VDE/FNN: Impulspapier zur Nutzung von Flexibilitäten

21.07.2022 – Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat bei der Neugestaltung des § 14a das Sollwertkonzept am Netzanschlusspunkt als Zielmodell festgelegt und damit den Rahmen für die Nutzung von Endkunden-Flexibilitäten aus Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen, Speichern oder Photovoltaik-Anlagen gesetzt. Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) VDE FNN hat jetzt ein Impulspapier mit möglichen Ansätzen für die weitere Ausgestaltung von § 14a EnWG vorgestellt und lädt zum Feedback ein.

Aktuelle Prognosen sehen einen starken Anstieg der Anzahl flexibler Verbraucher und Erzeuger im Bereich der Niederspannung voraus. So erwarten BMWK und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), dass bei insgesamt 15 Millionen Einbaufällen allein die Zahl der steuerbaren Anlagen, die mit intelligenten Messsystemen ausgestattet werden sollen, bis 2030 auf rund neun Millionen wachsen soll. Um diese wirksam in die Verteilnetze zu integrieren hat das VDE FNN ein Ampelphasen-Konzept fortentwickelt. Dies soll zum einen eine einfache Beschreibung des Netzzustands ermöglichen und zum anderen einen verlässlichen Rahmen für Handlungsmöglichkeiten schaffen.

Die Phasen können so beschrieben werden, dass in der grünen Phase kein kritischer Netzzustand vorliegt und somit kein Einwirken auf den Energiemarkt erforderlich ist. In der gelben Phase wird mittel- oder langfristig ein kritischer Netzzustand prognostiziert, der durch den Einsatz genau definierter Instrumente und Schritte möglichst verhindert werden soll. Gelingt das nicht und wird kurzfristig ein kritischer Netzzustand erwartet, sollen die Netzbetreiber Notfallmaßnahmen ergreifen. Im angestrebten Zielmodell einer Sollwertvorgabe am Netzanschlusspunkt kommt hierbei den Endkunden eine wichtige Rolle zu. Sie müssen mit ihren Energie-/Lademanagement-Systemen die Einhaltung der Sollwerte in kritischen Situationen gewährleisten und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum sicheren Netzbetrieb.

VDE FNN diskutiert derzeit Instrumente, die bei der präventiven Planung in der gelben Phase zum Zuge kommen könnten. Dazu gehören zeitvariable Netzentgelte, die planwertbasierte Begrenzung der Leistung sowie Flexibilitätsmärkte. VDE FNN ist für die Diskussion weiterer Instrumente offen. Entscheidend sei, den Einsatz der Instrumente der gelben Phase stets mit den Instrumenten der roten Phase zu koppeln, um im Notfall schnell eingreifen zu können. Für die präventiven Maßnahmen der gelben Phase, die, ausgehend vom Netzbetreiber, umgesetzt werden sollen, fehlt derzeit noch die regulatorische Grundlage. VDE FNN mahnt, diese regulatorische Grundlage nunmehr unter Führung der Bundesnetzagentur schnell zu schaffen und dabei auf eine schnelle und standardisierte Umsetzung zu achten. Technische Standards, einheitliche Anschlussregeln sowie intelligente Mess- und Steuerungssysteme helfen, die Komplexität gering zu halten.

Eine wichtige Frage ist, wo und durch wen das System gesteuert werden soll. Nach Auffassung von VDE FNN sollen alle Steuerungsmaßnahmen in der Niederspannung grundsätzlich auf den Netzanschlusspunkt des Kunden wirken. Die Steuerungsmaßnahmen werden dabei über die Smart Meter Gateway-Infrastruktur im Zusammenwirken mit leittechnischen und marktdienlichen Backend-Systemen umgesetzt. (pq)

www.vde.com/fnn

 

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