Schwarmintelligenz für Smart City-Projekte

13.12.2021 – Die Kooperationsplattform Civitas Connect bietet Stadtwerken, Versorgern und Kommunen ein Forum für gemeinsamen Austausch und Mitwirkung. Ziel ist es, standardisierte Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Erste Ergebnisse zeigen die Wirksamkeit des Ansatzes.

Höhere Komplexität, schnelle Veränderungen in Strukturen und in Prozessen, Klimafolgenanpassungen: Das sind nur einige der Herausforderungen, vor denen Stadtwerke und Versorger heute stehen. Zum Erreichen der Klimaziele liegt es nicht nur im Interesse der Stadtwerke, Klimaneutralität zu erreichen. Zudem gilt es immer neue gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Dafür sind flächendeckende Digitalisierung und datengetriebene Prozesse erforderlich, unter anderem für die Realisierung von Smart City-Projekten. Doch limitierte finanzielle und personelle Ressourcen, fehlendes Know-how, die Komplexität neuer Technologien, die mangelnde Standardisierung und nicht zuletzt die zur Verfügung stehende Infrastruktur stellen vor allem Stadtwerke und Versorger vor eine Herkulesaufgabe. „Smart City-Projekte alleine anzustoßen und umzusetzen, ist für viele Unternehmen nicht möglich – und eigentlich auch nicht sinnvoll“, sagt Civitas Connect-Geschäftsleiter Ralf Leufkes.

shutterstock_Blue-Planet-Studio_1916256812

Foto: Blue Planet Studio / shutterstock.com

Smart City gemeinsam angehen

Hier setzt die vom IT-Dienstleister items initiierte Kooperationsplattform Civitas Connect an. Der Mitte 2020 gegründete Verein bietet seinen Mitgliedern Erfahrungsaustausch und gemeinsamen Wissensaufbau. Ziel war und ist die Umsetzung von Projekten aus dem Umfeld von Smart City oder Smart Region, wie Leufkes erklärt: „Civitas Connect dient kommunalen Unternehmen dazu, Erfahrungen zu teilen, gemeinsame Projekte zu initiieren, branchenübergreifenden Input einzuholen und offene Standards für die Stadt von morgen zu definieren. Die Bereitstellung der Grundlagen einer Smart City ist die digitale Daseinsvorsorge und gehört in kommunale Hände.“

Dabei liegt der Fokus auf der Lösungserbringung aus den eigenen Reihen heraus. Nach einem Jahr hat sich die Zahl der Mitglieder von ursprünglich 22 auf 42 kommunale Versorgungsunternehmen und Kommunen nahezu verdoppelt. „Gerade die Mitgliedschaft der Kommunen bildet eine Besonderheit von Civitas Connect. Aktuell gehören drei Städte und zwei Kreise dem Verein an“, erklärt Ralf Leufkes.

Kooperationsplattform: Organisieren und moderieren

items kommt als Organisator und Moderator der Kooperationsplattform eine zentrale Bedeutung zu. Das Unternehmen, selbst IT-Dienstleister der Stadtwerke Münster, übt in den ersten zwei
Jahren die Geschäftsführung aus. Der Vorstand wird durch die Mitglieder gewählt. Vorstandsvorsitzender ist Markus Hilkenbach, CEO der WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH. In dieser Rolle liegt die laufende Verwaltung sowie die Vorbereitung von Beschlüssen in den Händen von items.

Erfahrung auf diesem Gebiet kann das Unternehmen nicht zuletzt durch die Kooperationsplattform Billing4us vorweisen, die items seit nunmehr zehn Jahren anbietet. „Um dem Wandel in der Energieversorgungsbranche entgegentreten zu können und dem steigenden Kostendruck und Wettbewerb gewachsen zu sein, haben sich sieben Stadtwerke zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Template-Lösung auf Basis von SAP IS-U zu nutzen. Da die Nutzungsbedingungen ähnlich einem Software-as-a-Service-Ansatz aufgebaut sind, werden Kosten gesenkt, während gleichzeitig die Ausgestaltung der Lösung vollständig in den Händen der Kooperationspartner liegt“, erläutert Andreas Müller, Bereichsleiter Vertrieb, Marketing und Key-Account Management bei items.

Karte-Mitglieder-Civitas-Connect
Ein Jahr nach der Gründung hat sich die Zahl der Mitglieder von Civitas Connect auf 42 kommunale Versorgungsunter­nehmen und Kommunen verdoppelt. Foto: items GmbH

Netzwerkgedanke

Bei Civitas Connect geht es darum, Lösungen für unterschiedliche Problemstellungen zu entwickeln. Dafür ist die Kooperationsplattform in Arbeitsgruppen organisiert. Jede dieser Gruppen widmet sich einem Thema. Dabei stellen die Mitglieder ihr Know-how zur Verfügung, um gemeinsam davon zu profitieren. Konstruiert wird stets eine konkrete Lösung, die über die bloße Konzeptionierung hinausgeht. Die Übertragbarkeit liegt nach Auskunft von Ralf Leufkes zwischen 80 und 100 Prozent, sodass die Lösung allen Mitgliedern nutzt.

Dafür soll das Ergebnis in Form eines für alle Partner zugänglichen Whitepapers festgeschrieben und anschließend zur Verfügung gestellt werden. Somit kann jeder kommunale Versorgungsbetrieb, der Mitglied bei Civitas Connect ist, entscheiden, ob mit der Lösung eines seiner Probleme behoben wird – unabhängig davon, ob er Teil der Arbeitsgruppe war. Zudem erhält er Informationen über den Lösungsweg und die benötigten Ressourcen. Um dabei ein möglichst breites Spektrum an Themen abzudecken, steht es jedem Mitglied zu jedem Zeitpunkt offen, eigene Arbeitsgruppen zu initiieren, die sich mit einem von ihm gewünschten Thema befassen.

Erste Meilensteine sind erreicht

Erste Ergebnisse und Erfolge, die Civitas Connect vorweisen kann, geben dem Konzept Recht. So sind bei verschiedenen Themen Fortschritte zu verzeichnen. Für den Bereich Pegelsensorik ist eine Vergleichsmatrix entstanden, die bei der Auswahl passender Sensoren unterstützt. Dafür sind wesentliche Eigenschaften ersichtlich und Sensorbeschreibungen stehen zur Verfügung.

Die Grundwassermessung ist als Maßnahme der Klimafolgenanpassungen relevant und stellt damit einen wichtigen Smart City-Use Case dar. Ein anderes Themenfeld ist LoRaWAN: Hier wurden vier unterschiedliche Gateways getestet und bewertet. Darüber hinaus wurde ein Sicherheitskonzept erarbeitet, das künftig bei LoRaWAN-Netzen Anwendung finden kann. Drei Mitglieder befinden sich aktuell in Pilotprojekten zur Verkehrszählung. „Die Arbeitsgruppe verfolgt deren Entwicklung aktiv und bewertet die Piloten individuell hinsichtlich ihrer Mehrwerte“, berichtet Andreas Müller.

Bereits kurz vor der Veröffentlichung eines Fachbuchs steht die Arbeitsgruppe zur 450MHz-Frequenzvergabe. Das Werk, das in Zusammenarbeit zweier Mitglieder entstanden ist, beschäftigt sich mit der Bedeutung der Frequenz für die Energiewirtschaft. Dabei gehen die Autoren auch auf andere Übertragungstechnologien ein.

Zukunftspläne für weitere Smart City-Projekte

Mit Civitas Connect haben Stadtwerke und Versorger die Möglichkeit, Einfluss auf die Weiterentwicklung vom Konzept Smart City in Deutschland zu nehmen und für offene Standards einzustehen. Durch die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden die Mitglieder befähigt, eigenständiger zu agieren und Smart City-Projekte umzusetzen. Neben praktischen Lösungsansätzen kommen auch wirtschaftliche Aspekte zum Tragen. Ralf Leufkes: „Durch die Größe des Vereins entsteht auf Grundlage der Kooperation eine weitaus höhere Durchschlagskraft, die bei der Verhandlung über diverse Einkaufskonditionen Wirkung zeigt.“

Auch für die Zukunft gibt es bereits Pläne: Die Arbeitsgruppen sollen in Clustern gruppiert und die Wiederverwendbarkeit der Lösungen verbessert werden. Darüber hinaus soll eine interne Befragung Aufschluss über spezielle Handlungsbedarfe geben, um die Weiterentwicklung noch zielgerichteter auf die Bedürfnisse der Mitglieder auszurichten. (ds)

Civitas Connect e.V.
Ralf Leufkes
r.leufkes@civitasconnect.digital
www.civitasconnect.digital

items GmbH
Andreas Müller
a.mueller@itemsnet.de
www.itemsnet.de

Share