23.01.2026 – Das Forschungsprojekt SGLive untersucht, wie Verteilnetze digitalisiert und große Datenmengen aus dem Smart Grid sicher verarbeitet werden können, um Niederspannungsnetze künftig resilient und aktiv steuerbar zu machen.
Wie können große Datenmengen aus dem Smart Grid sicher erfasst, verarbeitet und für den Netzbetrieb nutzbar gemacht werden? Dieser Frage geht das neue Forschungsprojekt SGLive nach, das jetzt in Hessen gestartet ist.
SGLive baut auf dem Vorgängerprojekt Smart Grid LAB Hessen auf und wird von der Hochschule Darmstadt koordiniert. Weitere Partner sind das Ingenieurbüro Pfeffer und das House of Energy. Im Mittelpunkt steht die Digitalisierung der Verteilnetze, um Netzausbau zu reduzieren und gleichzeitig die Versorgungssicherheit in einem zunehmend dezentralen Energiesystem zu gewährleisten.
Fokus auf Steuerbarkeit und IT-Sicherheit
Im bestehenden Labor der Hochschule Darmstadt werden dazu neue Steuerungsverfahren und resiliente Betriebskonzepte entwickelt und unter realitätsnahen Bedingungen getestet. Ein Schwerpunkt liegt auf der IT-Sicherheit. Der Fachbereich Informatik arbeitet an einer Cyber-Sicherheitsarchitektur und prüft den Nachrüstbedarf für das Labor.
Ortsnetzstationen als Knotenpunkt
Darauf basierend entwickelt das Ingenieurbüro Pfeffer ein Geschäftsmodell für die ganzheitliche Digitalisierung von Ortsnetzstationen. „Die Ortsnetzstation wird also zum ‚Vorposten der Leitwarte‘ aufgerüstet. Dieser soll eigenständig die anfallenden Daten aggregieren, bewerten und Empfehlungen an die Leitwarte geben. Dabei reduziert sich die Kommunikation auf das wesentliche und die Leitwarte wird maximal entlastet,“ erklärt Prof. Dr. Ing. Jeromin aus dem Fachbereich Elektro- und Informationstechnik an der Hochschule Darmstadt. Ergänzend rüstet Pfeffer die Laborinfrastruktur technisch auf, unter anderem mit eigener Ortsnetzstation, Photovoltaikanlage, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur.
Praxisbezug durch Projektbeirat
Das House of Energy begleitet das Projekt als Schnittstelle zur Praxis. Ein Projektbeirat mit Vertreter:innen von Verteilnetzbetreibern, Bundesnetzagentur, VDE, BDEW sowie Unternehmen aus den Bereichen Digitalisierung und IT-Sicherheit soll sicherstellen, dass die entwickelten Lösungen übertragbar und praxisnah sind. Zudem unterstützt das House of Energy die Verbreitung der Ergebnisse durch Publikationen und Fachveranstaltungen.
Das Projekt ist für drei Jahre angesetzt. Am Ende soll ein umfassendes Konzept vorliegen, das zeigt, wie Niederspannungsnetze datengetrieben, sicher und vorausschauend betrieben werden können. Neben der Betriebsführung werden auch Smart-Metering-Anwendungen und mögliche Geschäftsmodelle untersucht. (pms)



