08.04.2026 – Damit der Strom zuverlässig fließen kann, setzt die Bayernwerk Netz GmbH auf Prävention. Dazu gehört auch die Überprüfung von Erdkabeln mit modernster Technologie.

Seit 2019 ist Stefan Weigert Spezialist für Kabeldiagnostik und mit dem Kabelmesswagen im ostbayerischen Stromnetz im Einsatz. (Bild: Petula Hermansky/Bayernwerk Netz GmbH)
Er fühlt den Puls des Stromnetzes: Stefan Weigert gehört zu den wenigen Spezialisten in Bayern, die mit Hilfe sensibler Technik selbst kleinste Schwachstellen in Stromkabeln erkennen können. Der Messtechniker sorgt bei der Bayernwerk Netz GmbH dafür, dass Fehler im Netz so frühzeitig identifiziert werden, dass es erst gar nicht zu Störungen bei der Stromversorgung kommen kann. Gerade in der Mittelspannungsebene, die immer mehr Energie aus erneuerbaren Quellen aufnehmen muss, ist das ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit.
35.000 Kilometer Kabel
unter der Erde
Die Bayernwerk Netz betreibt unterirdisch etwa 35.000 Kilometer Mittelspannungskabel – und infolge der Energiewende soll das Netz in den nächsten Jahren erheblich ausgebaut werden. Allein in Ostbayern haben die sieben Bayernwerk-Kundencenter im Jahr 2025 mehr als 667 Kilometer Mittelspannungskabel verlegt. Das diesjährige Bauprogramm ist mindestens genauso ambitioniert.
Die Verlegung der Kabel ist das eine, die Wartung und Instandhaltung der Stromstraßen das andere. Um die Detektierung potenzieller Schwachstellen kümmert sich ein Team aus Diagnosemesstechniker:innen. Sie führen stichprobenartig diagnostische Prüfungen an den Kabeln durch, um aus den gewonnenen Messdaten mögliche Trends abzuleiten. So können eventuelle Schwachstellen frühzeitig erkannt werden.
Eine Aufgabe für Spezialisten
Einer der Kollegen ist Stefan Weigert. 2012 hat der damals 16-Jährige bei der Bayernwerk Netz seine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik gestartet. Nach erfolgreich absolvierter Gesellenprüfung arbeitete er als Servicetechniker beim Bayernwerk-Kundencenter in Parsberg, parallel absolvierte er seine Meisterprüfung. Ende 2018 wechselte Stefan Weigert hausintern zur Kabelmesstechnik, einem Nischenberuf in der Elektrotechnik. Es folgte ein Jahr Einarbeitung. Seither ist der Spezialist für Kabeldiagnostik selbstständig im ostbayerischen Stromnetz im Einsatz und studiert seit zwei Jahren berufsbegleitend Wirtschaftsingenieurswesen an der Bayernwerk Akademie. „Es ist ein Glücksfall, dass ich beim Bayernwerk gelandet bin“, zieht Stefan Weigert nach beinahe 14 Jahren Betriebszugehörigkeit Bilanz.
Hightech auf Rädern
Seine Einsätze mit schwerem Gerät – ein Diagnosemesswagen wiegt etwa 5 Tonnen – starten überwiegend von seinem Zuhause oder von seiner beruflichen Anlaufstelle in Ponholz. Neben dem Zentrallager der Bayernwerk Netz sind hier verschiedene Spezialteams beheimatet, unter anderem das oberpfälzer Messtechnikerteam. Von hier aus geht es zu Einsätzen in ganz Ostbayern, hie und da auch in angrenzende oberbayerische und fränkische Landkreise. Heute lotst das Navi Stefan Weigert nach Altmannstein, einem Markt im oberbayerischen Landkreis Eichstätt. Sein Arbeitsort: das Schalthaus Altmannstein, konkret die 20-kV-Zelle J03.
Servicetechniker Michael Baierl ist bereits vor Ort. Auch er hat bei der Bayernwerk Netz seine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik absolviert. Seither arbeitet er als Servicetechniker im Rufbereitschaftsgebiet Bad Abbach, eines von drei Rufbereitschaftsgebieten des Bayernwerk-Kundencenters Parsberg. Damit fällt Altmannstein in seinen Verantwortungsbereich. Seine Aufgabe bei diesem Einsatz: Nach Rücksprache und Freigabe durch die Netzleitstelle nimmt er im Betriebsgebäude entsprechende Schaltmaßnahmen vor und gibt schließlich grünes Licht für die Messung.
Prävention statt Nachsorge
Dank der Arbeitsteilung kann sich Stefan Weigert ausschließlich der Messung an dem 3.550 Meter langen Kabel mit einem Leiterquerschnitt von 400 mm2 widmen. Um diese durchführen zu können, braucht es eine Verbindung zwischen Kabel und Messwagen via Messadapter im Schalthaus. In vielen aufeinanderfolgenden und ineinandergreifenden Schritten bereitet Stefan Weigert den Vorgang vor. Bis er auf den Startknopf im Diagnosemesswagen drücken kann und das Kabelradar bis zum Kabelende in Leistmühle in nahezu Lichtgeschwindigkeit ausgesandt werden kann, vergeht etwa eine halbe Stunde. Stefan Weigert erklärt: „Seit 2018 setzt die Bayernwerk Netz GmbH auf moderne Kabeldiagnose. Mithilfe des Diagnosemesssystems können wir selbst kleinste Schwachstellen in Mittelspannungskabeln frühzeitig erkennen und betroffene Muffen oder Kabelgarnituren austauschen, lange bevor eine Störung entsteht.“
„Badewannenprinzip“
Im Fall Altmannstein geht es um die Messung einer Kabelstrecke, die in der Endausbaustufe bis nach Riedenburg führen und erst noch in Betrieb genommen wird. „Besonders am Anfang und am Ende der Lebensdauer eines Kabels sind Messungen am sinnvollsten“, erklärt Stefan Weigert. Am Anfang geht es primär um die Sicherstellung der Qualität eines Kabels. Die Anforderungen an Kabel sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Grund sind die volatilen und steigenden Stromflüsse und Strommengen, die auf die Erdkabel wirken. „Deshalb ziehen wir im gesamten Netzgebiet Stichproben, um mögliche Trends ableiten zu können“, fährt der Messtechniker fort. Das Gleiche gilt für das Lebensende eines Kabels. Man kann sich das Prinzip vorstellen wie eine Badewanne. Hohe Anforderung am Anfang, hohe Anforderung am Ende.
Diagnose: „Keine Auffälligkeit“
Nach der etwa einstündigen Messung steht die Diagnose von Stefan Weigert fest: „Keine Auffälligkeit.“ Ob die Leitung von Altmannstein Richtung Leistmühle den künftigen Anforderungen gewachsen ist, überprüft er ein weiteres Mal, dann im Tiefgang an seinem Arbeitsplatz in Ponholz. Die erhobenen Daten wertet Stefan Weigert aus, überführt sie in eine Statistik und teilt sie mit den Kollegen der Bayernwerk Netz. (pq)



