05.12.2025 – 71 Prozent von mehr als 600 befragten deutschen Unternehmen fordern eine Lockerung der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO).
Eine Herausforderung für die Unternehmen im Umgang mit der DS-GVO liegt in einem gesteigerten Aufwand. Der Digitalverband Bitkom hat insgesamt 603 deutsche Unternehmen ab 20 Beschäftigten zur Bewertung der DS-GVO (Zeitraum KW 30- KW 35) befragt. 69 Prozent betonen, dass im vergangenen Jahr der Aufwand zugenommen habe. Fast alle Unternehmen (97 Prozent) bezeichnen den Aufwand als eher oder sehr hoch.
Datenschutz hemmt die Digitalisierung

Die deutschen Unternehmen kritisieren vor allem den hohen Aufwand im Umgang mit der DS-GVO. (Bild: nmann77 / stock.adobe.com)
Insgesamt ist die Skepsis in der deutschen Wirtschaft gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Das belegen die Ansichten über einen übertriebenen Datenschutz in Deutschland (72 Prozent, 2024: 64 Prozent) sowie die Position, dass der Datenschutz die Digitalisierung verhindert (77 Prozent, 2024: 70 Prozent). 79 Prozent der Unternehmen fordern in diesem Zusammenhang von der deutschen Politik, dass sie eine DS-GVO-Reform auf europäischer Ebene vorantreibt. 71 Prozent sind der Meinung, die DS-GVO müsse gelockert werden. Die EU-Kommission hat mit dem „digitalen Omnibus“ zuletzt Reformen der seit 2018 angewendeten europäischen Datenschutz-Regeln vorgeschlagen.
Permanente Konfrontation
Für die Unternehmen sind nach Studienangaben die größten Herausforderungen bei der Umsetzung von Datenschutzvorgaben, dass dieser Prozess nie abgeschlossen ist (86 Prozent) sowie die Unsicherheit zu genauen Vorgaben der DS-GVO (82 Prozent). Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen bemängelt die uneinheitliche Auslegung innerhalb der EU (54 Prozent) und die mangelnde Beratung durch Aufsichtsbehörden (54 Prozent). Hinzu kommen unternehmensinterne Probleme wie fehlende Qualifikation von Beschäftigten sowie Zeitmangel bei IT- und Systemumstellungen.
Die Unternehmen fordern einige Nachbesserungen der DS-GVO. Jeweils rund drei Viertel wollen, dass die Dokumentationspflicht von Verarbeitungstätigkeiten reduziert (76 Prozent) und das Verbot mit Erlaubnisvorbehalt abgeschafft (73 Prozent) werden. Zudem plädieren mehr als 60 Prozent für eine vereinfachte Nutzung pseudonymisierter Daten (63 Prozent) und eine verpflichtende praxisnähere Beratung durch die Aufsichtsbehörden (62 Prozent), mehr Rechtssicherheit bei der Interessenabwägung (61 Prozent) und weniger Informationspflichten (60 Prozent).
Teils schwerwiegende DS-GVO-Verstöße
Ein Viertel der Unternehmen räumt Datenschutzverstöße sie in den vergangenen zwölf Monate ein. Bei 19 Prozent gab es einen Verstoß, bei sechs Prozent mehrere. 59 Prozent hatten keine Datenschutzverstöße. Prozent der Unternehmen, bei denen es zu Datenschutzverstößen kam, haben diese an die Aufsicht gemeldet, 29 Prozent haben keine Meldungen gemacht. Rund jedes zweite Unternehmen mit Datenschutzverstößen nennt diese sehr schwerwiegend (16 Prozent) oder eher schwerwiegend (32 Prozent). Bei den Folgen des größten Datenschutzverstoßes der vergangenen zwölf Monate nannten 93 Prozent den organisatorischen Aufwand. Bußgelder (51 Prozent), Kundenverluste (18 Prozent) sowie Schadensersatzzahlungen und Reputationsschäden (sieben Prozent) traten (deutlich) seltener ein. Kein Unternehmen gibt an, frei von Problemen aufgrund des Datenschutzes zu sein. (cst)
Alle Ergebnisse der Unternehmensbefragung: www.bitkom.org/Bitkom-Dataverse/DatenschutzUnternehmen


