31.07.2026 – Beim Technologieanbieter Swistec ist alles für die Umsetzung der Steuerprozesse über das CLS vorbereitet. Der Markt jedoch reagiert langsam.

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Der Steuer-Rollout kommt in Gang, erste Systeme befinden sich im operativen Einsatz – mehrheitlich bei wettbewerblichen, aber auch bei grundzuständigen Messstellenbetreibern. Diese Entwicklung schlägt bei der Swistec GmbH positiv zu Buche, wie Jochen Grebing, Vertrieb Laststeuergeräte (Steuerbox und Empfänger) berichtet: „Die Nachfrage für Pilotprojekte und Feldtests steigt und die Verkaufszahlen entwickeln sich gut.“
Nach seinen Erfahrungen aus der Rollout- Praxis werden die Steuerboxen zunächst im Labor getestet und in die Backend-Systeme eingebunden. Anschließend integriert der Messstellenbetreiber sie sukzessive in die bereits vorhandene Smart Meter-Infrastruktur, bei Neuinstallationen wird die Steuertechnik gleich mit verbaut. „Für all diese Anforderungen haben wir praxistaugliche, sofort einsatzbereite Lösungen entwickelt“, betont Grebing. Er verweist zum Beispiel auf den SwiSBox Explorer für die einfache manuelle Konfiguration und Verwaltung der Geräte in Labor- und Praxistests oder die 3-polige Klemmenbrücke mit passendem 3-fach Betätigungswerkzeug. Mit Einsatz der Klemmenbrücke profitiert der Monteur bei der Montage von einer Zeitersparnis bei der Verdrahtung. „Die Prozesse zur technischen Bestellung unterstützen wir mit einem eBS Online-Generator. Hierüber lässt sich einfach und schnell ein elektonischer Bestellschein und eine Sollmerkmalsliste erstellen. Sowohl unser Konfigurationstool SwiSBox Explorer und unseren eBS-Generator stellen wir auf unserem Kundenportal zur kostenfreien Nutzung bereit“, führt er aus.
Steuerung für alle Einbaufälle

Über die BSI-zertifizierte SwiSBox EEBUS können Einspeise- und Verbrauchsanlagen über Relais und zusätzlich über eine digitale Schnittstelle gesteuert werden. (Foto: Swistec GmbH)
Swistec entwickelt bereits seit 2017 seine SwiSBox gemäß dem FNN Lastenheft und wirkt in verschiedenen Projektgruppen im FNN mit. Im Jahr 2024 erhielt das Bornheimer Unternehmen als erster von heute fünf Steuerbox-Anbietern die Zertifizierung nach BSI-TR-03109-5.
Kurz darauf wurde die analoge Steuertechnik, mit der über vier bistabile Relaiskontakte bis zu vier Anlagen hinter dem Kundenanschluss angesprochen werden können, erweitert: Bei der Anfang 2026 zertifizierten SwiSBox EEBUS können Einspeiser und Verbraucher zusätzlich über eine digitale Schnittstelle (EEBUS) gesteuert werden. „Die EEBUS Anwendungsfälle LPC, LPP und – mit Firmware 2.1.0 – auch MCP und MGCP werden von der SwiSBox EEBUS umgesetzt. Damit sind die Anforderungen zur Umsetzung von § 14a EnWG und § 9 EEG erfüllt“, ergänzt Grebing. Mit dem IEC 61850 Protokoll und der sicheren TLS 1.2 Verschlüsselung kommuniziert die SwiSBox über den CLS Kanal des SMGW zu den Backendsystem. Alternativ kann die SwiSBox auch direkt mit der Netzleitwarte kommunizieren.
Ob verdrahtet oder digital – die SwisBox ermöglicht eine netzorientierte und marktdienliche Steuerung von Verbrauchs- und Erzeugungsanlagen. Nach den aktuellen regulatorischen und fachlichen Vorgaben. „Wir halten die hybride Variante für sehr zukunftsfest, denn es wird noch für lange Zeit Anlagen geben, die aus unterschiedlichen Gründen nicht über die digitale Schnittstelle erreicht werden können“, so Jochen Grebing. Vor diesem Hintergrund sei auch das viel beschworene SMGW+ mit integrierter Steuerung eine schöne Vision, die den Steuer-Rollout jedoch kurzfristig keinen Schritt voranbringe.
Die SwiSBox / SwiSBox EEBUS ist kompatibel zu allen BSI-zertifizierten Smart-Meter-Gateways und kann somit auch dann problemlos weiter verwendet werden, wenn ein Gateway getauscht werden muss. Die Zertifikatsverwaltung ist ohne Betreiberzertifikat möglich.
Übergreifend gedacht
Als CLS Device ist die Steuerbox am Ende der Prozesskette des MSB ein Bestandteil zur Umsetzung des Einspeise- und Engpassmanagements in der Niederspannung. Mit SwiSMind hat Swistec eine übergreifende modulare Lösung zum Messen und Steuern in der Niederspannung entwickelt. Mit Gridhound, Swistecs Technologiepartner und Spezialisten für Netzzustandsermittlung und digitalen Zwilling, wird die komplette Prozesskette abgedeckt:
Die Lösung nimmt notwendige und definierte Messdaten aus Ortsnetzstationen sowie TAF 10 Netzzustandsdaten aus intelligenten Messsystemen auf. Anhand dieser Echtzeit-Informationen generiert SwisMind einen digitalen Zwilling des jeweiligen Niederspannungsnetzes und bewertet kontinuierlich die aktuellen Netzzustände. Wird ein Engpass erkannt, ermittelt die Lösung den Steuerbedarf und setzt begründete Steuermaßnahmen über BDEW-Web-API und das CLS Management des MSB um. „SwisMind ist so konzipiert, dass der VNB es ganz nach seinen Bedürfnissen modular aufbauen kann – bis hin zu einem kompletten Netzcockpit“, erklärt Jochen Grebing.
SwisMind: Geschlossener Regelkreis im Netzbetrieb

(Grafik: Swistec GmbH)
Erfahrungen sammeln
Aus seiner Sicht ist es extrem wichtig, dass MSB und VNB jetzt beginnen, die Infrastruktur und die Prozesse aufzubauen. Speziell die Abstimmung zwischen den VNB- und MSB-Systemen gelte es, zeitnah anzuschauen – die Anbindung der Schnittstellen erweise sich in der Praxis noch häufig als Flaschenhals.
„Die Hard- und Software für den Rollout ist am Markt vorhanden. Natürlich wird sich die Technologie weiterentwickeln. Wir Hersteller setzen dies um und werden es unseren Kunden einfach verfügbar machen“, betont der Swistec-Experte. Es sei also weder notwendig noch sinnvoll, weiter abzuwarten. „Wer jetzt nicht startet, verliert wichtige Zeit um die Rollout-Quoten seiner Pflichteinbaufälle umzusetzen.“ (pq)


