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50Hertz sagt Netzanschlüsse für knapp 30 GW Leistung zu 

11.11.2025 – Wind- und PV-Parks, Großbatterien, Rechenzentren und Elektrolyseure: Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz will in den kommenden Jahren so viele Netzanschlussprojekte starten wie nie zuvor in seiner bisherigen Unternehmensgeschichte.

Bis Ende 2029 sollen rund 75 Netzanschlüsse auf den Weg gebracht werden. Dabei geht es um eine Anschlussleistung für die Ein- und Ausspeisung von Strom in einer Höhe von knapp 30 Gigawatt (GW).   

Bild: 50 Hertz Transmission GmbH

Bisher sind direkt am Höchstspannungsnetz von 50Hertz 26 Kohle- und Gaskraftwerke, Pumpspeicherwerke, Windparks an Land und auf See sowie ein Solarkraftwerk als Erzeugungsanlagen angeschlossen. Außerdem drei Stahlwerke als Großverbraucher. Im gesamten Netzgebiet von 50Hertz sind (Stand Ende 2024) Stromerzeugungsanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 75 GW angeschlossen, darunter über 23 GW konventionelle Kraftwerke und Pumpspeicher und über 51 GW Erneuerbare Energien Anlagen. Der Großteil der Anlagen ist auf der Ebene der Verteilnetzbetreiber in der Hoch- und Mittelspannung angeschlossen. Die minimale und maximale Last (Verbrauch in einer spezifischen Viertelstunde) bewegt sich im Netzgebiet zwischen 7 GW und 16,7 GW.  

Nun sollen weitere 32 PV-Freiflächenanlagen (13 GW Anschlussleistung), 25 Großbatteriespeicher (11,3 GW), zehn Windparks an Land (2,2 GW), sieben Elektrolyseure (1,3 GW) und fünf Rechenzentren (2 GW) hinzukommen 

Vorlaufzeiten von bis zu drei Jahren 

Bis zur Inbetriebnahme müssen jedoch zusammen mit den Projektierern, kommunalen Gebietskörperschaften und den Genehmigungsbehörden zahlreiche planerische, rechtliche, technische und wirtschaftliche Hürden überwunden werden. Je nach Situation in den einzelnen Umspannwerken und den Fortschritten im Planungs-, Genehmigungs- und Finanzierungsprozess wird es nach Angaben des ÜNB voraussichtlich drei bis sechs Jahre nach Projektstart dauern, ehe der Strom in die eine oder andere Richtung fließen kann.  

Einige Projekte sind bereits gestartet. Für den Bau eines Rechenzentrums am Umspannwerk Wustermark bei Berlin (300 MW) hat 50Hertz kürzlich mit dem britischen Datacenter-Betreiber Virtus einen Netzanschlussvertrag abgeschlossen. Und in der vergangenen Woche hat ECO STOR in Förderstedt in Sachsen-Anhalt den Spatenstich für das erste Großbatterieprojekt (300 MW; 714 MWh Speicherkapazität) im Netzgebiet von 50Hertz gefeiert. 

150 Speicherprojekte auf der Warteliste 

Über diese Projekte hinaus befinden sich derzeit (Ende 3. Quartal 2025) rund 150 Anträge auf Anschluss von Großbatterien (63 GW) sowie weitere Projekte auf einer Warteliste. Für diese Anträge gibt es nach derzeitigem Stand keine Perspektive für einen Projektstart vor Ende 2029. Die Nachrücker sollen gemäß ihrer Position auf der Warteliste dann zum Zuge kommen, wenn einzelne jetzt gestartete Projekte aus unterschiedlichen Gründen nicht fortgesetzt werden.  Bundesweit liegen allein den vier Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) Anträge auf Netzanschluss für Großbatteriespeicher mit einer beantragten Gesamtleistung in Höhe von über 200 GW vor. Rund 50 GW haben von den ÜNB bisher eine Anschlusszusage beziehungsweise 
-perspektive erhalten (Ende 3. Quartal 2025). 

Stefan Kapferer, Vorsitzender der Geschäftsführung von 50Hertz ordnet ein: „Insgesamt spiegelt die Zahl der von 50Hertz ausgesprochenen Netzanschlusszusagen sowohl die Transformation der Energie- als auch der Industrielandschaft wider. Wind- und Solarkraftwerke sind schon heute das Rückgrat der Stromerzeugung, Batteriespeicher als weiterer Baustein sind unverzichtbar für die weitere Erneuerbaren-Integration und die Flexibilisierung des Stromsystems. Wasserstoff-Elektrolyseure werden gebraucht für die Dekarbonisierung der Industrie und mit den Rechenzentren entsteht eine neue digitale Industrie. Um Versorgungssicherheit und Systemstabilität zu gewährleisten, gehören aber auch neue Gaskraftwerke in dieses Tableau.“ Sobald das Ausschreibungsdesign für neue Gaskraftwerke mit den notwendigen Standorten feststehe, müssten für diese Erzeugungsanlagen Netzanschlüsse bevorzugt bereitgestellt werden können. “Sie dürfen nicht am Ende der Warteschlange stehen, dafür sind sie für Versorgungssicherheit und Systemstabilität und damit das Gelingen der Energiewende zu wichtig”, so Kapferer. Genau das könnte jedoch geschehen. 

Netzanschlussverfahren dringend reformbedürftig  

Bild: Nordreisender/stock.adobe.com

50Hertz muss je nach Anlagentyp unterschiedliche gesetzlich vorgeschriebene Netzanschlussregeln beachten, um Diskriminierungsfreiheit und Rechtssicherheit zu gewährleisten. Grundsätzlich besteht laut Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) das Recht auf einen Netzanschluss. Für große Kraftwerke gilt die Kraftwerksnetzanschlussverordnung (KraftNAV). Die Anwendbarkeit auf große Batteriespeicher ist rechtlich nicht geklärt. Erneuerbare Energien wiederum genießen laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) grundsätzlich einen Anschlussvorrang und sind bevorzugt zu behandeln – das gilt wiederum nicht gegenüber Energiespeichern. Um eine diskriminierungsfreie und rechtssichere Vergabe der Netzanschlussleistung zu gewährleisten, wendet 50Hertz derzeit das Windhundverfahren an.  

Aus Sicht von 50Hertz sowie der anderen drei deutschen Übertragungsnetzbetreiber sind die unterschiedlichen Netzanschlussregeln und das Windhundprinzip „First come, first served“ nicht mehr sachgerecht, um mit einer massiv überzeichneten Antragslage umzugehen. Wenn Reservierungen bzw. Netzanschlusszusagen allein nach diesem Prinzip vergeben werden, droht eine Blockade der Anschlusspunkte auf viele Jahre für andere Projekte, die für das elektrische Gesamtsystem oder die Volkswirtschaft wichtig sind. 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW weisen in einem gemeinsamen Positionspapier auf diese drohende Situation hin. Darin heißt es: „Ohne ein politisches Gegensteuern sorgt der aktuelle Regulierungsrahmen für Anschlüsse an das deutsche Übertragungsnetz dafür, dass in den nächsten zehn Jahren vielerorts weder neue Industriegebiete noch Rechenzentren oder Gaskraftwerke angeschlossen werden können.“  

Daher plädieren die ÜNB für ein Reifegrad-basiertes Verfahren für Lastkunden und Stromspeicher, bei dem an festgelegten Stichtagen eine Analyse aller Netzanschlussanträge vor dem Hintergrund der netztechnischen Situation erfolgt und eine Priorisierung auf Basis nachgewiesener Projektreifegrade bzw. Netzverträglichkeit vorgenommen wird. So könnten Anträge für verschiedene Nutzungen ganzheitlich betrachtet und Zusagen gesamtsystemisch optimiert werden. Entscheidendes Kriterium für einen Netzanschluss ist dann nicht mehr der Posteingangsstempel, sondern der nachgewiesene Projektreifegrad. (pq)  

www.50hertz.com