19.01.2026 – Bei enercity Netz ist die Pilotphase für den digitalen Zwillings des Niederspannungsnetzes erfolgreich gestartet – ein wichtiger Meilenstein in der digitalen Transformation.
Mit dem neuen System erhalte das Unternehmen erstmals ein umfassendes, aktuelles und detailliertes Abbild des Niederspannungsnetzes in Echtzeit, vermeldet enercity Netz. Der digitale Zwilling eröffne so neue Anwendungsmöglichkeiten, die von der automatisierten Netzsteuerung über intelligente Lastverteilung bis hin zu schnelleren Störungsbehebungen reichen. „Mit dem digitalen Zwilling sorgen wir für datengestützte Transparenz – das ist der Schlüssel für ein modernes, flexibles und zukunftsfähiges Stromnetz“, sagt Christiane Fraiss, Geschäftsführerin der enercity Netz.
“Game Changer” in der Niederspannung
Netzbetreiber sind auch in den unteren Spannungsebenen inzwischen mit einer grundlegend veränderten Situation konfrontiert: Endverbraucher werden mit Photovoltaikanlagen und Elektrofahrzeugen zu sogenannten Prosumern und speisen Energie ins Netz zurück. Gleichzeitig steigt der Strombedarf aufgrund der Zunahme an elektrifizierten Anwendungen im Gebäude- und Mobilitätssektor. Lastflüsse werden somit dynamischer und komplexer, sodass eine klassische Netzsteuerung den modernen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. „Der digitale Zwilling wird hier zum Game Changer. Während wir das Mittelspannungsnetz bereits heute über unsere Leitwarte überwachen, haben wir mit dem digitalen Zwilling die Struktur aufgebaut, um auch unser Niederspannungsnetz digital abzubilden. Künftig werden wir Vorgänge im Netz bis zum Hausanschluss verfolgen können – das ist eine echte Errungenschaft auf dem Weg zur effizienten und zeitgemäßen Netzführung“, erklärt Fraiss.
Netzüberwachung in Echtzeit aus einer Datenquelle
Im enercity-Netz werden alle relevanten Netz-Daten wie beispielsweise Leitungsstrukturen, Lastabgänge und Messwerte intelligenter Zähler ab sofort an einem Ort gebündelt. Anhand dieser und weiterer Daten lassen sich unterschiedliche Szenarien simulieren, um beispielsweise Lastprognosen möglichst präzise zu errechnen. Es wird sofort sichtbar, wo Strom zur Verfügung gestellt wird, wo hohe Lasten auftreten, Engpässe drohen und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden müssen. Das erhöht die Planungssicherheit und trägt zur Netzstabilität und somit zur sicheren Energieversorgung bei. Ein weiterer Mehrwert entsteht durch den hohen Automatisierungsgrad von Prozessen und der entsprechenden Datenverarbeitung. So sollen künftig auch Netzanschlussgesuche und Netzanschlussanfragen von Privat- und Geschäftskunden über den digitalen Zwilling abgebildet werden, wodurch die Netzausbauplanung effizienter und bedarfsgerecht in den Netzbereichen umgesetzt werden kann, wo zusätzliche Netzkapazität erforderlich werden.
Grundlage für effizientere Wartung
„In späteren Ausbaustufen des Systems wird Predictive Maintenance eine zentrale Rolle einnehmen. Zyklusbasierte Wartungsansätze werden dabei durch datenbasierte, zustands- und bedarfsgerechte Maßnahmen ersetzt. Dies vereinfacht die Zusammenarbeit mit Lieferanten, verkürzt Durchlaufzeiten und reduziert den Ressourceneinsatz“, erklärt David Gehrke, der das Projekt bei enercity Netz verantwortet.
Schritt für Schritte zum Produktivsystem
Mit dem Go-Live des digitalen Zwillings hat der produktive Pilotbetrieb begonnen. Die kommenden Monate stehen im Zeichen der Weiterentwicklung und Optimierung. Die Erweiterung des rechenfähigen Modells auf weitere Netzgebiete zur automatisierten Engpasserkennung ist für die erste Jahreshälfte geplant. (pq)



