Smart City-Studie: Deutschlands Städte verschlafen Digitalisierung

20.09.2022 – Die Städte in Deutschland werden ihrer Verantwortung für die Klimawende nicht gerecht. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Smart City-Studie der Unternehmensberatung Haselhorst Associates. Das Beratungshaus listet seit 2018 sämtliche Kommunen mit über 30.000 Einwohnern anhand ihres Digitalisierungsgrades, das aktuelle Ranking umfasst insgesamt 407 Städte.

Das Gesamtfazit der diesjährigen Studie falle ernüchternd aus: Auch nach fünf Jahren Studienerhebung gelinge es keiner der untersuchten Städte, über einen Digitalisierungsgrad von 50 Prozent hinauszukommen. Im Gegenteil – über drei Viertel aller Kommunen weisen sogar ein Ergebnis von weniger als 25 Prozent auf. Im Vergleich zur Pionier-Studie im Jahr 2018 fällt auf, dass die Anzahl der digitalen Vorreiter-Städte weitestgehend stagniere.

„Smart City ist weit mehr als ein vereinzeltes Digitalisierungsprojekt hier und da. Hinter einer smarten Stadtentwicklung steckt vielmehr ein ganzheitliches Konzept, das im Detail auslotet, wie die Digitalisierung dazu beitragen kann, das Leben in den Städten langfristig nachhaltig zu gestalten“, erklärt Dr. Arno Haselhorst, Gründer der gleichnamigen Unternehmensberatung. „Mit Blick auf die gegenwärtige Energiekrise und die gesteckten Klimaziele ist hier dringend aktives Handeln gefordert – sowohl auf Seiten der Städte als auch der Stadtwerke.“

Haselhorst Associates Grafik Entwicklung Smart Cities 2018-2022
Entwicklung der Smart Cities in Deutschland 2018 bis 2022. Grafik: Haselhorst Associates GmbH

„Städte und Stadtwerke müssen sich zusammenschließen“

Aus Sicht des Berater-Teams sind insgesamt drei Faktoren für die erfolgreiche Entwicklung hin zur Smart City entscheidend: eine umfassende und langfristig ausgelegte Strategie, eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur sowie die frühzeitige und anhaltende Einbindung aller beteiligten Stakeholder sowie der Bürgerinnen und Bürger. „Eine Stadt allein kann die erfolgreiche Transformation zur Smart City nicht bewältigen. Sie muss stattdessen den engen Schulterschluss zu den ansässigen Stadtwerken suchen, um gemeinsam den Ausbau der digitalen Infrastruktur voranzutreiben und damit die Grundlage für die Realisierung innovativer Projekte zu schaffen“, ist Jürgen Germies, Studienautor und geschäftsführender Partner bei Haselhorst Associates, überzeugt.

Strahlsund als positives Beispiel

Eine Stadt, die das Potenzial der Digitalisierung mit Blick auf eine nachhaltige Fortentwicklung erkannt habe, ist Stralsund. Die knapp 60.000 Einwohner große Kommune in Mecklenburg-Vorpommern gilt als die Stadt, die sich im Vergleich zum Vorjahr am stärksten verbessert hat und nun auf dem 76. Platz gelandet ist (2021: Rang 362). Für die positive Entwicklung werden vorrangig zwei Gründe aufgeführt: Zum einen weise Stralsund eine umfassende Smart City-Strategie mit dem Ziel einer emissionsfreien Stadt auf und habe bereits einige Maßnahmen erfolgreich umgesetzt. Zum anderen habe die Hansestadt bei der Transformation von Beginn an die Bürger:innen miteinbezogen und treibe den Ausbau der regenerativen Energien intensiv voran.

Grafik Haselhorst Associates_Ranking 2022 Top-10
Die zehn smartesten Städte Deutschlands 2022. Grafik: Haselhorst Associates GmbH

Das Top-10-Ranking staffelt sich dabei wie folgt:

  1. Hamburg: 47,4 Prozent
  2. München: 46,2 Prozent
  3. Köln: 45,8 Prozent
  4. Wolfsburg: 43,0 Prozent
  5. Gelsenkirchen: 42,5 Prozent
  6. Darmstadt: 40,5 Prozent
  7. Mannheim: 38,5 Prozent
  8. Bad Nauheim: 37,6 Prozent
  9. Berlin: 36,8 Prozent
  10. Norderstedt: 36,3 Prozent

Methodik der Smart City-Studie

Für die Studie hat Haselhorst Associates die Städte anhand von insgesamt zehn Smart-City-Bereichen untersucht: Strategie und Umsetzung, Digitale Infrastruktur, Digitale Mobilität, Digitale Energie & Umwelt, Digitale Gebäude & Quartiere, Digitale Gesundheit, Digitale Bildung, Digitale Verwaltung, Digitale Wirtschaft & Handel und Digitaler Tourismus. Auf Basis der Einzelergebnisse ergibt sich schließlich ein Digitalisierungsgrad, anhand dessen die Kommunen im Ranking sortiert sind. Grundlage der Erhebung bilden insgesamt über 32.500 Datensätze, die sich sowohl aus quantitativen Daten als auch aus einer qualitativen Bewertung der öffentlich sichtbaren Smart City-Initiativen der Kommunen zusammensetzen. (ds)

www.haselhorst-smartcity.com

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