Solar schneller planen

02.09.2025 – Die Stadtwerke München (SWM) nutzen für eine einfachere und anschauliche Solarplanung die KI-Software von Aurora Solar und entdecken dabei auch vertriebliche Vorteile.

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Auf Millionen Dächern in Deutschland schlummert ungenutzte Sonnenenergie. Bevor daraus echter Strom wird, beginnt jedoch ein aufwendiger und zeitintensiver Prozess: Ingenieure fahren zu den Gebäuden, messen Dachflächen und Neigungswinkel, prüfen jede Verschattung durch Bäume, Nachbarhäuser oder Kamine. Des Weiteren muss sich vorab mit individuellen Gegebenheiten – wie dem Stromverbrauch – genauer beschäftigt werden. Jedes Detail muss akribisch in Berechnungen einfließen. Und das oft nur, um am Ende festzustellen, ob sich eine Solaranlage auf dem Dach überhaupt lohnt. Erst danach können Technik, Layout und weitere Feinarbeiten geplant werden. Diese Sorgfalt ist entscheidend. Schon wenige falsch angesetzte Winkel oder nicht berücksichtigte Schattenwürfe können Erträge mindern und die Wirtschaftlichkeit einer Anlage kippen.

Erst kürzlich hat Deutschland die Hälfte des gesetzlichen Solarausbauziels bis 2030 geschafft. Mehr als fünf Millionen Solarstromanlagen auf Dächern, Balkonen und Freiflächen decken inzwischen rund 15 Prozent des deutschen Strombedarfs. Das ergab eine BSW-Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur. Die kommenden Jahre sind also entscheidend. Doch: Gleichzeitig sinkt die Nachfrage, wie Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen. Die Folge ist ein noch stärkerer Wettbewerb unter Solarbetrieben. Dr. Thomas Lüers, Leiter Dezentrale Energielösungen bei SWM, bringt es auf den Punkt: „Es reicht heute nicht mehr, technisch sauber zu arbeiten. Wer Kund:innen gewinnen will, muss ihnen schon im Angebot zeigen, wie die Anlage aussehen wird – und was sie leisten kann.“

Potenziale per Software simulieren

Solarplanung in der Hosentasche: Kund:innen können per Link ein Modell ihres Hauses mit geplanter Dachanlage auf dem Smartphone ansehen. (Foto: Aurora Solar Germany GmbH)

Wie andere Stadtwerke beschäftigen sich auch die SWM schon länger mit Aufdachanlagen. Von der Beratung über die Planung bis zur Abrechnung begleitet das Team M-Solar der SWM die Kund:innen, berechnen, vermessen und klären auf, was möglich ist. Seit wenigen Monaten unterstützt sie in der Solarplanung die Software Aurora AI des internationalen Unternehmens Aurora Solar. Sie simuliert in einem 3D-Modell die Auslegung einer Dachanlage und berechnet, welche Potenziale mit welcher Konfiguration möglich sind. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz wird in wenigen Sekunden analysiert, welchen Ertrag ein Dach bringen kann und wie die passende Solaranlage dazu aussehen würde. Die Daten bezieht Aurora AI aus verschiedenen Quellen wie LiDAR-, Satelliten- und Wetterdaten. Alternativ lassen sich auch selbsterhobene Daten ins Tool einspeisen.

Die Stadtwerke München sehen verschiedene Möglichkeiten im Prozess, die Software zu nutzen. Zu Beginn kann die KI-Funktion bei einer ersten Einschätzung des Potenzials unterstützen und eine grobe Orientierung für die telefonische Erstberatung geben. „Das ist wirklich praktisch schon zum Einstieg eine Art Musterplanung vorliegen zu haben, die man dann mit dem Kunden durchsprechen und erstmal erörtern kann, inwiefern sich eine Dachanlage für ihn lohnt. Das hilft direkt enorm bei der Beratung“, sagt Dr. Thomas Lüers. Beim folgenden Vor-Ort-Termin befliegen geschulte Mitarbeitende der SWM die Immobilie weiterhin mit einer Drohne und prüfen, ob die Softwaredaten angepasst werden müssen. Grund sei nicht die Software selbst, sondern die Satellitenbilder, wie Lüers erklärt: „Die Qualität des Modells hängt maßgeblich von der Qualität der Luftbilder ab. Unserer Erfahrung nach sind die Luftaufnahmen in einer Stadt meist hochwertiger in der Auflösung als auf dem Land.“ Die selbst erhobenen Daten werden dann manuell in das System eingepflegt und erneut im 3D-Modell des Hauses visualisiert. Liegen gute Luftbilddaten vor, erkennt das System Störobjekte wie Schornsteine, Gauben oder Satellitenanlagen und passt die Modulbelegung entsprechend an. Auch eine Verschattungsanalyse wird durchgeführt und im Modell abgebildet. Dann sei das Modell dank Aurora AI deutlich schneller erstellt. „Manuell so ein 3D-Objekt zu erstellen ist ohne die Software sehr viel aufwendiger. Wir merken direkt, was für eine Erleichterung uns das Tool im Belegungsplanungsprozess bringt.“

Vertrieblicher Pluspunkt

3D-Modell der geplanten Solaranlage: Die Software von Aurora Solar simuliert Dachfläche, Verschattung und Modulanordnung bis ins Detail. (Foto: Aurora Solar Germany GmbH)

Einen weiteren Vorteil sieht Lüers im Einsatz von Aurora AI: Das Vertriebsteam kann das Modell dem Kunden direkt auf einem Tablet zeigen und damit interagieren. Über eine angebundene Hardware-Datenbank können verschiedene Panele und Wechselrichter beliebig ausgetauscht und in Leistung sowie Kompatibilität mit dem Dach verglichen werden. Lüers: „Dem Kunden sein Haus mit allen Optionen so einfach zeigen zu können, statt ein PDF zu verschicken, ist schon ein starkes Vertriebstool – und deutlich kundenorientierter als manch andere Software.“

Die Software gibt es derzeit für kleinere, private Anlagen. Eine weitere Ausführung kann auch größere Dachanlagen und Carports bis zu 10 Megawatt berechnen und darstellen. Mit zunehmender Automatisierung könnte es künftig möglich sein, die Ertragsfrage per Knopfdruck zu beantworten und direkt ein vollständiges Angebot zu erstellen. Ob die Drohne bei den Stadtwerken München dann irgendwann nicht mehr starten muss, wird weniger von der Technik als von der Nachfrage der Kund:innen abhängen. (pms)

www.aurorasolar.com/de

www.swm.de