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Gut angeschlossen

20.06.2025 – Energiewende trifft Netzinfrastruktur: Mit ihrem 110kV-PowerSystem bringt die Netze BW Sparte Dienstleistungen (DL) erneuerbare Energieanlagen effizient ins Hochspannungsnetz.

Immer mehr Strom aus den Erneuerbaren drängt ins Netz. Für die Integration von größeren Onshore-Anlagen und Solarparks mit einer Leistung im zweistelligen Megawattbereich, bietet die direkte Anbindung ans 110-kV-Hochspannungsnetz bekanntermaßen Vorteile – allerdings werden dazu passende Umspannwerke (UW) benötigt.

Foto: Netze BW GmbH

Die Netze BW DL hat mit ihrem Standard-Umspannwerk für Erneuerbare-Energien Projekte ein umfassendes Konzept im Angebot, das präzise auf die Anforderungen der Bauvorhaben von erneuerbaren Kundenanlagen abgestimmt ist. Damit die Integration von geplanten Solar- und Windkraftanlagen ins Hochspannungsnetz reibungslos vonstatten geht, bieten die Netze BW Sparte Dienstleistungen ein technisch und zeitlich ausgereiftes Servicepaket an – angefangen von der Analyse der Rahmenbedingungen, über die Planung und den Bau des kundeneigenen UWs bis hin zur dauerhaften Betriebsführung.

Wie das Servicepaket rund um die Weiterentwicklung der sogenannten „Windsteckdose“ in die Praxis umgesetzt wird, erläutern die Experten des Dienstleistungsbereichs der Netze BW anhand von aktuellen Bauvorhaben, wie etwa dem Einspeiseumspannwerk im Raum Baiersbronn. Hier plant die Projektentwicklungsgesellschaft ALTUS renewables GmbH den Bau des Windparks Seewald, dessen geplante acht Windkraftanlagen über das neue Umspannwerk an das Hochspannungsnetz angeschlossen werden sollen.

Das Baukastenprinzip

Das standardisierte Umspannwerk der Netze BW DL mit dem Namen „110kV-PowerSystem“ ist als Baukastenprinzip konzipiert. Die Gesamtlösung basiert auf einem modular aufgebauten 110/30- beziehungsweise 110/20-kV-Umspannwerk und ist in verschiedenen Leistungsklassen (25, 40 und 63 MVA) erhältlich. Das System wird üblicherweise in unmittelbarer Nähe einer 110-kV- Freileitung errichtet und ermöglicht die gebündelte Anbindung mehrerer Wind- und Solarparks an das Hochspannungsnetz. Auf diese Weise ersparen sich die Betreiber der erneuerbaren Erzeugungsanlagen kostenintensive Einzelanschlüsse, um ihren Strom ins Netz zu bekommen. Zudem kann das Umspannwerk auch in „Gegenrichtung“ genutzt werden, beispielsweise um Energie aus dem Hochspannungsnetz für leistungshungrige LKW-Ladehubs zu entnehmen.

Analyse, Beratung und Planung

Mit der erfolgreichen Trafoinstallation vor Ort schwenken die Baumaßnahmen auf die Zielgerade. (Foto: Netze BW GmbH)

Noch bevor überhaupt der erste Spatenstich für das Umspannwerk erfolgt, sind eine Vielzahl komplexer Analyse- und Planungsaufgaben zu meistern. Hierzu bietet die Netze BW Sparte DL ihren Kunden in der ersten Projektphase eine Vor-Ort-Prüfung an, um die Wirtschaftlichkeit und technischen Machbarkeit in Bezug auf den vom lokalen Netzbetreiber vorgegebenen Netzverknüpfungspunkt zu eruieren. Zudem klären die Projektpartner im Vorfeld weitere Planungsfragen: Ist der vorgesehene Ort für den Bau des kundeneigenen UWs von der Topographie her überhaupt sinnvoll? Ist die Entfernung zwischen der Anlage und dem Netzverknüpfungspunkt nicht zu weit? Gibt es einen befahrbaren Weg oder Straße zum zukünftigen Bauplatz des UWs?

Sobald diese und andere Fragen im Vorfeld geklärt wurden, machen sich die Teams von Netze BW DL in der zweiten Projektphase an die genauere Konzeption des 110kV-PowerSystems – inklusive aller Komponenten. Das Komplettangebot der Dienstleistungsparte des südwestdeutschen Netzbetreibers umfasst dabei die 110-kV-Schaltgeräte, den 110-kV-Transformator sowie Mittelspannungsanlagen, Betriebsgebäude, Schutztechnik oder die leit- und nachrichtentechnischen Einrichtungen. Bei Bedarf übernimmt die Dienstleistungssparte der Netze BW zudem die Planung und Projektierung einer Kompensationsanlage zur Einhaltung der technischen Anschlussbedingungen – etwa zur Blindleistungskompensation.

Das Umspannwerk kann jedoch auch so geplant werden, um von vorneherein mehrere Wind- oder Solarparks von verschiedenen Projektierern anzubinden, wie Markus Steinhauser, Manager bei der Netze BW DL anmerkt: „Wir können auch mehrere Betreiber von Wind- und Solaranlagen in einem UW zeitgleich betreuen. In so einem Fall bekommt jeder Betreiber ein eigenes Einspeisefeld, dass bei Bedarf erweitert werden kann. Auf diese Weise muss nicht für jeden Wind- oder Solarpark ein eigenes UW gebaut werden.“

Sobald das endgültige Anlagendesign des Umspannwerks steht, übernimmt die Netze BW DL in Kooperation mit ausgewählten Generalunternehmen die Baugenehmigungsplanung, einschließlich der administrativen Abwicklung mit den lokalen Behörden. Den Erfahrungswerten der Projektleiter nach, dauert die Genehmigungsphase im Schnitt rund drei bis vier Monate.

Trafo als Bottleneck?

Beim Bau des 110kV-PowerSystems müssen die beteiligten Akteure das Timing genau im Auge behalten: Es ist keinem geholfen, wenn das Umspannwerk beispielsweise schon lange fertig ist, während für den Windpark noch nicht einmal der Bauplatz hergerichtet wurde – oder umgekehrt. Vor allem die Beschaffung eines zentralen Bauteils erweist sich in der Praxis zunehmend schwieriger, wie Markus Steinhauser betont: „Wir raten jedem Kunden zuerst den passenden Transformator zu bestellen, da die Lieferzeit für 110-kV-Trafos bei den Herstellern mittlerweile bei bis zu 27 Monaten liegt. Früher hat man einen Trafo unterhalb eines Jahres bekommen – diese Zeiten sind nun leider vorbei. Manchmal haben die Windkraftanlagenhersteller noch passende Trafos aus nichtrealisierten Projekten auf Halde liegen oder im Stock der Trafohersteller reserviert. In solchen Fällen lässt sich die Projektlaufzeit im Idealfall beschleunigen.“

Doch lange Lieferzeiten sind nicht das Einzige, was die Kunden beim Thema Trafo beachten sollten. Da der Dienstleistungsbereich der Netze BW auch die Betriebsführung des Umspannwerks anbieten, ist das technische Design der Anlage im Regelfall auf die Transformatoren von namhaften Herstellern ausgelegt.

Wenn die Bagger rollen

Für den Anschluss des des kundeneigenen UWs ans Netz muss in manchen Fällen ein neuer Mast in Anlagennähe (Bildmitte) zusätzlich errichtet werden. (Foto: Netze BW GmbH)

Sobald Klarheit darüber herrscht, wann der Trafo vor Ort eintreffen wird, kann die passende Timeline für die Bauausführung abgestimmt werden. Dadurch ergibt sich dann der Baubeginn für die anderen Elemente des Umspannwerks. In dieser vierten Projektphase haben dann die ausführenden Techniker und Bauprofis vor Ort das Wort. Einspeisefelder, Schaltanlagen, Betriebsgebäude, Zäune, Betonfundament, die Wanne für den Trafo, die Kabel hin zu den Turbinen oder zusätzliche Masten für die Anbindung zum nächsten Netzanschlusspunkt: All das und mehr wird im Normalfall in der anvisierten Bauzeit von maximal acht Monaten realisiert.

Einschalten und Betreiben

Sind alle Baumaßnahmen durchgeführt, die Installation abgeschlossen und der Transformator mit Öl befüllt, erfolgt die Funktionsprüfung der gesamten Anlage nach Vorgaben der Technischen Anschlussbedingungen Hochspannung (TAB HS) des VDE und der Qualitätsstandards der Netze BW Sparte DL. Sobald die Technikteams „grünes Licht“ geben, erfolgt die Inbetriebnahme der Anlage. Damit ist das Serviceangebot des Dienstleistungsbereichs der Netze BW rund um das 110kV-PowerSystem nicht beendet, da auch die dauerhafte Betriebsführung des neuen UWs – vorwiegend in Baden-Württemberg – übernommen wird. Zu den Leistungen zählen unter anderem die Übernahme der Anlagenverantwortung und die erstmalige Aufnahme der gesamten Anlage einschließlich der damit verbundenen Dokumentation. Bei der klassischen Aufgabe der Betriebsführung bietet die Netze BW DL beispielsweise den Störungsservice, die Instandhaltung, Wartung, Inspektion und regelmäßige Pflege der Anlage. Für Wind- und Sonnenprojekte, die die Netze BW DL außerhalb von Baden-Württemberg abwickeln, empfiehlt das Unternehmen die Betriebsführung des 110kV-PowerSystems in die Hände des örtlichen Netzbetreibers zu legen oder auf externe Serviceanbieter zurückzugreifen, die in der Lage sind, die Betriebsführung des Umspannwerks zu gewährleisten. (cp)

www.netze-bw.de/dienstleistungen