S&P Platts-Einschätzung zum Kohleausstieg 2030

25.11.2021 – Im vorgestellten Koalitionsvertrag ist auch ein geplanter Kohleausstieg im Jahr 2030 enthalten. S&P Global Platts, ein Preis-Informationsdienst für den Handel mit Energie, Rohstoffen und Agrarprodukten, liefert Einschätzungen und Prognosen zu den Plänen der designierten Bundesregierung.

Noch vor der Bundestagswahl hat die scheidende Regierung das Treibhausgasminderungsziel für 2030 auf 65 % zum Referenzjahr 1990 angehoben. Dadurch wird nach Ansicht von S&P Global Platts ein Festhalten am Ausstieg aus der Stein- und Braunkohle im Jahr 2038 unwahrscheinlicher. Die Vorverlegung des Kohleausstiegs auf 2030 sei daher nicht nur ein Zugeständnis an die Grünen, sondern ein notwendiger Schritt zur Erreichung des 65%-Ziels.

Deutschland hat in den letzten drei Jahren jeweils eine Ausstiegsauktionen für die Stilllegung von Steinkohlekraftwerken durchgeführt, an denen eine rege Beteiligung zu verzeichnen war. Gleichzeitig haben die Energieversorgungsunternehmen ihre Investitionen in die Umrüstung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK-Anlagen) von Kohle auf Gas verstärkt. Allein EnBW hat in den letzten Wochen angekündigt, bis Mitte der 2026er Jahre 1,1 Gigawatt (GW) Steinkohle-Kapazität durch bis zu 1,5 GW gasbefeuerte KWK-Blöcke zu ersetzen, die auch wasserstofftauglich sein sollen.

Progose Energiemix 2030 Deutschland SP Platts
S&P Platts prognostiziert den deutschen Energiemix bis in das Jahr 2030. Grafik: S&P Global Platts

Erhöhter wirtschaftlicher Druck auf Braunkohlekraftwerke

Nach Einschätzung von S&P Global Platts ist ein Ausstieg aus der Braunkohleverstromung bis 2030 aufgrund der zahlreichen hiervon abhängigen Arbeitsplätze schwierig zu gestalten. Der Informationsdienst geht indes davon aus, dass der Energieversorger RWE alle seine verbleibenden Blöcke bis Ende der 2020er Jahre stilllegen wird. Neben dem zunehmenden politischen Druck, den Braunkohleausstieg vorzuziehen, prognostiziert S&P Global Platts, dass ein erwartbarer Rückgang der europäischen Gaspreise gegen Mitte der 2020er Jahre den wirtschaftlichen Druck auf die Braunkohlekraftwerke erhöhen wird.

In Ostdeutschland ist der Braunkohlebergbau nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Dies könnte dazu führen, dass einige ostdeutsche Braunkohlekraftwerke in den frühen 2030er zumindest als Reservekapazität am Netz bleiben.

Da die Elektrifizierung des Verkehrs- und Wärmesektors die Stromnachfrage erhöhen wird, benötigt Deutschland angesichts des Kohle- und Atomstromaussteiges neben einem starken Wachstum der Wind- und Solarenergie auch steigende Speicherkapazitäten.

Gaserzeugung wird mittelfristig Kohleverstromung übersteigen

S&P Global Platts mittelfristig einen Anstieg der Gaserzeugung, um die Kohle- und Atomstromerzeugung zu ersetzen: „Allerdings wird die neue Regierung Gas nur als Brückentechnologie unterstützen, wobei die Wasserstofftauglichkeit wahrscheinlich eine Voraussetzung für neue Gaskraftwerke sein wird“, so Sabrina Kernbichler, EMEA Gas Analyst, S&P Global Platts.

Platts Analytics prognostiziert, dass die deutsche Gaserzeugung im Jahr 2025 zum ersten Mal in der Geschichte die Kohleverstromung übersteigen wird. Langfristig jedoch hat die neue Regierung bereits signalisiert, dass die Beendigung der Nutzung des fossilen Brennstoffs Gas für die Stromerzeugung die nächste Etappe bei der Dekarbonisierung des Stromsektors sein wird, um das deutsche Ziel der Kohlenstoffneutralität bis 2045 zu erreichen. Für neue Gaskraftwerke wird S&P Global Platts zufolge die Bereitschaft zur Nutzung von Wasserstoff eine wichtige Voraussetzung sein, um entweder KWK-Subventionen zu sichern oder ein tragfähiges langfristiges Geschäftsmodell gewährleisten zu können. (ds)

www.spglobal.com

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