19.02.2025 – Der Weg zu einer flächendeckenden und erfolgreichen Ladeinfrastruktur hängt maßgeblich von Zusammenarbeit und Kommunikation ab. Mit seiner Open-Source-Technologie wie „EVerest“ und „BaseCamp“ will PIONIX den Weg ebnen.

Das EVerest-Projekt wurde von PIONIX initiiert. Mittlerweile besteht das Team rund um das Projekt aus mindestens sechs Organisationen. (Foto: Patrick / stock.adobe.com)
Der Aufstieg der Elektromobilität gestaltet sich weiterhin mühsam. Obwohl allein im ersten Halbjahr 2024 mit 21 Millionen Ladevorgängen so häufig wie nie zuvor an öf- fentlichen Ladepunkten geladen wurde, konnte der Ladevorgang nicht immer erfolgreich abgeschlossen werden. Etwa jeder zehnte (11 Prozent) Ladeversuch von E-Autofahrern schlägt laut Branchendienstleister elvah fehl. Grund hierfür sind vor allem unterschiedliche Kommunikationsprotokolle, uneinheitliche Standards und die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern, was auch den dringend benötigten Ausbau der Infrastruktur erschwert.
Die Risiken dieser Fragmentierung wurden deutlich, als der australische Schnellladesäulen-Hersteller Tritium im April 2024 Insolvenz anmeldete und die Sorge wuchs, dass alle Ladestationen in 47 Ländern bald unbrauchbar sein könnten. Ohne Betreuung der herstellereigenen Firmware wären künftige Updates nicht mehr gesichert. Ein großes Risiko für Investoren und Betreiber.
Dr. Marco Möller, CEO und Co-Founder von PIONIX, bringt die Problematik auf den Punkt: „Es fehlt eine einheitliche Basis, die alle Akteure miteinander verbindet.“
Ladepower durch Open-Source

Mit Hilfe von Open Source Software soll der Ladevorgang in Zukunft an jeder Ladesäule reibungslos funktionieren. (Foto: PIONIX GmbH)
Das 2020 gegründete Unternehmen aus der Region Karlsruhe sieht die Antwort in Open-Source-Software. Mit der eigens entwickelten Plattform EVerest der Linux Foundation Energy soll es Unternehmen ermöglicht werden, innovative Anwendungen auf der Basis offener Standards zu entwickeln und dabei von der kollektiven Expertise einer weltweiten Entwicklergemeinschaft zu profitieren. Bei EVerest handelt es sich um ein Open-Source-Framework, das eine Art Betriebssystem für EV-Ladestationen bereitstellt und eine stabile Grundlage für die Kommunikation mit Fahrzeugen, Betriebssystemen, Apps und Cloud-Lösungen bildet. Das Besondere: Dank der modularen Architektur kann es flexibel für jede Art von Ladestation konfiguriert werden. Die Plattform erfüllt wichtige Industriestandards wie OCPP oder ISO 15118 und setzt dabei immer auf die neuesten Versionen.
„Letztlich ist eine Ladestation auch nur ein Computer, auf dem jede Menge Software läuft. Und wir wollen diese Software für alle Ladestationen vereinheitlichen und damit auch schnellere Entwicklung von Ladeinfrastruktur vorantreiben“, erklärt Dr. Möller. Dies solle nicht nur die Markteintrittshürden sondern auch die Kosten für neue Akteure senken. Zudem sei Open-Source meist sicherer. „Vergleiche zwischen Windows und Linux zeigen, dass für die Closed-Source-Plattform mindestens zwei- bis dreimal so viele kritische Sicherheitspatches ausgespielt werden müssen.“ Die freie Verfügbarkeit macht die Software für viele Hersteller attraktiv. PIONIX biete dabei Support rund um Implementierung, Pflege und Wartung über den gesamten Lebenszyklus der Ladestation. Gleichzeitig teile man sich die Arbeit der Weiterentwicklung und Fehlerbehebung mit vielen Partnern aus der ganzen Industrie.
BaseCamp als Katalysator
Zusätzlich bietet Pionix mit BaseCamp eine kommerzielle Variante mit Enterprise-Support und erweiterten Funktionen für die den reibungslosen Betrieb von Ladestationen. Davon sollen besonders Unternehmen profitieren, die in einem dynamischen Marktumfeld auf verlässliche Unterstützung angewiesen sind.
Die Plattform soll dabei nicht nur dafür dienen, Ideen und Best Practices auszutauschen, sondern auch umfassende Dokumentationen, praxisnahe Code-Beispiele und aktive Diskussionsforen bereitstellen, die den Einstieg in die Entwicklung von Ladeinfrastruktur-Technologien erleichtern.
Entwickler:innen sowie Sicherheitsexpert:innen der EVerest-Community überprüfen und validieren zudem die Software regelmäßig und sichern sie gegen potenzielle Bedrohungen ab. PIONIX macht sich diese Vorteile im Bereich Cybersecurity mit BaseCamp zunutze und ergänzt sie durch X.509 PKI-signierte Updates, sichere Kommunikationskanäle, Trusted-Platform-Modul (TPM)-Integration sowie regelmäßige Over-the-Air (OTA)-Updates.
Schlüssel zum Smart Grid?

„EVerest“ im Einsatz. (Foto: PIONIX GmbH)
Aber nicht nur in der Elektromobilität sieht PIONIX das Potential von Open-Source-Technologien. Vor dem Hintergrund der Energiewende wird eine intelligente und vernetzte Ladeinfrastruktur zum Schlüsselelement und Elektrofahrzeuge immer mehr ein integraler Bestandteil eines intelligenten Energiesystems. Besonders das bidirektionale Laden, bei dem Elektrofahrzeuge als mobile Energiespeicher fungieren und Strom sowohl aufnehmen als auch ins Netz zurückspeisen können, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Mit Open-Source-Plattformen wie BaseCamp will PIONIX daher auch die branchenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Betreibern und Entwicklern fördern und eine schnelle Anpassung an neue Marktanforderungen ermöglichen.
Grundlage dafür ist eine reibungslose Kommunikation zwischen Fahrzeug, Ladestation und Netz. Für die technologische Basis solcher komplexen Szenarien plant PIONIX den Aufbau eines Cloud-Service mit erweiterten Monitoring- und Debugging- Möglichkeiten. Ziel ist es, auch bei Ausfällen zentraler Systeme die Betriebsfähigkeit der Ladestationen sicherzustellen und somit die Resilienz der Infrastruktur zu stärken.
Der langfristige Erfolg solcher Lösungen hängt laut Dr. Möller dabei maßgeblich von der Bereitschaft der Branche ab, proprietäre Barrieren abzubauen und auf offene Standards zu setzen: „Nur durch Zusammenarbeit und Offenheit können wir die Ladeinfrastruktur der Zukunft gestalten und die Mobilitätswende vorantreiben. Open Source ist der Schlüssel, der diese Tür öffnet.“ (pms)

