Energiegenossenschaften: Die Stärke der Kooperation

24.09.2021 – Prokon ist mit fast 40.000 Mitgliedern Deutschlands größte Energiegenossenschaft. Heute liegt der Fokus auf Onshore-Windparks, die das Unternehmen plant, realisiert und betreibt. Aktuell umfasst das Portfolio 69 Windparks mit einer Gesamtleistung von über 790 MW in Deutschland, Polen und Finnland. Wir sprachen mit Kai Jacobsen, Leiter Unternehmenskommunikation.

Wie positioniert sich Prokon am Markt im Unterschied zum klassischen Versorger?

Prokon liefert 100 Prozent Windstrom direkt vom Erzeuger. Wir beziehen den Strom für unsere „Windstrom“-Kunden aus zwei ausgeförderten Windparks. Zusätzlich speisen unsere Anlagen jedes Jahr rund 700.000 MWh CO2-freien Strom ins deutsche Stromnetz ein. Bei klassischen Versorgern kommt der Strom in der Regel von Kraftwerksbetreibern (Vorlieferanten) und eigenen Produktionsanlagen (z.B. Blockheizkraftwerke). Die großen Konzerne betreiben dafür einen Mix aus Atom- und Kohlekraftwerken und auch zunehmend Erneuerbaren Energien. Aber kein klassischer Versorger kann den Bedarf seiner Kunden zu 100 Prozent aus eigenen regenerativen Anlagen bedienen. Auch die meisten reinen Ökostromanbieter verfügen nicht über ausreichend eigene Erzeugungskapazitäten und müssen den Strom zukaufen. Zudem gehört Prokon keinen Kommunen oder Finanzinvestoren, sondern befindet sich vollständig in den Händen der beteiligten Bürgerinnen und Bürger.

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Kai Jacobsen, Leiter Unternehmenskommunikation bei Prokon. Foto: Prokon eG

Welche Formen der Bürgerbeteiligung bieten Sie an?

In der Regel pachten wir das Land, auf dem unsere Wind- und PV-Anlagen stehen. Dadurch fließt Geld an die Landwirte Zudem werden die angrenzenden Kommunen oft an den Erlösen der Windparks beteiligt.

Die wesentlichste Form der Bürgerbeteiligung ist die Mitgliedschaft in der Genossenschaft. Die Mitglieder profitieren vom wirtschaftlichen Erfolg der Genossenschaft in Form einer Dividende. Zudem hat jedes Mitglied unabhängig von seinem Anteil eine Stimme in der Generalversammlung und bestimmt so den Kurs seines Unternehmens mit. Die Mitglieder engagieren sich auch in regionalen Beiräten und Arbeitsgruppen. Inzwischen gibt es mit der Energiegenossenschaft Windauf eG eine Schwester der Prokon eG, in der sich Mitglieder direkt an Windpark-Projekten beteiligen können. Bei einigen Windpark-Projekten ist auch eine direkte Beteiligung vor Ort möglich.

Welche Angebote haben Sie für Gewerbetreibende?

Abhängig von den Bedürfnissen bieten wir sowohl einen klassischen Gewerbestromtarif im Standardlastprofil (SLP) als auch eine Direktbelieferung im Rahmen eines PPA an. Eine registrierende Leistungsmessung (RLM) für Industriekunden können wir aktuell noch nicht anbieten.

Besteht für Kommunen die Möglichkeit mit Prokon zusammenzuarbeiten? Wenn ja, wie kann eine Zusammenarbeit aussehen?

Die Möglichkeiten der genossenschaftlichen Bürgerbeteiligung sowie das Angebot eines „Anwohnerstroms“ können hilfreich bei der Akzeptanz von Erneuerbaren-Energien-Projekten sein.

Neu im Angebot bei Prokon ist eine Biomethan-Anlage, die ausschließlich aus Gülle und Tretmist CO2-neutral Biomethan erzeugt und ins Erdgasnetz einspeist. Für Regionen mit einer hohen Nitratbelastung eine interessante Option.

Wie bewerten Sie die Rahmenbedingungen und Perspektiven für Energiegenossenschaften im deutschen Markt?
Die Energiewende ist maßgeblich von Bürgerinitiativen vorangetrieben worden. Mit der zunehmenden Bürokratisierung des EEG wurden die Rahmenbedingungen für die Energiegenossenschaften immer schwieriger. Die großen Energiekonzerne haben die Erneuerbaren Energien zunehmend als Geschäftsfeld entdeckt und dabei politische Regelungen in ihrem Interesse beeinflusst. Dennoch kann die Energiewende nur dezentral funktionieren und wird weiterhin auch von Idealisten ohne hohe Renditeerwartungen vorangebracht werden. Die Rahmenbedingungen müssen hier jedoch wieder unbürokratischer und fairer werden.

Welche Ziele verfolgt Prokon in den nächsten Jahren?

Prokons übergeordnetes Ziel ist es weiterhin, eine auf 100 % CO2- und atomfreie Energieproduktion hinzuarbeiten, an der möglichst viele Bürger partizipieren und mit der wir auch Verantwortung für unsere nachfolgenden Generationen übernehmen. Wir glauben an die Stärke der Kooperation und möchten eine feste und relevante Größe im Ökostrommarkt werden. Nur zusammen mit vielen Geleichgesinnten können wir unsere übergeordneten Ziele auch erreichen.

Im Ökostrommarkt möchten wir eine feste und relevante Größe für den bewusst handelnden Konsumenten werden, für den es entscheidend ist, ob sein Stromlieferant einen bedeutenden Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien liefert. Dabei setzt Prokon weiterhin auf die Windenergie in Deutschland und anderen europäischen Ländern, stellt sich aber auch breiter in Richtung Photovoltaik und anderen regenerativen Energieformen auf. Von unserer Kompetenz und Erfahrung sollen aber auch gern andere (potenzielle) Betreiber erneuerbarer Energien profitieren, entweder im Bereich Projektentwicklung und Bau als auch im Bereich Betrieb, Service und Wartung. (ds)

PROKON Regenerative Energien eG
Kai Jacobsen
info@prokon.net
www.prokon.net

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