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IM GESPRÄCH MIT… Paul Tonini, Country Manager Germany bei Electra

11.07.2025

Herr Tonini, Electra gehört zu den TOP 10-CPOs in Europa und expandiert gerade sehr dynamisch.

Foto: Electra

Das stimmt. Aktuell bieten wir europaweit knapp 500 Schnellladestandorte an, 200 weitere befinden sich im Bau und bis 2030 sollen es 15.000 werden. In Frankreich und Belgien sind wir bereits ein führender Anbieter, in Österreich, der Schweiz und Deutschland starten wir gerade. Unsere erste deutsche Station ging übrigens Ende April in der Nähe von München in Betrieb.

Sie sehen also interessante Perspektiven am deutschen Markt?

Absolut! Aktuell fahren immerhin schon fast zwei Millionen Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen und die Neuzulassungen entwickeln sich sehr gut: Wir rechnen für dieses Jahr mit etwa 600.000 neuen vollelektrischen Pkw. Dieser Trend wird sich fortsetzen – und auf mittlere Sicht wird es keine Verbrenner mehr geben.

Was veranlasst Sie zu dieser Einschätzung?

Nun ja, ich glaube, die progressive CO2-Bepreisung oder das europäische Verbrenner-Verbot ab 2035 geben da schon eine klare Richtung vor. Auch weltweit, insbesondere in Asien, aber auch in vielen europäischen Ländern stehen die Zeichen ganz eindeutig auf Elektromobilität. Die europäischen Automobilhersteller haben ihre Produktion bereits umgestellt oder sind dabei. Das wird nicht mehr zurückgedreht – zumal die Konkurrenz aus Asien ebenfalls auf den deutschen Markt drängt. Damit entsteht natürlich auch ein spannender Markt für Ladeinfrastruktur. In diesem Bereich gibt es beim Laden in Deutschland ja auch noch ein bisschen Luft nach oben…

An welche Themen denken Sie da?

Für das Laden zuhause oder im Betrieb existieren noch jede Menge Hürden. Je nach Netzbetreiber ist manchmal schon die Installation einer Wallbox ein schwieriges Unterfangen. In größeren Bestandsimmobilien ist der Anschluss von Ladepunkten teilweise gar nicht möglich oder oft extrem aufwändig. Dementsprechend verlagert sich das Laden in den öffentlichen Raum – und da macht es auch noch nicht so richtig Spaß. Das wollen wir ändern.

Das klingt interessant. Was meinen Sie genau?

Es mag ja sein, dass rein rechnerisch in Deutschland sogar mehr Ladeleistung zur Verfügung steht als die aktuell zugelassenen E-Fahrzeuge benötigen. Aber es fehlt, zumindest jenseits der Fernstraßen, an attraktiven, komfortablen Lademöglichkeiten. Hier setzen wir an: Unsere Stationen bieten Leistungen bis zu 400 kW. Das Fahrzeug kann also in 20 Minuten für eine Reichweite von bis zu 400 km geladen werden – und zwar sehr zuverlässig: Wir verzeichnen zu 99 Prozent erfolgreiche Ladevorgänge. Man kann unsere Stationen nicht nur digital anzeigen und dorthin navigieren, sie lassen sich auch reservieren. Außerdem bieten sie Funktionen wie automatische Fahrzeugerkennung und Autocharge – automatisches Laden ohne Karte oder App, einschließlich Abrechnung der Ladekosten. Zudem legen wir großen Wert auf die Standortwahl: Wir suchen unsere Standortpartner da, wo sich die Menschen im Alltag und in der Freizeit aufhalten. Außerdem achten wir darauf, dass unsere Ladestandorte gut auffindbar sind und insgesamt ein angenehmes Umfeld für die „Ladepause“ bieten. Unser Anspruch ist, das Laden angenehm zu machen.

Gilt das auch für die Tarife und Bezahlvorgänge?

Ja, das Bezahlen an der Ladesäule ist tatsächlich immer noch ein großes Abenteuer in Deutschland. Auch hier versuchen wir, es den Kunden und Kundinnen so einfach wie möglich zu machen: Wir bieten zwei Bezahloptionen mit Festpreis – das Laden per Kreditkarte und mit unserer App. Außerdem können unsere Nutzer und Nutzerinnen mit der Ladekarte ihres Stromversorgers zum jeweils vereinbarten Tarif laden.

Entwickeln Sie die Technologie selbst?

Ja – und zwar komplett. Wir wollen eine Gesamtlösung anbieten, die sowohl unsere Ladekunden und -kundinnen als auch unsere Standortpartner überzeugt. Und dazu gehört natürlich auch eine eigene technologieoffene Entwicklung, die dann auch in der Lage ist, neue Anforderungen zügig umzusetzen. Ein aktuelles Beispiel ist die Kooperation mit unseren Partnern Atlante, Fastned und IONITY in der neugegründeten Spark-Alliance, in der wir Teile unserer Services europaweit verbinden.

Wie schätzen Sie die Entwicklung am Ladeinfrastruktur-Markt ein?

Ich glaube, da wird sich in den nächsten Jahren einiges bewegen. Mit dem Hochlauf der Elektromobilität und der Zunahme des Ladeangebots steigen die Ansprüche der Kunden. Ein erfolgreicher CPO zu werden und zu bleiben, wird damit ein ziemlich anspruchsvolles Geschäft. Wir freuen uns drauf! (pq)

www.go-electra.com