Projekt pebbles: Chancen lokaler Energiemärkte nutzen

26.10.2021 – Nach gut drei Jahren Projektlaufzeit haben die Partner des Projekts pebbles gemeinsam Bilanz gezogen und die zentralen Ergebnisse vorgestellt. Im Rahmen des Projekts haben die Projektpartner rund um Siemens und das Allgäuer Überlandwerk (AÜW) eine funktionierende lokale Energie- und Flexibilitätshandelsplattform geschaffen. Bei der Abschlussveranstaltung bekräftigten die Projektpartner, dass lokale Energiemärkte eine kostenoptimierte Energiewende ermöglichen und die notwendige Transformation beschleunigen würden. Derzeit scheitere es an den fehlenden regulatorischen Rahmenbedingungen.

Handelsplattform ermöglicht Zugang zum lokalen Energiemarkt

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Abschlussveranstaltung des Projekts pebbles in Wildpoldsried im Allgäu. Foto: Isenhoffs Büro GbR

In der Gemeinde Wildpoldsried im Allgäu erproben Siemens und das AÜW gemeinsam mit ihren Projektpartnern seit gut drei Jahren einen lokalen Marktplatz für Energie und Flexibilitäten unter Einsatz der Blockchain-Technologie. Seit Oktober 2020 ermöglicht eine Handelsplattform privaten Stromproduzenten den Zugang zu einem lokalen Energiemarkt. Diese Plattform bietet lokalen Erzeugern, Prosumern und Verbrauchern die Möglichkeit, ihren Strom und ihre Flexibilitäten – z.B. die zeitlich verschobene Ladung einer Batterie – aktiv untereinander zu handeln. Eine digitale Plattform verbindet alle Teilnehmer so miteinander, dass sie überschüssigen Strom an andere Verbraucher oder über einen Zwischenhändler an übergeordnete Märkte vermarkten können. Bei lokaler Unterdeckung liefert ein Backup-Versorger zusätzlichen Strom. Über die Plattform können Nutzer zudem ihre Präferenzen für ihren Strombezug festlegen und so etwa die Herkunft des Stromes wählen und maximale Bezugspreise festlegen.

Netzengpässe minimieren

Darüber hinaus berücksichtigt die Plattform die Netztopologie und die prognostizierte Netzauslastung, um Netzengpässe minimieren zu können. Möglich wird dies den Projektpartnern zufolge durch eine multikriterielle Optimierung der Handelsplattform: Sie wickelt Transaktionen ab und nutzt bei Bedarf Flexibilitäten aus Batteriespeichern oder steuerbaren Lasten wie Wärmepumpen oder Ladestationen für Elektrofahrzeuge.

Projektabschluss und konkrete Ergebnisse

Sebastian Gebhardt, Projektleiter beim Allgäuer Überlandwerk verdeutlichte auf Grafiken, dass es gelungen sei, Verbrauch und Erzeugung innerhalb der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestmöglich aufeinander abzustimmen. Zudem kamen über die Stromhandelsplattform allein mit den rund 60 realen und virtuellen Teilnehmern täglich gut über 6.000 Verträge zustande. Diese Anzahl an Transaktionen wurde erreicht, da die Mengen je Viertelstunde gehandelt werden konnten.

Die Kernergebnisse des Projekts sind in einem Policy Paper zusammengefasst. Das Papier beschreibt die wesentlichen Grundvoraussetzungen, wie lokale Energie- und Flexibilitätsmärkte helfen können, die Kosten der Energiewende zu senken, die Akzeptanz zu steigern und damit einen Beitrag zur Beschleunigung der Transformation des Energiesystems zu leisten.

Projekte wie „pebbles“ zeigen nach Ansicht der Projektpartner, wie Stromnetze zukünftig flexibler werden können, um mehr erneuerbare Energien aufnehmen zu können. Lokale Energiemärkte können so den Bedarf an kosten- und zeitintensivem Ausbau der Netze und des Netzengpassmanagements reduzieren. Insgesamt haben sie so das Potenzial, die Kosten für die Energiewende zu senken. Aktuell stehen dieser Perspektive jedoch ein starres Netzentgeltsystem und regulatorische Rahmenbedingungen entgegen. Die Projektpartner erhoffen sich von der neuen Bundesregierung, die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen für ein neues Marktdesign zu schaffen. (ds)

www.pebbles-projekt.de

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