Szenarienvergleich: Der Weg zum 2030-Klimaziel

22.09.2021 – Wie Deutschland das neue, gesetzlich verankerte 2030-Klimaziel von minus 65 Prozent Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 erreichen kann, wird unter anderem auch im laufenden Wahlkampf diskutiert. Dabei ist zumindest Agora Energiewende zufolge im Stromsektor klar, was in den ersten 100 Tagen der neuen Legislaturperiode angestoßen werden muss.

Ein Vergleich der verschiedenen Szenarien (siehe Bild: Nettostromerzeugung nach Energieträgern 2020 und in verschiedenen Szenarien im Einklang mit dem Klimaschutzziel von minus 65 Prozent bis 2030), die die Ziele des Europäischen Green Deals beziehungsweise des neuen Klimaschutzgesetzes als Grundlage ihrer Modellierung nehmen, zeigt nach Ansicht von Agora Energiewende, was in den kommenden Jahren im Stromsektor passieren muss.

Nettostromerzeugung Klimaschutzziel Agora Energiewende
Grafik: Agora Energiewende; Quellen: eigene Berechnungen auf Basis AG Energiebilanzen (2021); Aurora Energy Research (2021): AuroraNZ; enervis energy advisors (2021): enervisGD; Fraunhofer ISI/consentec/ifeu/TU Berlin/E&R (2021): LS_H2-G, LS_Strom; Pietzcker/Osorio/Rodrigues (2021): PIKGD; Prognos/Öko-Institut/Wuppertaler Institut (2021): KNDE45.

Ausbau der Erneuerbaren und Kohleausstieg bis 2030

Erstens: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien muss erheblich beschleunigt werden. Je nach Szenario braucht Deutschland zwischen 435 und bis zu 554 Terawattstunden (TWh) Strom (netto) aus Wind, Solar, Biomasse und Wasserkraft, um das deutsche Klimaziel 2030 zu erreichen. Das entspricht knapp einer Verdopplung gegenüber 2020 (243 TWh). Dafür muss die Bundesregierung laut Agora Energiewende die Installationszahlen bei Windkraft und Solarenergie gegenüber dem aktuellen Niveau etwa verdreifachen, auf 5 bis 6 Gigawatt Windkraft an Land und 15 Gigawatt Solarenergie jedes Jahr.

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Foto: Tumisu / pixabay.com

Zweitens: Der Ausstieg aus der Kohleverstromung muss bereits bis 2030 nahezu vollständig abgeschlossen sein. In allen Szenarien sinkt die Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken auf 10 bis maximal 28 Terawattstunden ab, das entspricht zwischen ein und maximal fünf Prozent an der gesamten Netto-Stromerzeugung. Der Kohleausstieg im Stromsektor ist damit bis 2030 in allen klimagesetzkonformen Szenarien weitgehend abgeschlossen.

Keine Einigkeit über Rolle von Erdgas

Nicht einig sind sich die verschiedenen Gutachter über die mittelfristige Rolle von Erdgas. Je nach Szenario sinkt die Erdgas-Stromerzeugung bis 2030 um 25 TWh oder steigt um bis zu 65 TWh im Vergleich zu 2020. Die Abweichung ist Agora Energiewende zufolge vor allem darauf zurückzuführen, dass der Anteil von Erdgas am deutschen Strommix stark abhängig von den jeweils getroffenen Annahmen zur Entwicklung des Stromverbrauchs und dem Strommix in den Nachbarländern ist: Je nachdem, welche Annahmen die Szenarien über die Verfügbarkeit von günstigerem Strom aus dem Ausland treffen, variiert der Anteil von Erdgas am Strommix.

Die Autoren der Denkfabrik sind indes sicher, dass aufgrund des begrenzten CO2-Budgets und der stetig sinkenden Emissionsobergrenzen kein signifikanter Anstieg der Stromerzeugung aus Gaskraftwerken zu erwarten ist. Spätestens ab Anfang der 2030er Jahre wird der Anteil von Erdgas am Strommix kontinuierlich sinken – bis er dann im Jahr 2045, dem Jahr der Klimaneutralität, bei null liegt. (ds)

www.agora-energiewende.de

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