Aufspaltung der Energietarife: Versorger abgemahnt

14.01.2022 – Die Verbraucherzentrale NRW geht juristisch gegen die Aufspaltung der Grundversorgungstarife von Strom und Gas zwischen Neu- und Bestandskund:innen vor. Nachdem Anbieter wie Stromio oder gas.de ihre Lieferungen eingestellt haben, fallen hunderttausende betroffene Haushalte damit in die Ersatzversorgung zurück. Wie eine aktuelle Marktstichprobe der Verbraucherzentrale NRW für Strom belegt, verlangt ein Großteil der Grundversorger von den neuen Kund:innen Preise, die um ein Vielfaches höher liegen als die des bisherigen Kundenstamms. Eine Ungleichbehandlung, die gegen geltende Vorschriften des Energierechts verstößt, so die Verbraucherzentrale NRW. Sie hat deshalb nun Abmahnungen an die Rheinenergie, die Stadtwerke Gütersloh und die Wuppertaler WSW Energie & Wasser verschickt.

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Foto: AlexanderStein (Alexander Stein) / pixabay.com

Laut Verbraucherzentrale erfolgt die Benachteiligung auf Grundlage eines willkürlich festgelegten Stichtags. Denn die abgemahnten Energieunternehmen berechnen nur Kund:innen, die ab einem bestimmten Datum in die Ersatzversorgung gefallen sind, die neuen, deutlich höheren Tarife. Die bisherige Kundschaft im Grundversorgungstarif, bezahle dagegen weiterhin einen geringeren Preis pro Kilowattstunde.

Marktstichprobe belegt Benachteiligung

Dass die Preise für die Grund- und Ersatzversorgung überdurchschnittlich hoch liegen, zeigen auch die Ergebnisse einer aktuellen Marktstichprobe der Stromtarife von Grundversorgern in NRW, die die Verbraucherzentrale NRW vom 10. bis 11. Januar 2022 durchgeführt hat. Von den insgesamt 23 untersuchten Anbietern haben 18 Unternehmen demnach einen Neukundentarif für die Stromgrundversorgung eingeführt. Die Differenz zwischen Neukunden- und Bestandskundenpreisen dieser Anbieter beträgt dabei durchschnittlich mehr als das Doppelte.

Drei der untersuchten Anbieter nehmen der Marktstichprobe zufolge aktuell sogar einen Neukundenarbeitspreis pro Kilowattstunde von über 90 Cent. Kund:innen von Anbietern, die auf eine Tarifspaltung verzichten, zahlen dagegen durchschnittlich nur 34 Cent pro Kilowattstunde. In manchen Kommunen müssen betroffene Haushalte also das Dreifache für Strom zahlen als in anderen Städten NRWs. Neben den eigenen juristischen Schritten ruft die Verbraucherzentrale die Energiekartellbehörde NRW zum Handeln auf. (ds)

www.verbraucherzentrale.nrw

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