Weitere Ergebnisse...

Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Post Type Selectors

Freiwillige Abregelungen auf Rekordhoch

03.02.2026 – Negative Strompreise und Überangebot führen dazu, dass Wind- und Solaranlagen so häufig wie nie zuvor aus wirtschaftlichen Gründen vom Netz gehen. 

In Deutschland haben Betreiber erneuerbarer Energien im Jahr 2025 so viel Strom wie nie zuvor freiwillig nicht erzeugt. Nach einer Analyse des Marktforschungsunternehmens Montel EnAppSys wurden nahezu 1,75 TWh Wind- und Solarstrom marktbasiert abgeregelt. Das sind rund 25 Prozent mehr als 2024 und der höchste bislang gemessene Wert. 

(Bild: lovelyday12 / stock.adobe.com)

(Bild: lovelyday12 / stock.adobe.com)

Negative Preise als Auslöser 

Der Anstieg der Abregelungen fällt mit einer wachsenden Zahl negativer Preise an den Day-Ahead-Strommärkten zusammen. Der Ausbau der erneuerbaren Erzeugung schreitet schneller voran als die Erholung der Nachfrage. In Phasen mit Überangebot entscheiden sich Produzenten daher zunehmend, ihre Anlagen freiwillig abzuschalten, statt Strom zu negativen Preisen anzubieten. Anders als bei zwangsweisen Abschaltungen durch Netzbetreiber gibt es dafür keine Entschädigung.  

Hinzu kommen verschärfte Förderbedingungen: Mit dem Solarspitzengesetz vom Februar 2025 und den vorgezogenen Maßnahmen zur Reduktion der zulässigen Negativstunden entfällt der Förderanspruch bereits nach einer Stunde mit negativen Preisen. Das soll den Anreiz verstärken, die Erzeugung aus wirtschaftlichen Gründen zu drosseln. 

Abregelungen auch bei niedrigen positiven Preisen 

Die Analyse zeigt zudem, dass sich die Abregelungen nicht mehr nur auf stark negative Preisphasen beschränken. Auch im Preisbereich zwischen null und 15 Euro pro Megawattstunde steigt das Volumen deutlich. Besonders ausgeprägt ist der Effekt bei Preisen unter fünf Euro pro Megawattstunde, wo inzwischen mehr Strom nicht vermarktet wird als bei Preisen unter null.  

Solarausbau verschärft das Ungleichgewicht 

Ein zentraler Treiber ist der starke Zubau von PV. Hohe Einspeisungen zur Mittagszeit trifft zunehmend auf geringe Nachfrage, vor allem an Wochenenden und in den Übergangsjahreszeiten. Gleichzeitig sind Teile des verbleibenden konventionellen Kraftwerkparks nur begrenzt flexibel und bleiben auch bei hoher erneuerbarer Erzeugung am Netz. Gleichlaufende Wetterlagen in Deutschland und den Nachbarländern verstärken die Abregelungen zusätzlich. Sonnige oder windreiche Bedingungen treten häufig zeitgleich in großen Regionen auf und begrenzen so die Exportmöglichkeiten. 

Strukturelle Herausforderung für den Strommarkt 

Jean-Paul Harreman, Studienautor und Director bei Montel EnAppSys, sieht in der Entwicklung ein strukturelles Problem der Energiewende. „Der Ausbau der erneuerbaren Erzeugung ist schneller vorangeschritten als das Wachstum der Nachfrage sowie der Ausbau von Speichern und Flexibilitätsoptionen. Als Reaktion darauf diversifizieren Betreiber erneuerbarer Anlagen ihre Erlösquellen zunehmend – etwa durch die Teilnahme an Regelenergiemärkten, Ausgleichs- und Intraday-Märkten oder durch die Kopplung von Erzeugungsanlagen mit Speichern.“ 

Solange diese Flexibilitäten nicht deutlich schneller wachsen, dürften Phasen mit Überangebot und freiwillige Abschaltungen erneuerbarer Energien den deutschen Strommarkt weiter prägen, sagt Harreman. (pms) 

Den vollständigen Bericht gibt es hier: Montel | Europäischer Bericht Zur Preisinduzierten Abregelung Erneuerbarer Energien 

www.enappsys.com