21.08.2026 – In Bonn wird ein Gewerbegebäude künftig nicht nur Solarstrom nutzen, sondern die Überschüsse an eine gemeinnützige Organisation spenden. Das Projekt realisieren der Immobilienkonzern PATRIZIA und Solation, ein Betreiber von Solarstrom-Infrastruktur.

Neue Solation PV-Anlage für mehrere Mieter in Bonn – das erste Gewerbegebäude in Deutschland, das überschüssigen Solarstrom an eine gemeinnützige Organisation spenden kann. (Foto: Tobias Blaser)
Das Unternehmen Solation erweitert sein „virtuelles Speichermodell“ um ein neues Konzept, bei dem Mehrmieter-Gewerbegebäude in Deutschland den überschüssigen Solarstrom über das öffentliche Stromnetz an lokale, gemeinnützige Organisationen spenden können. Das Konzept soll zeigen, wie mit Gewerbeimmobilien wirtschaftlicher, ökologischer und gesellschaftlicher Mehrwert geschaffen werden kann. Somit kann der Eigenverbrauch des Solarstroms maximiert werden, ohne eine physische Batterie zu benutzen.
Von der Theorie zur Praxis
In der Theorie war es bereits möglich, Strom zu spenden – für ein einzelnes Gebäude war es jedoch nicht praxistauglich. Bei großen Solarprojekten regeln komplexe Stromabnahmeverträge, ob der erzeugte Strom selbst verwendet oder ins Netz eingespeist und verkauft werden soll. Besonders diese regulatorische Komplexität und das dafür notwendige Fachwissen verhinderten bisher die Etablierung eines Modells, bei dem Teile der Solarstromerzeugung eines einzelnen Gebäudes dauerhaft gespendet werden konnten.
Um diese Hürde zu überwinden, wird im Modell von Solation eine dauerhafte Spende in die Energiestruktur der betreffenden Immobilie integriert. Der Empfänger schließt einen Stromvertrag über seinen gesamten Bedarf ab; ein vereinbarter Anteil der Solarstromerzeugung des Gebäudes wird dabei für die Energie selbst zu null Cent pro Kilowattstunde geliefert. Ein regulärer Stromvertrag deckt den restlichen Strombedarf der Organisation ab. Alle Anforderungen der deutschen Mieterstromverordnung werden zudem erfüllt.
Technik und Sicherheit
Das erste Projekt am Standort Bonn setzt die Theorie in die Praxis um. Der Gebäudeeigentümer PATRIZIA verpachtet die Dachfläche an Solation – den Betreiber der Solaranlage. Fast 90 Prozent des Stroms nutzt das Gebäude selbst und spendet ein Prozent an eine gemeinnützige Organisation. Als Photovoltaik-Technologiepartner ist SolarEdge beteiligt und wird auch zukünftig Teil des Projekts bleiben.
Die DC-optimierten PV-Systeme verfügen an jedem Solarmodul über einen Leistungsoptimierer. Damit können aus Verschattung oder Modulabweichung resultierende Ertragsverluste reduziert werden. Die erhöhte Solarstromerzeugung sorgt dafür, dass die Energiekosten sowohl für die Gebäudemieter als auch für die ausgewählte Organisation minimiert werden.
Ein wesentlicher Grund für die Wahl der Solation-Technologie war die Integration verschiedener Sicherheitsfaktoren. Dazu zählen die Schnellabschaltung auf Modulebene und eine kontinuierliche Anlagenüberwachung, die den Gebäudeeigentümern, Nutzern und Wartungsteams einen zusätzlichen Schutz bieten.
Die Bewerbungsphase startet
Derzeit werden geeignete Organisationen in Bonn eingeladen, sich als Empfänger der Solarstromspende bei dem Unternehmen Solation zu bewerben. Wichtig ist, dass die Organisationen im Umkreis von 4,5 Kilometern um das Gebäude lokalisiert sind, über einen Smart Meter verfügen, mehr als 100.000 kWh Strom verbrauchen und bereit wären, zu einem anderen – kompatiblen – Stromanbieter zu wechseln. Sind der Empfänger ausgewählt sowie vertragliche und technische Bedingungen geklärt, erfolgt die Spende. Mit etwa 280.000 vermieteten Bürogebäuden in Deutschland möchte Solation dieses Konzept bis zum Jahr 2030 an weiteren 1.000 Standorten realisieren.
„(…)Wenn Gebäude im ganzen Land auch nur einen kleinen Teil der von ihnen erzeugten sauberen Energie lokalen Gemeinschaften zur Verfügung stellen, könnte die gemeinsame Wirkung enorm sein. Wir hoffen, dass daraus ein Modell für den breiteren Markt entsteht und zeigt, dass die Gebäude, die die Energiewende vorantreiben, zugleich auch die Gemeinschaften in ihrer Umgebung mit Energie unterstützen können.“ So fasst es Sebastian Hugl, CEO von Solation, zusammen. (rp)


