Großverbraucher sicher anbinden

22.11.2022 – Eine Anbindung von RLM-Zählern an das intelligente Messsystem steht schon seit längerem auf der Wunschliste der Energiewirtschaft. Nun entwickelt PPC gemeinsam mit Landis+Gyr eine Lösung.

Als das intelligente Messsystem konzipiert wurde, ging es darum, Netzbetreiber und Marktakteure für die Energiewende zu ertüchtigen – auf Grundlage möglichst flächendeckender Verbrauchs- und Einspeisedaten. Im Fokus stand daher eine digitale Infrastruktur für die vielen Millionen Haushalte, Betriebe, Prosumer und Einspeiseanlagen, über deren tatsächliches Verhalten man nur wenig wusste.

Großverbraucher hatte man dagegen lange Zeit nicht im Blick. Deren Lastgänge waren und sind den Netzbetreibern im Detail bekannt, denn Unternehmen, die über 100.000 kWh Strom pro Jahr verbrauchen, sind laut Stromnetzzugangsverordnung zur registrierenden Leistungsmessung (RLM) verpflichtet. Ausgestattet mit speziellen, kommunikationsfähigen RLM-Zählern übermitteln die fraglichen Kunden viertelstündlich Messdaten an den VNB. Das intelligente Messsystem war hier bislang offenkundig kein Thema: Nur an 585 RLM-Messstellen –von bundesweit insgesamt rund 391.000 – gab es laut dem Monitoringbericht 2021 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt freiwillige Einbauten mit BSI-zertifizierten intelligenten Messsystemen.

Engineer Robotic Machine
Foto: PopTika / shutterstock.com

Neue Rahmenbedingungen für Smart Metering-Lösungen

Vor diesem Hintergrund erstaunt es zunächst, dass Smart Meter Gateway-Hersteller PPC und Landis+Gyr als großer Anbieter für RLM-Lösungen jetzt eine Kooperation in genau diesem Segment beschlossen haben. Ab sofort wollen die beiden Unternehmen gemeinschaftlich an einer interoperablen, standardisierten RLM-Lösung über intelligente Messsysteme arbeiten.

Tatsächlich haben sich die Rahmenbedingungen geändert, wie Olaf Abbing, Geschäftsführer von Landis+Gyr Deutschland, erläutert: „Die Sorge um die IT-Sicherheit wächst in der gesamten produzierenden Industrie und die Zunahme von Sicherheitsvorfällen in den vergangenen Monaten zeigt, dass diese Sorge berechtigt ist.“ Zudem gehörten viele der RLM-Kund:innen im engeren Sinne zur kritischen Infrastruktur und sähen sich daher in besonderem Maße für die Sicherheit ihrer Prozesse verantwortlich. Bisher werden die RLM-Zähler per Fernkommunikation ohne einheitliches IT-Sicherheitsniveau ausgelesen. Eine Anbindung der Messtechnik in die zertifizierte, hochsichere Infrastruktur des intelligenten Messsystems ist daher wohl nicht nur bei den Anwender:innen sehr willkommen, sondern dient letzten Endes auch der Allgemeinheit.

„Hinzu kommt, dass das intelligente Messsystem inzwischen technisch ausgereift und auch regulatorisch als zentrale Komponente für alle künftigen energiewirtschaftlichen und netztechnischen Anwendungsfälle gesetzt ist“, ergänzt Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender der PPC. Das sehen vermutlich auch die RLM-Kund:innen und haben somit gute Gründe, Teil dieser Infrastruktur zu werden.

Seitens der Versorger und Netzbetreiber wird die Einbindung der RLM-Systeme schon länger gefordert. Schließlich ist die Erfassung aus RLM-Einbaufällen nicht nur für Abrechnungszwecke relevant, sondern liefert auch wichtige Informationen für den netzdienlichen Betrieb – ein Thema, das in Zuge der Energiewende umgekehrt auch für große Stromverbraucher/Prosumer an Bedeutung gewinnt.

SMGW PPC Zaehler Landis+Gyr
Smart Meter-Gateways von PPC und RLM-Zähler E660 von Landis+Gyr. Foto: Power Plus Communications AG (links), Landis+Gyr GmbH (rechts))

Impulse für die Metering-Branche

Die beiden Unternehmen sehen sich in der Zusammenarbeit gut aufgestellt. Die Zählertechnik von Landis+Gyr setzt konsequent auf die Branchenstandards des FNN beziehungsweise der DKE. Ergänzend dazu kann PPC auf umfängliche Erfahrungen mit Entwicklung, Nutzung und Betrieb der iMSys zurückgreifen. Im Bereich Zähleranbindung haben die beiden Kooperationspartner in der Vergangenheit regelmäßig die Anbindung von modernen Messeinrichtungen am SMGW getestet und weiterentwickelt. Entsprechende Lösungen seien auch im RLM-Segment geplant, dabei sollen die RLM-Zähler über die CLS-Schnittstelle mit dem Smart Meter-Gateway kommunizieren. Die notwendigen Anpassungen sowohl auf Seiten der Messtechnik als auch am Gateway sollen nun zeitnah angegangen werden.

Interoperable Umsetzung

Durch die Zusammenarbeit wollen die beiden Anbieter gleichzeitig Anstöße für eine interoperable Umsetzung und Beschleunigung geben, die nicht auf die jeweilige Hardware beschränkt bleiben sollen. Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender der PPC, erklärt zu der Zusammenarbeit: „Wir freuen uns gemeinsam mit Landis+Gyr der Standardisierung und Interoperabilität im RLM-Bereich weiter Vorschub leisten zu können. Als Vorreiter unserer Branche können wir gemeinsam Standards schneller in die Praxis überführen und neue Impulse setzen.“ Olaf Abbing, Geschäftsführer Landis+Gyr Deutschland, ergänzt: „Die Einbindung der neuesten RLM-Technik in das Smart Meter-Gateway-Ökosystem ist ein wichtiger Schritt in der Digitalisierung der Energiewende, bei dem wir aktiv mitwirken wollen.“ (pq)

www.ppc-ag.de
www.landisgyr.de

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