Regelreserve: Neue Plattformen sollen europaweit Netze stabilisieren

01.06.2022 – Die europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) haben gemeinsam zwei neue Plattformen für den Einsatz von Minuten- bzw. Sekundär-Regelreservearbeit in Europa entwickelt. PICASSO (“Platform for the International Coordination of the Automatic frequency restoration process and Stable System Operation”) ist vor wenigen Tagen live gegangen, MARI (“Manually Activated Reserves Initiative”) soll in Kürze folgen. Die vier deutschen ÜNB 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW teilen mit, sich diesen europäischen Plattformen anzuschließen. Amprion und TransnetBW steuern die Plattformen im Sinne und im Auftrag ihrer Partner bei ENTSO-E, dem Verbund der europäischen Übertragungsnetzbetreiber.

Control Center 50Hertz
Aus dem Control Center steuern und überwachen Mitarbeiter:innen von 50Hertz rund um die Uhr das Übertragungsnetz. Foto: 50Hertz Transmission GmbH

Kosten für Regelreservearbeit reduzieren

Die Plattformen sollen europaweit eine kostenoptimierte Aktivierung von Regelreservearbeit auf Basis einer gemeinsamen Merit Order-Liste und unter Beachtung der vorhandenen Übertragungskapazitäten ermöglichen. Während der Übertragungsnetzbetreiber, in dessen Regelzone die Regelleistung zur Verfügung gestellt wird, weiterhin sowohl die Beschaffung der Reserve als auch deren Abruf übernimmt, kann beispielsweise durch die zentrale Optimierung die Sekundärreservearbeit in Portugal für ein Systembilanzungleichgewicht in Polen erbracht werden. Ziel sei es, den Wettbewerb aller Regelreserve-Anbieter in Europa zu erhöhen und so die Kosten für Regelreservearbeit zu verringern. Damit einhergehend, so der Plan, können sich die Ausgleichsenergiepreise reduzieren, die jeder Bilanzkreisverantwortliche für seine Bilanzabweichung zahlen muss. Je nach Preisbildungs- oder Regulierungsmodell sich damit auch die Kosten für den Endverbraucher reduzieren. Zusätzlich leisten die Plattformen laut den ÜNB einen Beitrag zur Erreichung der europäischen Klimaziele leisten, da durch den optimierten Abruf der Regelreserve eine gegenläufige Aktivierung in einzelnen Regionen vermieden werde. In der Folge würden Erzeugungsanlagen effizienter eingesetzt und die Schadstoffbelastung und die Emission klimaschädlicher Gase gesenkt.

Die Plattformen erfüllen die Anforderungen, die die Europäische Union 2017 in ihrer „Electricity Balancing Guideline“ aufgestellt hat. Die Übertragungsnetzbetreiber setzen die Anforderungen nach den Vorgaben der europäischen Regulierungsbehörde ACER gemeinsam um. Sie stehen im Zusammenhang mit einem neuen Marktdesign zum Einsatz von Regelreserve.

Bereits in den vergangenen Jahren haben die deutschen ÜNB mit ihren Partnern zusammengearbeitet. Die gemachten Erfahrungen konnten für die beiden aktuellen Projekte genutzt werden. Hierzu zählen neben dem seit 2010 existierenden Netzregelverbund in Deutschland die Kooperation zum Ausgleich von Systemungleichgewichten mit zahlreichen europäischen ÜNB. (ds)

www.50hertz.com
www.amprion.net
www.tennet.eu
www.transnetbw.de

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