Energiespeicher: Die Großen kommen

19.11.2021 – Als stabilisierende Elemente werden leistungsfähige Großspeicher für das Energiesystem der Zukunft immer wichtiger. Die Smart Power GmbH geht davon aus, dass die aktuell geplanten Anlagen auch für externe Investoren hohe Renditen erwirtschaften.

Strom flexibel aufnehmen und abgeben – mit dieser Fähigkeit sind Stromspeicher ohne Frage eine der Schlüsseltechnologien für die Energie- und Mobilitätswende. Doch erst in jüngerer Zeit etablieren sich Speicher im Stromsystem. So enthält der Netzentwicklungsplan 2030 erstmals zwei große Speicherprojekte mit einem Investitionsvolumen von rund 420 Millionen Euro: In Ottendorf und Audorf Süd wird Tennet zwei Großspeicher à 100 MW realisieren, TransNetBW plant einen 250 MW-Speicher in Kupferzell. Doch im Moment sind es nicht vorrangig die Netzbetreiber, die in Großspeichersysteme investieren.

Speichertechnologie inzwischen leistungsfähig

„Die Technologie ist inzwischen sehr leistungsfähig und aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen im Netz und am Markt auch für privatwirtschaftliche Akteure und Investoren wirtschaftlich zunehmend interessant“, erläutert Thorsten Klöpper, neuer CSO und Geschäftsführer der Smart Power GmbH. Das Unternehmen hat sich auf große Speicherlösungen im mehrfachen Megawatt-Bereich spezialisiert. Wie Klöpper ausführt, deckt Smart Power bei der Realisierung komplexer Speicherprojekte dieser Größenordnung die gesamte Kette von der Grundstücksentwicklung und Projektierung über den Bau und Betrieb der Anlage bis zur Vermarktung der Speicherkapazitäten ab.

Smartbooster-Gotha-1
Der Smartbooster in Gotha mit 11 MWh ist ein Beispiel für ein wirtschaftliches Großspeicherprojekt. Foto: Smart Power GmbH

Aktuell baut das Unternehmen gemeinsam mit dem Windparkentwickler juwi in einem der ersten von der Bundesnetzagentur vergebenen Innovationsprojekten in der Uckermark einen Lithium-Ionen-Speicher mit einer Kapazität von drei Megawattstunden samt entsprechender Mess- und Regelungstechnik. Dieser soll den Strom aus zwei großen Windanlagen konstanter und auch zu windarmen Zeiten ins Netz einspeisen.

„Tatsächlich ist die Kombination aus erneuerbaren Erzeugungsanlagen und Speicher auch im großtechnischen Maßstab eine absolut sinnvolle, aber noch relativ neue Anwendung“, führt Klöpper aus, der dabei insbesondere für reine Energieerzeuger attraktive Ertragsmöglichkeiten sieht. Einen Speicher ausschließlich für die Erhöhung des Eigenverbrauchs aus regenerativen Anlagen zu nutzen, rentiere sich dagegen für gewerbliche „Prosumer“ zumeist nicht – dafür sei der Strompreis für Industriekunden zu gering. Solche Kalkulationen gehören für Klöpper zum Tagesgeschäft, denn die Rentabilität der Systeme ist für die zahlreichen Industriekunden das zentrale Entscheidungskriterium.

Spitzenlastkappung

Unter diesem Aspekt werden industrielle Großspeicher heute häufig genutzt, um Lastspitzen in der Produktion abzufangen (Peak Shaving) und damit die laufenden Energiekosten zu senken, die sich an der jährlichen Spitzenlast bemessen. Bisweilen können Speicher überdies dazu beitragen, dass ein Unternehmen die „magische Grenze“ von 7.000 Jahresvolllaststunden erreicht. Ab dann gilt ein Stromkunde als netzdienlich und kann die im Energiepreis enthaltenen Netzentgelte oft fast vollständig einsparen. „Ob und in welcher Konfiguration sich der Einsatz eines Speichers für solche Anwendungen rechnet, können wir mit einem speziell dafür entwickelten Prognose-Tool relativ schnell ermitteln“, berichtet Klöpper.

Auch Stadtwerke können übrigens mithilfe eines Speichers ihre eigene Netzlast reduzieren und damit Netzentgelte an das vorgelagerte Netz sparen. „Wird mit einem Speichersystem die höchste Spitze eines Netzgebietes zum vorgelagerten Netz reduziert, hat der Betreiber des Systems einen Anspruch auf die vermiedenen Netzentgelte“, erläutert Klöpper. Das könne sich lohnen.

Smart-Power_Grafik-1
Grafik: Smart Power GmbH

Kapazitäten für Regelleistung benötigt

Durch die Abschaltung konventioneller Kraftwerke fehlen zunehmend große Schwungmassen im Netz, die Schwankungen und Ungleichgewichte zwischen Erzeugung und Verbrauch umgehend ausgleichen können. Um Instabilitäten im Netz zu vermeiden, werden daher zunehmend Kapazitäten für Regelleistung benötigt, die in der Lage sind, Über- oder Unterfrequenzen auszugleichen. Das am schnellsten abrufbare Regelleistungsprodukt, die sogenannte Primärregelleistung (PRL), wird von den Übertragungsnetzbetreibern ausgeschrieben. „Ein Speicher in relevanter Größenordnung kann also die Bereitschaft, Regelleistung zu erbringen, gegenüber dem Übertragungsnetzbetreiber anbieten und vermarkten“, erklärt Thorsten Klöpper. Diese Option, die Smart Power ebenfalls durch entsprechende Dienstleistungen unterstützt, sei aktuell die vielleicht wichtigste Ertragsquelle für Speicherbetreiber.

Speziell bei Netzbetreibern können Speichersysteme zudem einen wertvollen Beitrag zur Blindleistungskompensation leisten, denn, so erläutert Klöpper, der Wechselrichter eines Speichersystems kann in vielen Fällen nicht nur Wirkleistung erzeugen, sondern auch die Blindleistung im Netz kompensieren.

Große Potenziale bei E-Mobilität

Große Potenziale sieht Smart Power auch im Zuge des Ausbaus der privaten oder öffentlichen Ladeinfrastruktur, denn die meisten Netzanschlüsse können die benötigte Leistung für Schnellladestationen, die Ladung von Elektrobussen oder größeren elektrifizierten Transportfahrzeugen nicht zur Verfügung stellen. „Hier könnten Speicher als Puffer sinnvoll sein. Das gilt insbesondere, wenn die Speichersysteme mehrfach genutzt werden, sprich: der Betreiber zusätzlich PRL vermarktet oder Unternehmen mit vorhandenen Speichersystemen Schnell-Lade-Serviceleistungen bieten“, ist Klöpper überzeugt.

Multi-Use und Second-Life

Solche variablen Anwendungen zu unterstützen, und damit Speichertechnologien rentabler zu machen, ist das Ziel eines weiteren Angebots der Smart Power, das derzeit die zweite, wesentliche Säule der Strategie des Unternehmens darstellt. Grundlage ist eine Technologie, die es ermöglicht, die Ressourcen eines Speichersystems parallel und automatisiert verschiedenen Anwendungen zuzuweisen. Thorsten Klöpper: „Dieses bereits mehrfach ausgezeichnete Geschäftsmodell sorgt beim Einsatz großer Batteriespeicher für hohe Renditen.“

Auf der anderen Seite lassen sich die Investitionskosten durch Speichersysteme senken, bei denen gebrauchte Akkus aus Fahrzeugen (Second-Life) zum Einsatz kommen. Um die effiziente Auslastung der Systeme und damit die Rentabilität weiter zu optimieren, investiert Smart Power zudem erheblich in die Digitalisierung, darunter auch in KI-basierte Technologien und intelligente Algorithmen.
„Auf der Grundlage rentieren sich Speicherlösungen nicht nur für Industriekunden, Energieversorger und Netzbetreiber. Sie bilden auch die Grundlage interessanter Geschäftsmodelle für externe Investoren, die die Kapazitäten ausschließlich vermarkten“, berichtet Klöpper. Er ist überzeugt, dass die höhere Effizienz und Wirtschaftlichkeit für die bisherigen Zielgruppen und die Investitionen Dritter für eine steigende Dynamik im Markt sorgen und die Rolle der Batteriespeicher in der Energiewende weiter stärken werden. (pq)

Smart Power GmbH
Raphael Widmann
widmann@smart-power.net
www.smart-power.net

Share