Windenergieausbau und Artenschutz besser vereinbaren

21.10.2021 – Damit 2030 gut ein Drittel des Stroms in Deutschland aus Windkraft an Land stammen, braucht es mehr Flächen für den Bau neuer Windräder. Doch Konflikte bei der Standortauswahl für neue Windräder und beim Artenschutz erschweren den Ausbau der Windenergie. Mit einem neuen Online-Tool, das im Auftrag von Agora Energiewende vom Reiner Lemoine Institut entwickelt wurde, lassen sich geeignete Flächen für den im Rahmen der Klimaziele benötigten Ausbau der Onshore-Windenergie identifizieren. Zugleich kann das Tool mögliche Standorte für Photovoltaik-Freiflächenanlagen ermitteln, für die künftig knapp ein Prozent der Bundesfläche benötigt werden. Auf diese Weise lässt sich der erforderliche Ausbau von PV-Freiflächen- und Windenergieanlagen an Land für eine klimaneutrale Stromversorgung visualisieren.

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Agora Energiewende zeigt mit einem Online-Tool, wo die größten Flächenpotenziale für Solar- und Windenergieanlagen liegen. Foto: lovelyday12 / Shutterstock.com; Bild: Agora Energiewende, Smart Energy for Europe Platform (SEFEP) gGmbH

Visualisierung auf Geodaten-Basis

Das Tool visualisiert auf Basis öffentlich zugänglicher Geodaten auf der Deutschlandkarte Flächen, die potenziell für PV-Freiflächen- und Windenergie geeignet sind. Beispielsweise können Nutzer die Abstände von Windkraftanlagen zu Siedlungen variieren. So wird sichtbar, welche Potenzialflächen durch die Aufhebung pauschaler Mindestabstände verfügbar werden. Ebenso kann die teilweise Nutzung von Waldflächen sowie von Landschaftsschutzgebieten ausgewählt werden – diese Gebiete bergen überall dort ungenutztes Standortpotenzial, wo keine ökologischen Kriterien berührt werden. Die Einstellungen können separat für jedes Bundesland vorgenommen und die ausgewiesenen Flächen bis auf Gemeindeebene dargestellt werden. Ob ein Gebiet tatsächlich geeignet ist, erfordert weiterer Prüfung mit Beteiligten vor Ort.

Neben der Ausweisung geeigneter Flächen stellt der Artenschutz eine Herausforderung für den Ausbau der Windkraft an Land dar. Immer wieder verzögern Klagen gegen Windenergieprojekte deren Bau oder Inbetriebnahme. Eines der häufigsten Klagemotive ist die Sorge um durch Windenergieanlagen in ihrem Bestand gefährdete Vogelarten. Nach Ansicht von Agora Energiewende sollte der Schutz gefährdeter Vögel statt auf standortbezogener Einzelfallprüfungen stärker auf einen flächenbasierten Populationsschutz ausgerichtet werden. In einer Analyse bewertet Agora Energiewende die zur Versöhnung von Windenergie und Vogelschutz vorliegenden Konzepte und gibt Handlungsvorschläge, die in den ersten 100 Tagen von der neuen Bundesregierung auf den Weg gebracht werden können. (ds)

www.agora-energiewende.de

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