11.06.2025 – Die neue KI-basierte Software SolarEdge ONE von SolarEdge erweitert klassische HEMS-Funktionen um Börsenstrompreise, Nutzerverhalten und persönliche Präferenzen und bringt damit Marktlogik ins heimische Energiemanagement.

Die KI-gestützte Software SolarEdge ONE wurde entwickelt, um die Energiekosteneinsparungen für Hausbesitzer mit dynamischen Stromtarifen zu maximieren. (Foto: SolarEdge Technologies Ltd.)
Photovoltaik galt lange als reine Erzeugungstechnologie: Wer sich eine Anlage aufs Dach setzte, wollte möglichst viel Sonnenstrom für den Eigenbedarf produzieren – etwa für den Kühlschrank oder den Backofen. Doch dieser Blick aufs eigene Heimnetz hat sich gewandelt. Nach und nach kommen neue Verbraucher wie Wallboxen, Wärmepumpen oder Batteriespeicher hinzu. Immer mehr Haushalte versorgen sich selbst und agieren damit zunehmend wie ihr eigener kleiner Energieversorger.
Mit der Einführung dynamischer Stromtarife bekommen sie nun auch Zugang zum Strommarkt und damit die Möglichkeit, Verbrauch und Erzeugung wirtschaftlich zu steuern. „Es kann durchaus vorkommen, dass Netzstrom günstiger ist als der selbst erzeugte Solarstrom – zumindest zeitweise“, sagt Robert Bruchner, Leiter Vertrieb und Marketing bei SolarEdge Deutschland. Genau an diesem Punkt setzt die neue Software SolarEdge ONE an. Die neue KI-gestützte Software soll nicht nur den Eigenverbrauch optimieren, sondern auch wirtschaftlich kluge Entscheidungen in Echtzeit treffen – ganz im Sinne der Nutzer:innen.
Vom Hardwareanbieter zum Systemdenker
SolarEdge ist hierzulande vor allem als Hardwareanbieter bekannt, insbesondere für seine Wechselrichterlösungen mit Leistungsoptimierern. Seit 2012 am deutschen Markt aktiv, hat das israelische Unternehmen weltweit über 130 Millionen Geräte ausgeliefert und arbeitet mit rund 65.000 Installateuren in mehr als 140 Ländern zusammen.
„Unser Ziel ist es, aus dem PV-System ein intelligentes Energiemanagementsystem zu machen – individuell anpassbar, zukunftssicher und wirtschaftlich“, sagt Bruchner. Mit der im August 2024 vorgestellten Plattform SolarEdge ONE soll genau das möglich gemacht werden. Nutzer:innen können selbst festlegen, ob zum Beispiel die Batterie vorrangig geladen werden soll oder ob das Elektroauto bei günstigen Netzstrompreisen den Vorrang bekommt. Auch Backup-Funktionen lassen sich individuell priorisieren.
Entscheidung in Sekunden

„Mit der Einführung unseres Energieoptimierungs systems SolarEdge ONE können Hausbesitzer:innen nun dynamische Tarife nutzen und dabei sicher sein, dass ihr Energieverbrauch durch unser KI-gesteuertes Energiemanagement autonom optimiert wird.“ Robert Bruchner, Country Manager Deutschland bei SolarEdge (Foto: SolarEdge Technologies Ltd.)
Die Grundlage für die Entscheidungen, die SolarEdge ONE trifft, bilden drei zentrale Datenquellen. Erstens bezieht die Plattform externe Informationen wie Wetterprognosen und die tagesaktuellen Preise des Day-Ahead-Markts ein – vorausgesetzt, die Nutzer:in- nen haben einen dynamischen Stromtarif aktiviert. Zweitens fließen interne Daten ein: aktuelle Produktionswerte der PV-Anlage, der Ladezustand von Speicher und Elektrofahrzeug sowie das Verbrauchsprofil der Nutzer:innen.
Drittens – und das ist entscheidend – lassen sich auch individuelle Präferenzen festlegen. Will ich möglichst autark leben? Oder steht die Wirtschaftlichkeit an erster Stelle? Soll das Auto morgens um sieben Uhr vollgeladen sein? All das berücksichtigt SolarEdge ONE bei der Erstellung seines täglichen 24-Stunden-Energieplans.
Dieser Plan wird über Nacht berechnet und am Folgetag automatisch umgesetzt. Kommt es zu kurzfristigen Änderungen, etwa durch ein plötzlich aufziehendes Gewitter oder unerwartet hohe Verbräuche, passt die KI den Plan in Echtzeit an. „So kommen schnell mehr als 100 automatisierte Entscheidungen pro Tag zusammen“, sagt Bruchner.
Steuerung über den ONE Controller
Als zentrale Schnittstelle dient der SolarEdge ONE Controller. Er ist direkt mit dem Smart Meter verbunden, sammelt alle relevanten Energieflüsse und sendet sie zur Analyse in die Cloud. Gleichzeitig übernimmt er Steuerfunktionen – etwa für Wallbox, Wärmepumpe oder Batterie.
Unterstützt werden unter anderem Geräte von ABB, MENNEKES, Wallbox und Vaillant. Weitere Systeme lassen sich über SG-Ready-Schnittstellen einbinden. Der Controller unterstützt auch die Umsetzung der Paragrafen 14a EnWG und 9 EEG durch die Netzbetreiber und wurde vom EEBUS e.V. im Living Lab in Köln getestet.
Die zugrundeliegende Software SolarEdge ONE ist dabei nicht auf den Controller angewiesen: Sie kann auch ohne die Hardware genutzt werden – etwa in Kombination mit bestehenden Messsystemen und bei vorhandener Tarifintegration. Entscheidend ist, dass die notwendigen Verbrauchs- und Preisdaten verfügbar sind.
App für Nutzer:innen

Der SolarEdge ONE Controller ermöglicht es, Systeme von Drittanbietern zu integrieren und zu steuern. (Foto: SolarEdge Technologies Ltd.)
Ihre Stromflüsse jederzeit überwachen können Endkund:innen über die „My SolarEdge“-App. Hier sehen sie live, wie viel Strom produziert wird, welche Verbraucher aktiv sind und ob der Strom aktuell aus der PV-Anlage, der Batterie oder aus dem Netz stammt. Die App erlaubt es außerdem, eigene Präferenzen zu hinterlegen – etwa Prioritäten für Ladegeräte oder Zeitfenster für bestimmte Verbraucher. Die Nutzung eines dynamischen Tarifs muss ebenfalls aktiv über die App aktiviert werden – wobei SolarEdge ONE grundsätzlich auch mit klassischen Stromtarifen als Energieoptimierungssoftware funktioniert. Langfristig soll die Software mit allen Stromanbietern kompatibel sein. „Wir integrieren die Anbieter nach und nach, damit wirklich jeder die Vorteile nutzen kann“, erklärt Bruchner.
Auch für Gewerbe interessant
Neben Wohngebäuden richtet sich SolarEdge ONE auch an gewerbliche Nutzer:innen. „Hier geht es um deutlich komplexere Systeme – mit Kühlanlagen, Beleuchtung, AC- und DC-Ladern und oft hunderten Verbrauchern“, sagt Bruchner. Auch hier soll SolarEdge ONE zuverlässig planen, priorisieren und optimieren – und damit zur wirtschaftlichen Energienutzung beitragen.
Herausforderung bleibt der Tarifwechsel
Verbaut ist die Software SolarEdge ONE in jedem Gerät von SolarEdge und kann einfach per App aktiviert werden. Eine Hürde bleibt allerdings: die aktuell noch geringe Verbreitung dynamischer Tarife in Deutschland. Obwohl gesetzlich vorgesehen und technisch machbar, zögern viele Stromkund:innen nach wie vor. Bruchner sieht hier auch eine Aufklärungsaufgabe: „Wir hoffen, dass SolarEdge ONE die Menschen für das Thema sensibilisiert und zeigt, wie man schon heute wirtschaftlich profitieren kann. Wir glauben, dass hier die Zukunft der Energieeffizienz liegt.“ (pms)

