HanseWerk investiert in Versorgungssicherheit und Klimaschutz

Stromleitung Husum SH Netz Web
Das HanseWerk will in den nächsten Jahren in den Netzausbau investieren. Foto: Schleswig-Holstein Netz AG

12.05.2022 – Die HanseWerk-Gruppe will in den nächsten drei Jahren über eine Milliarde Euro in Versorgungssicherheit und Klimaschutz investieren. Damit sollen der Netzausbau sowie der Ausbau der Photovoltaik vorangetrieben werden. Darüber hinaus will sich der Versorger am Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft beteiligen und durch mehr Grünstromaufnahme und andere Maßnahmen den eigenen CO2-Ausstoß reduzieren.

Hintergrund dieser Investitionsoffensive ist einerseits, dass HanseWerk im Verbrauchsbereich mit 280.000 Elektroautos und 100.000 zusätzlichen Wärmepumpen rechnet, weswegen umfangreiche Netzertüchtigungen notwendig werden. Außerdem zeichne sich auf der Produktionsseite ein weiterer Anstieg bei den Erneuerbaren Energien – diesmal im Bereich der Photovoltaik – ab.

Eine deutliche Forderung richtete Matthias Boxberger, Vorstandsvorsitzender bei HanseWerk, an die Politik: „Es kann nicht sein, dass das Vorreiterland der Energiewende trotz aller Effizienz der hiesigen Netzbetreiber weiter die höchsten Netzentgelte und damit die höchsten Strompreise in Deutschland bezahlt. Damit sendet die Politik völlig falsche Signale. Wer die Energiewende fördern und die Abhängigkeit von russischer Energie senken will, muss die Vorreiterregionen bei der Erzeugung grüner Energie belohnen und darf sie nicht bestrafen.“

Stromexporte für 1,9 Millionen Haushalte

Wie sehr Schleswig-Holstein Vorreiter bei der Energiewende ist, zeigt folgende Bilanz: Im Netz der HanseWerk-Tochter SH Netz sind 2021 rund 15,1 Millionen Megawattstunden grüne Energie produziert worden. Davon konnten etwa 8 Millionen Megawattstunden im Land selbst verwertet werden und rund 7 Millionen Megawattstunden wurden nach Süden über die Landesgrenzen exportiert. Das entspreche dem Strombedarf von mehr als 1,9 Millionen Durchschnittshaushalten. 1,45 Millionen MWh wurden importiert, immer wenn nicht ausreichend Wind und Sonne zur unmittelbaren Selbstversorgung zur Verfügung standen. Dies ist etwa noch in 3.416 Stunden pro Jahr der Fall, in den verbleibenden 5.344 Stunden sei man nicht mehr von Importen abhängig. Zusammenfassend haben die Erneuerbaren im Netzgebiet von SH Netz 2021 etwa 1,56-mal so viel Grünstrom eingespeist, wie zur bilanziellen Vollversorgung nötig gewesen wäre.

Einspeiseantraege Photovoltaik HanseWerk
Grünstrom-Export aus Schleswig-Holstein. Grafik: HanseWerk AG

Anträge bei der Photovoltaik verdoppelt

Laut HanseWerk hat sich die Zahl der Anträge auf Einspeisung mit Photovoltaik-Anlagen (PV) in den ersten vier Monaten dieses Jahres – verglichen mit dem Vorjahr – mehr als verdoppelt. Bei Schleswig-Holstein Netz laufen aktive Planungen für 4.250 Projekte mit fast 10.000 Megawatt (MW) Leistung, von denen fast 98 Prozent Freiflächenanlagen sind. Deren Größe liegt zwischen 20 MW und 100 MW, in Teilen sogar darüber. Zum Vergleich: Im Bereich Wind bearbeitet SH Netz derzeit rund 1.000 Projekte mit knapp 4.900 MW Leistung. Bis 2035 rechnet der Versorger mit einer Verdoppelung der EEG-Anlagenleistung auf über 19.000 MW geben, weswegen der entsprechende Netzausbau schon jetzt mitbedacht werden müsse.

Grafik Einspeiseantraege Photovoltaik HanseWerk
Einspeiseanträge für Photovoltaikanlagen. Grafik: HanseWerk AG

Neue Wasserstoffgesellschaft plant hunderte Megawatt Elektrolyse-Kapazität

HanseWerk gründet derzeit zusammen mit der Avacon AG im Bereich Wasserstoff ein Joint Venture, dessen Ziel es ist, bis 2030 mehrere hundert Megawatt Elektrolyseurkapazität und die dafür nötigen Erneuerbaren-Kapazitäten zu entwickeln. „Wir sehen ein enormes Wachstumspotenzial und wollen als Teil der Initiative zu Wasserstoff und grünen Gasen die Dekarbonisierung in Norddeutschland vorantreiben“, sagt Jan Gratenau, Bereichsleiter Wasserstoff und Erneuerbare Energien bei HanseWerk. „Einen massiven Bedarf an Erneuerbaren Energien und Wasserstoff sehen wir in der Industrie und im Schwerlastverkehr.“

Im Rahmen des Energiewendeprojektes „Norddeutsches Reallabor“ plant HanseWerk den Bau einer 25-Megawatt-Elektrolyseanlage im Hamburger Hafen, um grünen Wasserstoff für Anwendungen aus Industrie und Mobilität zu produzieren. Außerdem hat HanseWerk zusammen mit dem Wasserstoff-Spezialisten Hypion den Aufbau von fünf Mobilitätszentren mit Wasserstofftankstellen für den Schwerlastverkehr gestartet, von denen eines für Neumünster und eines in Lübeck geplant ist.

„Obwohl wir beim Thema grüner Wasserstoff hier im Norden beste Voraussetzungen haben, werden wir hier bereits seit längerem ausgebremst“, beklagt Gratenau. Der Grund: „Die EU stellt sehr hohe Anforderungen an Herkunft und Profil des grünen Stroms, aus dem grüner Wasserstoff hergestellt werden soll.“ Das verteuere alle Projekte, schaffe unkalkulierbare Risiken für die Akteure und verzögere den Markthochlauf einer heimischen Wasserstoff-Wirtschaft. Hier müsse die Politik handeln, um die jetzt entstehende Wasserstoff-Industrie nicht abzuwürgen.

Rückgang der CO2-Emissionen um 16 Prozent

HanseWerk verfolgt weiterhin das Ziel, bis 2030 klimaneutral zu werden. So sei es gelungen, die CO2-Emissionen der Unternehmensgruppe von 502.000 Tonnen im Jahr 2020 auf 464.000 Tonnen im Jahr 2021 zu senken. Bezogen auf das Ausgangsjahr 2018 seien damit die der HanseWerk-Gruppe zugerechneten Emissionen um 16 Prozent gesunken. Zwar sei es von 2020 auf 2021 bedingt durch den kalten Winter zu einem leichten Anstieg der CO2-Emissionen im Wärme- und im Gasnetzbereich gekommen, dies sei aber durch den Rückgang des Stromemissionsfaktors mehr als ausgeglichen worden. (ds)

www.hansewerk.com

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