Digitaler Zwilling des Hochspannungsnetzes

12.09.2022 – In einem gemeinsamen Demonstrationsprojekt haben Bayernwerk Netz (Bayernwerk), Siemens Energy und Schleswig-Holstein Netz kürzlich eine Freileitung in Haßfurt im Landkreis Haßberge in Unterfranken mit einer Langstreckendrohne beflogen. Laut den Projektpartnern war es der erste unbemannte Flug einer Langstreckendrohne an einer Hochspannungsleitung in Deutschland. Derzeit erfasst Siemens Energy im Auftrag der beiden E.ON-Netzbetreiber digital die Daten von rund 4.000 Leitungskilometern im Überflug mit dem Hubschrauber.

Im Vergleich zur konventionellen Freileitungsinspektion, die drei getrennte Hubschrauberflüge umfasste, inspiziert die „SIEAERO-Drohne“ die Leitungen in einem Flug. Das liefere höchste Datenqualität, vermindere die Lärmbelästigung für Umwelt und Natur und reduziere Inspektionskosten. Beim Einsatz der SIEAERO-Technologie bringt die Bayernwerk Netz mit Siemens Energy künstliche Intelligenz, Multisensorik und cloudbasierte Plattformen zum Einsatz. „Mit den Aufnahmen und der Aufbereitung der Daten erhalten wir einen digitalen Zwilling unseres Hochspannungsnetzes. Die automatische Befliegung macht die Leitungsinspektion künftig noch schneller, genauer und hilft uns in kürzeren zeitlichen Abständen, den Zustand unserer Leitungen exakt zu bewerten“, erläuterte Dr. Egon Westphal, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG, bei der Flug-Demo in Haßfurt.

Drohne SIEAERO Bayernwerk Siemens Energy
Tino Link, Leiter Transmission Lifecycle Services bei Siemens Energy, und Bayernwerk-Vorstandsvorsitzender Dr. Egon Westphal (r.) bei der Präsentation der SIEAERO-Technologie in Haßfurt. Foto: Bayernwerk AG/Christian Martens

Präzise Analyse am Computer

Am Bildschirm werde in einer 3-D-Ansicht beispielsweise sichtbar, ob Mastverstrebungen oder Fundamente beschädigt wurden, Isolatoren verschmutzt sind oder Leiterseile ausgebessert werden müssen. Zukünftig sei neben dem Einsatz der Drohne vorstellbar, dass als Ergebnis der digitalen Auswertung eine künstliche Intelligenz etwa auf Abweichungen zu vorherigen Inspektionen oder Minderabstände beim Bewuchs der Trassen hinweist.

Der Bayernwerk-Chef Westphal sieht die Verteilnetze angesichts des Ziels in Bayern, bis 2040 klimaneutral zu sein, im Mittelpunkt der Transformation des Energiesystems. „In ganz Bayern sind etwa 700.000 PV-Anlagen mit 16.000 Megawatt Leistung ans Stromnetz angeschlossen. Die Zahl und die Größe der Erneuerbaren Energien-Anlagen wächst stetig. Bis 2030 soll sich die installierte PV-Leistung verdreifachen.“ (ds)

www.bayernwerk.de

Share