Von Smart City zu Smart Grid

22.08.2022 – Als kleiner Innovationsbereich der EnBW gestartet, hat sich SMIGHT zum erfolgreichen Anbieter für die Digitalisierung der Verteilnetze gemausert. Jetzt agiert das Unternehmen als eigenständige GmbH. Anlass genug für einen Rückblick und Ausblick mit den Geschäftsführern Oliver Deuschle und Robin Rudat.

Herr Rudat, zunächst ein kurzer Blick in die Vergangenheit: Wie ist die heutige SMIGHT GmbH entstanden?

Robin Rudat: Die EnBW hat früh erkannt, dass neue Geschäftsfelder erschlossen werden müssen, um langfristig erfolgreich zu sein, und dazu bereits 2014 einen eigenen Innovationsbereich gegründet. SMIGHT war das erste Projekt, das 2014 in den Innovationscampus der EnBW einzog.

Was war die ursprüngliche Idee?

Oliver Deuschle: Alles begann mit einer intelligenten Straßenlaterne. Davon gibt es rund acht Millionen in Deutschland, die wir mit sinnvollen Mehrwerten ausstatten wollten. Aus der Idee entstand eine Retrofit-Lösung, mit der Städte und Kommunen öffentliches WLAN für Bürger und Gäste anbieten konnten. Zudem entwickelte das Team eine eigene, multifunktionale Laterne, den SMIGHT Tower, die außer LED-Licht noch Ladepunkte für E-Autos, WLAN, Notrufknopf und Umweltsensorik bot.

Eigentlich doch ein gutes Konzept…

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Oliver Deuschle (rechts) und Robin Rudat (links), Geschäftsführer der SMIGHT GmbH. Foto: Paul Gärtner

Oliver Deuschle: Tatsächlich haben wir 150 der intelligenten SMIGHT Tower verkauft, sogar nach Brasilien und Australien. Die Lösungen für öffentliches WLAN wurden in knapp 200 Kommunen installiert. Ein nachhaltiges Wachstum erschien dann aber schwierig – zumal durch den Ausbau von 5G und der Verlagerung von Fördermitteln das öffentliche WLAN deutlich an Zugkraft verliert. Auch das Thema Service war herausfordernd, schließlich fliegt man nicht mal eben nach Brasilien.

Und wie ging es weiter?

Robin Rudat: 2019 trat die Netze BW an uns heran, um gemeinsam einen Sensor für die Niederspannung zu entwickeln. Aus den Smart City-Jahren hatten wir viel Erfahrung im Bereich IoT gesammelt, eine eigene IoT-Plattform entwickelt und wussten, wie man smarte Geräte im Feld managed. So entstand SMIGHT Grid. Die Lösung adressiert wichtige Herausforderungen der Energiewende, so dass SMIGHT hier ein enormes Potential sieht.

Wie positionieren Sie sich heute?

Oliver Deuschle: Heute sind wir ein Smart Grid-Unternehmen. Unsere Lösung SMIGHT Grid erhebt mit Hilfe eines patentierten Sensors Daten aus der Niederspannung und liefert Netzbetreibern so wichtige Informationen über den aktuellen Netzzustand und die Entwicklung der Last. Das ist mit Blick auf die steigende Dynamik in den Verteilnetzen – Stichwort PV, Elektromobilität – sehr relevant. Die Daten helfen, den Netzausbau bedarfsgerecht zu planen und Investitionen in die Erneuerung von Betriebsmitteln zu priorisieren. Auch der Netzbetrieb profitiert. Die Lösung lässt sich schnell in bestehende Infrastruktur integrieren. Die Daten stehen fertig aufbereitet in Echtzeit in einem Web-Portal zur Verfügung, sodass auch kleine Netzbetreiber ohne eigene IT-Ressourcen von den digitalen Lösungen profitieren können.

Der Erfolg scheint das Konzept zu bestätigen…

Robin Rudat: Absolut, wir haben seit dem Markteintritt zur E-world 2020 schon 40 Kunden in Deutschland gewonnen, das entspricht 1.300 digitalisierten Ortsnetzstationen. Unser Team ist von ursprünglich vier Kolleginnen und Kollegen auf 20 gewachsen.

Was bedeutet da die neue Rechtsform für Sie?

Robin Rudat: Der Schritt in die eigene GmbH ist ein wichtiger Erfolg für uns – schließlich glaubt unser Investor, die EnBW, an uns. Wir wollen nun aus einem innovativen Produktansatz eine kommerzielle, starke Marktposition entwickeln und noch schneller wachsen. Auch sollen Partnerschaften einfacher möglich sein.

Was steht als nächstes an?

Oliver Deuschle: Wir merken, dass Netzbetreiber verstärkt auf der Suche nach digitalen Lösungen sind. Es braucht Daten aus der Niederspannung, um die Energiewende zu meistern. Dabei wollen wir unterstützen und der Anbieter mit der größten Netzdatenbasis Deutschlands werden. Weiter in die Zukunft geschaut steht natürlich auch die Internationalisierung an. (pq)

www.smight.com

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