Aufbruch nach China

28.09.2021 – Der boomende chinesische Elektromobilitäts-Markt lockt auch die hiesigen Anbieter – so etwa die ITK Engineering GmbH, eine auf Software-Entwicklung spezialisierte Tochtergesellschaft der Robert Bosch GmbH. Das Unternehmen eröffnete im August ein Büro in der Millionenstadt Wuxi nahe Shanghai. Wir sprachen mit Thomas Schiller, verantwortlich für die Internationalisierung bei ITK Engineering sowie Chen Xue, Leiter des neuen Büros in China.

Herr Chen Xue, wo genau steht China heute beim Ausbau der Elektromobilität?

Michael Chen ITK Engineering China Web
Chen Xue, Regional President ITK Engineering China. Foto: ITK Engineering GmbH

China ist nach wie vor der weltweit größte Absatzmarkt der Elektromobilität. Bereits 2018 haben die Automobilhersteller hier über eine Million E-Autos verkauft, mehr als die Hälfte der weltweiten Produktion. Zwei Jahre später waren es mehr als 1,2 Millionen Fahrzeuge. Und der Anteil an der Weltproduktion ist beeindruckend: Von den weltweit 10,9 Millionen Elektrofahrzeugen 2020 waren rund 5 Millionen in China unterwegs. Aber nicht nur die reinen Stückzahlen steigen, auch die Aktivitäten der Industrie im Bereich der Fahrzeug- sowie Komponentenentwicklung wachsen stetig. Dies alles passiert, um das Ziel Chinas zu erreichen, bis 2035 die Anzahl herkömmlicher Verbrennungsmotoren drastisch zu reduzieren.

Welche Faktoren sind für diese Dynamik verantwortlich?

Die Rahmenbedingungen für Elektroautos sind wohl nirgends so gut wie in China. Die Regierung fördert die Entwicklung und Herstellung elektrisch betriebener Fahrzeuge, indem sie den Herstellern Quoten vorgibt. Diese werden für Fahrzeuge mit hohem Elektrifizierungsgrad, Reichweite oder auch Batteriedichte belohnt. So will China es schaffen, Elektrofahrzeuge in der täglichen Mobilität der Bevölkerung noch fester zu verankern. Auch für die Nutzer selbst gibt es viele Vorteile: Großstädte wie Shanghai oder Peking unterstützen Fahrer von Elektroautos erheblich: die Zulassung für E-Autos ist leichter als für herkömmliche Antriebe, es gibt keine Fahrverbote wie sie an einigen Tagen für Verbrennermotoren gelten und teilweise gibt es auch eigene Fahrspuren für elektrische Autos.

Herr Schiller, wo sehen Sie Potenziale für deutsche Anbieter?

Thomas Schiller ITK Engineering Web
Thomas Schiller, Leiter Internationalisierung ITK Engineering GmbH. Foto: ITK Engineering GmbH

Allein die Größe des chinesischen Absatzmarktes ist für europäische Unternehmen sehr attraktiv. Dazu das enorme Innovationspotenzial, das chinesische Unternehmen und Konzerne auszeichnet. Für uns als Entwicklungsdienstleister sind insbesondere die sich wandelnden Anforderungen chinesischer Kunden attraktiv: Sie erwarten immer mehr lokale, kundenspezifische und marktdifferenzierende Entwicklungen neuer Technologien.

Deshalb haben wir im August auch ein eigenes Büro in Wuxi nahe Shanghai gegründet, um Kunden in China bei Themen wie Safety, Security, AUTOSAR oder Verifizierung und Validierung zu unterstützen. In diesen Bereichen bieten wir unseren Kunden mit dem „Whitebox“-Ansatz etwas Besonderes: Nach Abschluss eines Projekts erhalten sie von uns den Quellcode sowie sämtliche Rechte an den Entwicklungen.

Ich bin überzeugt: der intensive Austausch zwischen dem Westen und China ist eine große Chance und kann beiden Seiten helfen, gemeinsam die großen Herausforderungen wie Klimawandel, Digitalisierung oder auch Elektromobilität zu lösen. Die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, beispielsweise über Joint Ventures, kann dabei ein gutes Modell sein.

Gibt es Dinge, die Deutschland von China lernen könnte?

Gerade im Bereich der Digitalisierung ist China ein Vorreiter, sei es bei Themen wie Künstlicher Intelligenz, 5G, Quantenforschung oder anderer disruptiver Technologien. So werden in der täglichen Kommunikation gängige westliche Medien wie Email oder Telefon kaum mehr genutzt, die Handy-App WeChat ist die vielseitige und weit verbreitete Alternative. Aber auch in der Art, wie Produkte auf den Markt gelangen, kann uns China inspirieren. Während in Europa Produkte oftmals minutiös entwickelt und getestet werden, ehe sie an den Kunden gehen, legen chinesische Hersteller eine ganz andere Geschwindigkeit vor. Sie bringen Produkte oftmals schnell auf den Markt, um dann zu sehen, wie der Kunde reagiert und wo Optimierungsbedarf herrscht. (pq)

ITK Engineering GmbH
Thomas Schiller
thomas.schiller@itk-engineering.de
www.itk-engineering.de

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