ausreichenden Maße erfolgt sind und daher ein geordneter Übergang der bilanziellen Verantwortung auf die Netzbetreiber zum 01.10.2021 nicht sichergestellt sei. Um Risiken für die Systemsicherheit zu vermeiden, sollte den beteiligten Unternehmen ein geordneter Weg aufgezeigt werden, wie mit dieser Situation für eine Übergangszeit umgegangen werden kann. Dem dient nach dem Verständnis der Beschlusskammer 6 die vom BDEW veröffentlichte Übergangslösung.

Keine Sanktionen

Gleichzeitig kündigt die Bundesnetzagentur am, in diesem Zusammenhang vorerst auf Aufsichts- oder Zwangsmaßnahmen gegen die betroffenen Unternehmen zu verzichten. Gleichzeitig werde die Beschlusskammer die weitere Entwicklung bei der Implementierung von Redispatch 2.0 aufmerksam verfolgen. Insbesondere Netzbetreiber sowie Einsatz- und Bilanzkreisverantwortliche, die bereits bisher in hohem Maße von der Abregelung von Erneuerbare-Energien-Anlagen betroffen sind, sollen der Behörde regelmäßig über den Implementierungsstand berichten.

Die Beschlusskammer 8 kündigte gleichzeitig an, den Aufwandsersatz, der auf Grund der Durchführung der Übergangslösung des BDEW bei den Netzbetreibern anfällt, unter bestimmten Bedingungen als dauerhaft nicht beeinflussbare Kostenanteile zu behandeln. (pq)

www.bdew.de
www.bundesnetzagentur.de
www.edna-bundesverband.de

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