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Wertschöpfung vor Ort

02.04.2024 – Im Landkreis Cochem-Zell haben sich private und gewerbliche Betreiber von regenerativen Stromerzeugungs-Anlagen erstmals in Rheinland-Pfalz zu einem „virtuellen Kraftwerk“ zusammengeschlossen. Unter der Marke „Landstrom“ können Bewohner und Gewerbe zu 100 Prozent Strom aus der Region beziehen.  

Auftaktveranstaltung zum „Landstrom“ im Mai 2023. Am Startbutton: von links Manuel Klingler (VSE AG), Ex-Landrat Manfred Schnur, Professor Dr.Ralf Simon, dahinter von links Frank Adrat (Energis), Dirk Barbye (unser-klima-cochem-zell e. V.) sowie Albert Jung, Edwin Kesseler und Konrad Johannvom Verein „unser-klima-cochem-zell e. V.“ (Bild: Landkreis Cochem-Zell)

Die Stromwende im Landkreis Cochem-Zell ist im vollen Gange. Schon heute produzieren dort Wind, Sonne und Biomasse insgesamt betrachtet fast doppelt so viel Strom, wie dort verbraucht wird. Bereits im Jahr 2008 hatte der Kreistag Cochem-Zell einstimmig das Ziel formuliert, „Null-Emissions-Landkreis“ zu werden. Das Ziel war, bis zum Jahr 2020 bis zu 50 Prozent der CO2-Emissionen bezogen auf das Jahr 1990 auszugleichen und langfristig den vollständigen Ausstoß zu kompensieren. Dies sollte insbesondere durch Energieeinsparung, -effizienz und -suffizienz sowie den Einsatz Erneuerbarer Energien bei der Strom- und Wärmeversorgung erfolgen. 

Der Zusammenschluss regenerativer Energiequellen zu einem virtuellen Kraftwerk der nächste, konsequente Schritt. Von den ersten Überlegungen 2015 bis zum Start des virtuellen Kraftwerks gingen allerdings sechs Jahre ins Land. Ideengeber war seinerzeit Professor Ralf Simon von der Transferstelle Bingen, der sowohl bei der Konzepterstellung als auch bei der vom Land geförderten Umsetzung unterstützte. Um Erzeugung und Verbrauch in Einklang zu bringen, wurden zunächst die Auswirkungen der Vernetzung unterschiedlicher Anlagen und Verbrauchsmuster im Rahmen eines öffentlich geförderten Klimaschutzteilkonzepts untersucht, um die Integration des lokal erzeugten Stroms zu stärken.  

Eigenbetrieb koordiniert 

Zugleich wurde ein Geschäftsmodell entwickelt, um die Umsetzung und Vermarktung des Regionalstroms voranzutreiben. Die Projektkoordination, Finanzierung und Umsetzung hat der Eigenbetrieb Klima & Energie der regionalen Kreiswerke Cochem-Zell übernommen, in Kooperation mit der lokalen Energieagentur „unser-klima-cochem-zell e. V.“.  

Die Lizenz zum Betrieb des virtuellen Kraftwerks wurde zunächst befristet für drei Jahre an die VSE AG aus Saarbrücken zu übertragen. Dies stellt gleichzeitig die erste Stufe des Geschäftsmodells zur Markteinführung dar. Die VSE betreibt das Kraftwerk und vermarktet den Strom gemeinsam mit der Unternehmenstochter Energis. Als Stromhändler ist die VSE auch Vertragspartner der Anlagenkunden. 

Für die Zukunft ist dem Landkreis zufolge beabsichtigt, in der nächsten Stufe eine kommunal getragene Gesellschaft mit Beteiligung der VSE als Stromhändler zu gründen. Hieran könnten sich dann auch Bürgerinnen und Bürger über eine Energiegenossenschaft beteiligen, um die regionale Wertschöpfung bestmöglich zu gestalten. 

Aktuell besteht das Kraftwerk aus neun Anlagen mit rund 28 Megawatt Erzeugungsleistung, darunter die Freiflächen-Photovoltaik-Anlage der Ortsgemeinde Büchel. Damit könnten rund 10.000 Haushalte – das sind etwa ein Drittel der Haushalte im Landkreis – versorgt werden. Ziel sei es, weitere Erzeugeranlagen hinzuzugewinnen und damit die Anlagenleistung zu steigern, so der Landrat.  

Günstiger Strom aus der Region 

Vor drei Jahren, als das virtuelle Kraftwerk seinen Betrieb aufnahm, stellte sich der Landrat dann die Frage, wie es gelingen kann, den bilanziell vorhandenen, regenerativen Strom-Überschuss möglichst umfassend für die Energieversorgung vor Ort zu nutzen. 

„Die Kreisenergiegesellschaft verfolgt die Absicht, selbst grüne Energieprojekte im Kreisgebiet umzusetzen und alle Wertschöpfungsstufen eines Projekts optimal auszunutzen“, sagt Falko Fischer, Geschäftsführer der Kreisenergiegesellschaft. „Insbesondere der Vertrieb des grünen Regional-Stroms über das virtuelle Kraftwerk ist ein besonders wichtiger Punkt für uns. Alle Menschen im Landkreis sollen die Möglichkeit haben, Strom in ausreichender Menge und zu einem günstigen Preis aus unserem Landkreis Cochem-Zell zu beziehen.“ Ein weiterer Meilenstein im Gesamtprojekt wäre die Integration kleiner Erzeugeranlagen ab zirka zehn Kilowatt-Peak (kWp) sowie die Überführung des Kraftwerks in eine lokal getragene Gesellschaft. 

Auch auf Seiten der Stromkunden nimmt das Interesse weiter zu. Im Mai 2023 ging das lokale Stromprodukt „Landstrom – 100 Prozent aus und für CochemZell“ an den Markt. 

„Anfang 2024 liegen die Anschlusszahlen im Zielkorridor“, sagt Nicole Jobelius-Schausten, Netzwerkmanagerin Klimaschutz bei den Kreiswerken. Durch verschiedene öffentlichkeitswirksame Aktivitäten und intensives Marketing, wie ein Wettbewerb und eine Aktion „Kunden werben Kunden“, solle die Strommarke nun im Landkreis etabliert werden. (bs) 

www.cochem-zell.de 

www.energieagentur.rlp.de