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Stromtarif mit eingebauter Optimierung

12.06.2026 –  Die KI-basierte Technologie von encentive optimiert die Energieflüsse im Betrieb und im Zusammenspiel mit E.ON an den Energiemärkten. Sie bildet jetzt die Grundlage eines neuen Industrie- und Gewerbekundentarifs von E.ON.

Foto: Justlight / stock.adobe.com

Hohe Energiepreise belasten Industrie und Gewerbe deutschlandweit, von den staatlichen Entlastungen profitieren nur wenige besonders energieintensive Branchen. Aktuelle Zahlen des Vergleichsportals Strom-Report weisen bei einem Jahresverbrauch von bis zu 100.000 kWh einen durchschnittlichen Gewerbestrompreis von 25,03 Cent pro Kilowattstunde für Neukunden aus.

Sparpotenziale verbunden

Umso gefragter sind Möglichkeiten, zu sparen – und die gibt es sowohl vor als auch hinter der Messstelle. Der einfachste Weg führt über die Beschaffung, also beispielsweise einen günstigeren Stromtarif. Mindestens ebenso wirksam, aber fraglos komplexer, ist eine Veränderung der eigenen Energieinfrastruktur und -prozesse – vom Aufbau eigener Erzeugungs- und Speicherkapazitäten über die interne Optimierung der Verbräuche bis hin zu einer direkten Kopplung vorhandener Verbraucher, Erzeugungsanlagen und Flexibilitäten an die Energiemärkte.

Andreas Reinschmidt (Account Executive, encentive), Torsten Dahmen (Senior Innovation Manager Industry Innovation bei E.ON Group Innovation), Nicolàs Juhl (CEO, encentive), Jochen von der Heide (Corporate Accounts & Partnerships,encentive) und Dr. Alexandro Kleine (Produktentwickler, E.ON Energie Deutschland) bereiten das Projekt vor. (Bild: Viktor Strasse)

E.ON führt die beiden Konzepte zusammen und entwickelt daraus einen günstigen Industrie- und Gewerbekundentarif, der auf einer individuellen Optimierung der Energieprozesse des Kunden basiert. „Die Idee ist, für die Kunden das volle Potenzial eines intelligenten Energiemanagements zu erschließen – ohne dass sie dies selbst anschaffen oder betreiben müssen“, fasst Nicolàs Juhl, Geschäftsführer der encentive GmbH zusammen. Das junge Unternehmen stellt die KI-basierte Optimierungstechnologie bereit, die E.ON als Grundlage für den innovativen Tarif nutzt.

Dirigent im Maschinenraum

In der modularen Plattform flexOn ist die Technologie seit rund fünf Jahren am Markt und an rund 60 Standorten namhafter Mittelständler wie Dachser oder Ornua, dem Unternehmen hinter der Marke Kerrygold, im Einsatz. „Wir haben die erste KI entwickelt, die Energieflüsse in Unternehmen nicht nur visualisiert und analysiert, sondern komplexe Industrieanlagen anhand dieser Erkenntnisse vollautomatisiert steuert und optimiert“, erläutert Juhl. Dadurch stehe ein vielfältiges Instrumentarium für die Senkung der Energiekosten zur Verfügung – und es zeige sofort Wirkung. „Die Plattform reduziert in einem Arbeitsgang Netzkosten durch Lastverschiebung und senkt den Strombezug durch Last- und Eigenverbrauchsoptimierung schon ab dem ersten Tag. Bei Anbindung der Assets an die Energiemärkte können die Unternehmen die Anlagen so fahren, dass Strom dann verbraucht wird, wenn er besonders günstig ist, oder sogar Erträge durch die Vermarktung eigener Flexibilitäten erzielen“, führt der encentive CEO aus. Je nach Ausstattung des Unternehmens sind nach Juhls Erfahrung Kostensenkungen von bis zu 30 Prozent möglich. „Besonders attraktiv ist das für Unternehmen mit steuerbarer Wärme- und Kältetechnik oder umfangreicher eigener E-Ladeinfrastruktur“, weiß Juhl aus Erfahrung – tatsächlich könne aber praktisch jedes Gewerbe- oder Industrieunternehmen seine Energiekosten reduzieren. „In vielen Betrieben wird die Flexibilität der eigenen Anlagen noch deutlich unterschätzt“, ergänzt Juhl.

Von der Analyse zur Steuerung

Grafik: encentive GmbH

Um diese nutzbar zu machen, gilt es jedoch, das komplexe Energiesystem des Unternehmens ganzheitlich zu optimieren und entsprechend zu steuern. Dies ermöglicht die encentive-KI durch eine direkte Anbindung an die vorhandenen Verbrauchs- und Erzeugungsanlagen im Betrieb. Die gesicherte Kommunikation erfolgt via REST-API, SFTP, OPCUA und Modbus TCP – und zwar, wie der encentive CEO betont, mit praktisch allen relevanten Anlagen, Messgeräten oder Systemen. Anhand der dort generierten Daten analysiert flexOn zunächst die Lastprofile und „versteht“ so die Assets und Prozesse des Kunden, wie Nicolàs Juhl erklärt. „Das ist die Grundlage unserer Energieoptimierung, denn wir wollen ja nicht einzelne Anlagen oder Prozesse, sondern das gesamte System effizienter und kostengünstiger ausrichten – und dabei die Geschäftsabläufe im fraglichen Industrie- oder Gewerbebetrieb natürlich nicht beeinflussen.“

Die Daten der Kundenanlagen verbindet das System mit externen Informationen, darunter zum Beispiel Wetter- oder Energiemarktinformationen. Daraus erstellt die KI Prognosen über Energieverbrauch und -erzeugung und errechnet einen optimierten Fahrplan für sämtliche Verbraucher am Standort. „In fünf Jahren am Markt hat unsere KI eine Menge an Informationen und Erfahrungen gesammelt und kann die Flexibilität unterschiedlicher Assetklassen auf allen Ebenen wirklich sehr effizient ausnutzen“, ergänzt Juhl. Dieser Fahrplan wird unmittelbar in den Anlagen umgesetzt, sodass die Optimierung sofort greifen kann. Wenn sich die Gegebenheiten oder die Anlagen verändern, passt sich die KI automatisch an.

Alle Prozesse laufen im Hintergrund – ohne zusätzliche Hardware oder vorbereitende IT-Projekte. Nicolàs Juhl: „Auch das unterscheidet unsere Technologie von konventionellen Energiemanagement-Systemen.“

Anbindung an den Markt

Diese Argumente haben wohl auch den Energiekonzern E.ON überzeugt, der das System als Kernkomponente eines neuartigen Stromtarifs für Industrie- und Gewerbekunden nutzen will. Die optimierte Fahrweise der Kundenanlage wird dabei kombiniert mit einer optimierten Beschaffungs- respektive Vermarktungsstrategie über das E.ON-Trading-Board. „So können die Anlagen der Kunden direkt an den Energiemärkten agieren und auch deren Potenzial bestmöglich nutzen“, erläutert Nicolàs Juhl.

Im E.ON Innovation Lab arbeiten die Entwickler des Essener Versorgers derzeit an einer integrierten Lösung, die dann von E.ON selbst betrieben wird. Nicolàs Juhl: „Die Kunden werden von den komplexen Optimierungsprozessen nur das Ergebnis sehen: einen günstigeren Strompreis.“ Für den encentive CEO ist dieses Konzept die konsequente Weiterentwicklung der KI-Plattform flexOn – und ein logischer Schritt auf dem Weg eines Stromlieferanten hin zum Full-Service-Energiedienstleister. Er freut sich, dass mit der encentive-Technologie ein innovatives Stromprodukt für Industrie- und Gewerbekunden realisiert wird, das bislang in Deutschland einmalig ist. (pq)

www.encentive.de

www.eon.com