Bundesnetzagentur legt Eigenkapitalverzinsung fest

20.10.2021 – Die Bundesnetzagentur hat ihre Festlegungen der zukünftigen Eigenkapitalzinssätze für die Elektrizitäts- und Gasnetzbetreiber veröffentlicht. Die Bundesnetzagentur hat für Strom- und Gasnetzbetreiber einheitlich einen Eigenkapitalzinssatz für Neuanlagen von 5,07 Prozent vor Körperschaftsteuer ermittelt. Für Altanlagen wurde ein Zinssatz von 3,51 Prozent vor Körperschaftsteuer festgelegt.

Aktuell betragen die Zinssätze 6,91 Prozent vor Körperschaftsteuer für Neuanlagen und 5,12 Prozent vor Körperschaftsteuer für Altanlagen. Die neuen Zinssätze gelten ab der vierten Regulierungsperiode. Diese beginnt für die Gasnetzbetreiber im Jahr 2023, für die Stromnetzbetreiber im Jahr 2024.

Für den Zeitpunkt der Festlegung ist entscheidend, dass der Zinssatz Anfang 2022 in die Bestimmung der Erlösobergrenzen der Gasnetzbetreiber und den damit einhergehenden Effizienzvergleich einzubeziehen ist. Die gleichzeitige Festlegung für Strom- und Gasnetze erfolgt, weil nicht allein infolge unterschiedlicher Zinssätze aufgrund einer ungleichzeitigen Festlegung ungewollte Lenkungseffekte des Eigenkapitals entstehen sollen und Investitionen bevorzugt im Gasnetz getätigt werden.

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Foto: Who is Danny / Shutterstock.com; RainerSturm / PIXELIO

Bestandteile des Zinssatzes

Der Eigenkapitalzinssatz ergibt sich aus dem 10-Jahresdurchschnitt des risikolosen Zinssatzes zuzüglich eines angemessenen Wagniszuschlags. Der risikolose Basiszins beträgt 0,74 Prozent, in puncto Wagniszuschlag hat die Bundesnetzagentur rund 3 Prozent ermittelt. Derzeit sind der Behörde zufolge am Kapitalmarkt keine Anzeichen erkennbar, dass dieser Zins während der nächsten Regulierungsperiode in einem Maße steigen könnte, das im festgelegten Eigenkapitalzinssatz nicht bereits berücksichtigt wäre. Gleichwohl hat die Bundesnetzagentur nach einen Angaben Vorkehrungen getroffen, den Eigenkapitalzinssatz bei einer unerwarteten Änderung des Zinsumfeldes während der nächsten Regulierungsperiode unmittelbar anpassen zu können.

BDEW und VKU: Bundesnetzagentur sendet falsches Signal

Nach Ansicht von BDEW und VKU gefährdet die Absenkung des Eigenkapitalzinssatzes um mehr als 25 Prozent die Leistungsfähigkeit der Netzbetreiber und die Investitionen in die Netzinfrastruktur. Daran ändere auch die leichte Anhebung nach dem Konsultationsverfahren wenig. Ein Regulierungsrahmen, der Investitionen anreizt, sei für den Aus- und Umbau Netze essentiell – dem werde die Entscheidung der Bundesnetzagentur nicht gerecht.

Die beiden Akteure sind der Meinung, dass die Bundesnetzagentur bei ihrer Einschätzung zur Entwicklung der Kapitalmärkte wesentliche Empfehlungen der Europäischen Zentralbank zur Bewertung der künftigen Renditeerwartung von Investoren nicht beachtet habe. Der niedrige Eigenkapital-Zins biete wenig Anreiz für Investoren, Netzbetreibern das für die Energiewende erforderliche Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Weiterhin wiesen BDEW und VKU darauf hin, dass für Netzbetreiber das Risiko insbesondere durch die höheren Anforderungen zur Dekarbonisierung der Energiewirtschaft und den verschärften Ausbaupfad der Erneuerbaren im Strom- und Gassektor steige. (ds)

www.bdew.de
www.vku.de

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