Mieterstromanlagen wirtschaftlich betreiben

23.09.2021 – Das Unternehmen ampere.cloud hat ein einheitliches Betriebssystem für sämtliche Erneuerbare-Energieanlagen entwickelt. Damit werden die Mieterstromanlagen der Stadtwerke Zeitz (SWZ) überwacht und ferngewartet.

Der Eigenverbrauch aus Photovoltaikanlagen bis 30 Kilowatt-Peak (kWp) ist von der EEG-Umlage befreit. Diese Regelung aus dem EEG 2021 macht auch Mieterstrom-Konzepte zunehmend attraktiv. Das Enertec-Start-up ampere.cloud und die Stadtwerke Zeitz arbeiten seit 2020 bei der Direktlieferung von Mieterstrom zusammen. Sie wollen damit einen Weg aufzeigen, wie die PV-Stromerzeugung unter der EEG-Novelle eine wirtschaftlich sinnvolle Zukunft haben kann. „Dies ist für uns interessant, da wir als Stadtwerk innovative Wege suchen müssen, um bei Stromerzeugung und Stromverkauf mit überregionalen Stromanbietern preislich konkurrenzfähig zu sein“, so Heike Wolff-Georgi, Vertriebsleiterin der Stadtwerke Zeitz.

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Mieterstromanlagen in Zeitz: Der Versorger will pro Jahr zwei bis vier neue Anlagen in Betrieb nehmen. Foto: Stadtwerke Zeitz GmbH

Kooperation über Netzwerkpartner

Wie nahezu alle Betreiber von Erneuerbaren Energieanlagen (EE-Anlagen) hatten auch die Zeitzer Stadtwerke mehrere Betriebssysteme parallel im Einsatz. Dies treibt zum einen die Kosten in die Höhe, zum anderen ist durch mehr Hardware die Störanfälligkeit höher und das Ausfallrisiko steigt, was wiederum Kosten für Wartung oder Neuanschaffung nach sich zieht. Der Kontakt zwischen dem Energieversorger und dem Start-up kam über den Solartechnik-Hersteller Q Cells zustande, der neben dem PV-Projektierer Kintlein & Ose als Partner bei ampere.cloud von Beginn an mit im Boot war.

Technologiepartner für Erneuerbare-Energien-Anlagenbetreiber

Mieterstrom: Energie vor Ort erzeugen und verbrauchen
Mieterstrom wird durch eine Solaranlage, ein Blockheizkraftwerk oder eine Kombination beider Anlagetypen erzeugt und von den Mietern direkt im Gebäude verbraucht. Für Mieterstrom entfallen die Netzentgelte. Wird mehr Strom produziert als verbraucht, fließt der Überschuss ins öffentliche Netz und wird vergütet.

Das Unternehmen ampere.cloud wurde im April 2019 von Florian Strunck (CEO), Frederik Merz (CTO) und Erik Nitschke (CCO) gegründet. Ende 2020 ging ampere.cloud eine Partnerschaft mit EnBW ein, um die Direktvermarktung von Ökostrom zu ermöglichen. Das Berliner Start-up positioniert sich als Technologiepartner für alle Betreiber von Ökoenergieanlagen. Angesichts sinkender EEG-Einspeisevergütung müssen Anlagenbetreiber und Stromanbieter auf möglichst geringe Betriebskosten achten. Hinzu kommt, dass die aktuelle EEG-Novelle den Preiswettbewerb verschärft, denn die teilweise erforderliche Nachrüstung mit Zähler- und Steuerungstechnik in PV-Anlagen führt zu höheren Stromerzeugungskosten. Das trifft vor allem die kleineren kommunalen Energieversorger, konstatiert Florian Strunck: „Diese politische Lücke im neuen EEG führt naturgemäß zu Kundenverlusten, wenn es keine technische Lösung gibt, die den Preisanstieg auffängt.“

Standardisierte Software erspart teure Hardware

Das von ampere.cloud entwickelte Betriebssystem umfasst Hard- und Software zur Steuerung, zum Leistungsnachweis und zur Strom-Direktvermarktung von sämtlichen Ökostromanlagen – unabhängig von ihrer Betriebsdauer und Größe oder von welchem Hersteller sie stammen. Dadurch ist ampere.cloud in der Lage, alle Prozesse gebündelt umzusetzen, auch für die Fernwartung von EE-Anlagen oder Speichern.

Anstoß für die Produktentwicklung waren die Erfahrungen von zwei Gesellschaftern des Start-ups auf dem PV-Markt. Sie benötigten Datenlogger und ein Monitoring für die eigenen Anlagen und die ihrer Kunden bei Wartung und Betrieb. Auf dem Markt machten sie überwiegend teure Spezial-Hardware ausfindig, zudem waren viele Lösungen ausschließlich mit den Komponenten der jeweiligen Anbieter kompatibel.

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Über den Datenlogger cloud.log werden die Solaranlagen gesteuert und Daten, z.B. von den Wechselrichtern, an die Cloud-Plattform übertragen. Foto: ampere.cloud GmbH

Das Berliner Unternehmen setzt hingegen auf standardisierte Software und eine intuitive Konfiguration, wie der ampere.cloud-CEO erläutert: „Unser Datenlogger installiert sich in kürzester Zeit selbständig, die Anlage ist sofort betriebsbereit. Mit ihm reduzieren sich die personal- und zeitintensiven Wartungsarbeiten deutlich. Auch die Dokumentation wird durch unser Betriebssystem vereinfacht.“ Anlagenbetreiber können mit ampere.cloud laut Florian Strunck bis zu 30 Prozent ihrer Kosten einsparen. Bei den Stadtwerken Zeitz können Heike Wolff-Georgi zufolge allein etwa 60 Stunden pro Jahr eingespart werden, da „wir uns nicht mehr für jede der elf Anlagen in ein eigenes Tool einwählen müssen“.

Datenlogger und Cloud-Plattform

Der Energieversorger organisiert nun seine gesamte Betriebsführung mit zwei Lösungen von ampere.cloud – dem Datenlogger/EZA-Regler „cloud.log“ und der Plattform „cloud.vision“. Der Datenlogger ist in den PV-Anlagen der SWZ verbaut, darüber wird die Anlage gesteuert und Daten, z.B. von den Wechselrichtern, an cloud.vision übertragen. Die Plattform überwacht die Anlagen permanent und autonom, Fehlermeldungen werden automatisiert erzeugt und an die Verantwortlichen versendet. Zudem organisieren die SWZ die gesamten Anlagendaten über die Plattform. Da alle Kernprozesse zur Betriebsführung in einer Plattform vorliegen, kann der Energieversorger die Kette angefangen vom Monitoring, über die Wartungseinsatzplanung und -durchführung bis hin zur Erstellung automatisierter Reportings effizienter gestalten.

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Foto: Stadtwerke Zeitz GmbH

Weitere Mieterstromanlagen geplant

Mit der Steuerungstechnik und dem Betriebssystem ist der Zeitzer Energieversorger in der Lage, Mieterstrom an seine Kunden direkt zu liefern. Hierbei kümmert sich ampere.cloud um die energetische und technische Überwachung. Die abrechnungsrelevanten Kernprozesse werden weiterhin vom Versorger durchgeführt, zudem bieten die Zeitzer einen speziellen Mieterstromtarif an. Für andere Kunden hat ampere.cloud indes auch die Fernauslesung der Zähler übernommen.

Aktuell haben die Stadtwerke Zeitz sieben Mieterstromanlagen am Netz, zwei weitere gehen noch 2021 in Betrieb und für weitere laufen die Planungen, bestätigt Heike Wolff-Georgi: „Unser Ziel sind pro Jahr zwei bis vier Anlagen.“ (ds)

Stadtwerke Zeitz GmbH
Heike Wolff-Georgi
heike.wolff@stadtwerke-zeitz.de
www.stadtwerke-zeitz.de

ampere.cloud GmbH
Florian Strunck
florian.strunck@ampere.cloud
www.ampere.cloud

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