HINTERGRUND

Das Ziel im Blick

Die Branche hat sich auf Kurs für die Digitalisierung gebracht – viele Unternehmen sind  bereits gestartet. Das Bekenntnis zur BSI-konformen Infrastruktur steht.

Mit den ZVEI metering days steht am 9. und 10. Oktober wieder eines der wichtigsten Events der Smart Metering-Branche an: Über 600 Besucher werden 2019 in Fulda die Gelegenheit nutzen, sich in Fachvorträgen, Diskussionsrunden und Kurzpräsentationen über aktuelle Marktentwicklungen zu infor- mieren. Im ausgebuchten metering solutions Forum erwarten 57 Anbieter aus allen Sparten des intelligenten Messwesens das Fachpublikum – Zähler- und Gatewayhersteller, Softwarehäuser, IT- und Prozessdienstleister sind ebenso vor Ort wie Kommunikations- und IoT-Lösungsanbieter. Die folgenden Seiten geben einen Ausblick auf die Aussteller und Angebote.

Hochkarätig besetzte Diskussionsrunden beleuchten aktuelle Entwicklungen und Perspektiven. Foto: ZVEI-Services GmbH/Mark Bollhorst

Natürlich brodelt es auch in der Gerüchteküche – weitere Gateway-Zertifizierungen werden im Herbst erwartet und schließlich hat das BSI Anfang 2019 schon einmal eine große Branchenveranstaltung genutzt, um den ersten Meilenstein auf dem Weg zum Rollout zu setzen. Dennis Laupichler, Referatsleiter Cyber-Sicherheit für die Digitalisierung der Energiewende im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nimmt an der Podiumsdiskussion am ersten Veranstaltungstag teil. Allerdings ist zu beobachten, dass die Branche dem offiziellen Start des Rollouts inzwischen deutlich gelassener entgegensieht als noch vor einem Jahr.

Die Umsetzung im Fokus

Ohne Frage wird die Markterklärung nach wie vor dringend erwartet. Das gilt für die Versorgungswirtschaft, die inzwischen in weiten Teilen sehr klare Vorstellungen davon hat, wie sie die Digitalisie- rung des Messwesens umsetzen und weitere Mehrwerte erschließen will. Auch die Anbieter hoffen natürlich auf den offiziellen Startschuss, sind sie doch in den vergangenen Jahren nachhaltig in Vorleistung getreten und wünschen sich, die vielfach bereits geschriebenen Aufträge ihrer Kunden endlich realisieren zu können. Gleichzeitig ist seit der ersten Gateway-Zertifizierung nun definitiv klar, dass der Startschuss für den Rollout wirklich nur noch eine Frage der Zeit ist – vielleicht noch in diesem Jahr wird das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende in die Umsetzung gehen. Mit dieser Planungssicherheit können Anbieter und Anwender ihren Blick auf die operativen Themen richten, die in diesem Jahr auch eine besonders wichtige Rolle auf den ZVEI metering days spielen.

Breiter Konsens über die Infrastruktur

Viele Konferenzbeiträge sowie ungezählte Stimmen aus dem Markt zeigen auch, dass sich die Branche inzwischen klar zur BSI-konformen Infrastruktur bekennt – wohl wissend, dass der sichere Datenaustausch zwischen Verbrauchern, Marktteilnehmern und kritischer Infrastruktur den zentralen Wettbewerbsvorteil der Stadtwerke und Versorger definiert. Dieses Bekenntnis ist wertvoll und hat mittlerweile wohl auch viele Akteure für die Komplexität der Umsetzung und damit den notwendigen Zeitvorlauf sensibilisiert. Auch das mag erklären, warum die Unternehmen inzwischen geduldiger geworden sind.

Die Digitalisierung hat begonnen

An zwei Konferenztagen bieten die ZVEI metering days viel Raum für den fachlichen Austausch.Foto: ZVEI-Services GmbH

Gleichzeitig hat die deutsche Versorgungswirtschaft schon längst den Weg in die Digitalisierung eingeschlagen. Die Notwendigkeit und der Nutzen datengestützter Geschäfts- und Betriebsmodelle auf der Grundlage digitaler Mess- und Steuertechnik sind inzwischen unumstritten – überall wird an den nächsten Kapiteln des intelligenten Stromnetzes geschrieben. Praktisch alle Aussteller auf den metering days unterstützen mit ihren Lösungen Digitalisierungsstrategien, die weit über das intelligente Messwesen hinausgehen. Die Kommunen und die Wohnungswirtschaft, ja sogar neue Player wie die Mobiltätsbranche, sind in die Diskussion eingestiegen und geben wertvolle Impulse. Das zeigen die zahlreichen Zukunftsthemen, die 2019 auf der Veranstaltung adressiert werden: Energie-Communities, Smart City Solutions, Home Energy Management oder Elektromobilität sind hier nur Beispiele.

Diese Entwicklung wird sich nicht aufhalten lassen und es gilt zu vermer- ken, dass viele der auf den metering days vorgestellten Konzepte und Lösungen auch ohne Markterklärung funktionieren. Stadtwerke und Netzbetreiber finden am Markt heute zahlreiche Technologien und Prozessansätze, mit denen digitaler Messstellenbetrieb, Submetering und Mieterstrommodelle schon jetzt umsetzbar sind. Gleiches gilt für die Steuerung von Verbrauchsanlagen, das Elektroflottenmanagement oder viele andere „smarte“ Awendungen. Das ist erfreulich, denn so bleibt die Versorgungsbranche im Geschäft und kann konkrete Projekte angehen. Die entsprechenden Anwendungen später in die BSI-konforme Infrastruktur einzubinden, ist technisch in aller Regel problemlos möglich und natürlich auch geplant – vorausgesetzt, diese Infrastruktur ist verfügbar. Anderenfalls wird die Digitalisierung der Versorgungswirtschaft auf anderen Wegen umgesetzt. Ob das allerdings wünschenswert wäre, ist mehr als fraglich. (pq)

 

8.10.2019: Vorab-Intensivworkshop zum Messstellenbetriebsgesetz: Aktuelle Rechts- und Praxisfragen

Das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) ist die zentrale Rechtsgrundlage für das gesamte Energiemesswesen. Es ist zu erwarten, dass in diesem Jahr auch der Rollout intelligenter Messsysteme starten wird. Damit stellen sich zahlreiche neue Auslegungsfragen und auch die Umsetzung des wMSB steht stärker als bisher im Fokus: Rechte des MSB und VNB beim Rollout? Welche ist die richtige Preisobergrenze? Welche Anbindungspflichten bestehen und wie geht es bei § 14a EnWG und Schaltbox weiter? Mehrwertdienste, Vertragsgestaltung und Datenschutz werden thematisiert. Auch die MaKo 2020 steht kurz vor dem Start und es stellen sich Umsetzungsfragen, die ebenfalls betrachtet werden. (pq)