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In einem Rutsch

23.07.2026 – Die Allunderground GmbH hat ein einstufiges, grabenloses Bohrverfahren für unterirdische HGÜ-Trassen entwickelt, bei dem das finale Kabelschutzrohr während der Bohrphase zugleich als Vortriebsrohr dient. Dies vereinfacht die Baustellenlogistik, minimiert den Flächenverbrauch und ermöglicht kürzere Bauzeiten bei der Querung von Hindernissen.  

Mit dem verstärkten Ausbau von Erdkabel-HGÜ-Trassen wächst auch die Nachfrage nach leistungsfähigeren Verfahren zur Verlegung der hierfür benötigten Kabelschutzrohre. Angesichts des immensen Ausbaubedarfs stoßen hierbei die etablierten grabenlosen Bauverfahren jedoch zunehmend an ihre Grenzen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Umweltverträglichkeit, Flächenschonung und Akzeptanz. In der Praxis folgt daraus, dass bei bestimmten Projektkonstellationen vor Ort – etwa bei Querungen, die eigentlich einen eigenen Mikrotunnelbau erfordern – klassische Rohrbauverfahren nur unter Kompromissen und auf Kosten von Effizienz oder Umweltschutz lösbar sind.  

Der Rohrstrang wird direkt in den Baugrund eingebracht. (Bild: Allunderground GmbH)

Der Rohrstrang wird direkt in den Baugrund eingebracht. (Bild: Allunderground GmbH)

Ein Lösungsansatz, um das grabenlose Bauverfahren besser an die Dimension und Bedingungen anstehender HGÜ-Projekte anzupassen, präsentiert der Bohrdienstleistungsanbieter Allunderground GmbH Ende Juli 2026 an seinem Standort im thüringischen Suhl. Das Besondere an der neuen Methodik: Das eigentliche Kabelschutzrohr übernimmt während des Bohrvorgangs die Funktion des klassischen Vortriebsrohrs und wird dabei mit einem steuerbaren Bohrkopf kombiniert. So wird der Rohrstrang ohne Spülung, Aufweitung und Einzug direkt in den Baugrund eingebracht – und temporäre Vortriebsrohre und Bohrgestänge werden überflüssig. Die Technologie soll nach Unternehmensangaben zudem eine präzise Steuerung des Bohrverlaufs in alle Richtungen ermöglichen – sowohl horizontal als auch vertikal. Damit lassen sich kompaktere Start- und Zielgruben realisieren, die die Bauzeit verkürzen und im Idealfall Umweltbelastungen reduzieren. Durch die kombinierte Tiefen- und Richtungslenkung sollen Querungen verkürzt und der Flächenbedarf sinken. 

Das einstufige Verfahren 

Der gesteuerte Rohrvortrieb mit Kabelschutzrohr ist eine Weiterentwicklung des Pilotrohrvortriebs und ein geschlossenes, grabenloses Bauverfahren, das speziell für den Einsatz bei HGÜ-Trassen entwickelt wurde. Für die Durchführung werden vor und nach dem zu querenden Hindernis geböschte Start- und Zielgruben mit geringer Tiefe angelegt. Als Vorschubsystem dient eine hydraulische Pressbohranlage, die gegen eingebrachte Spundwände abgestützt wird. 

Dieses Verfahren erfordert keine separaten Vortriebsbohrungen, da der standardmäßig eingesetzte PE-RT-Rohrstrang direkt in den Baugrund eingebracht wird. An der Stirnseite des Vortriebsrohrs ist ein Bohrkopf montiert, der das Erdreich mithilfe eines rotierenden Schneidrads löst. Richtungsänderungen werden dabei durch eine mechanische Verstellung des Bohrkopfs realisiert. Die Vortriebsgeschwindigkeit soll in der Regel bei 5 bis 10 mm pro Sekunde liegen.  

Das gelöste Erdmaterial wird über eine innenliegende Förderschnecke und ein Saugschlauchsystem mittels Saugbagger zur Startgrube transportiert und dort trocken gesammelt. Nach Erreichen der Zielgrube wird der Bohrkopf geborgen und das Vortriebsrohr verbleibt nach Abschluss der Bohrung im Boden und wird somit zum Kabelschutzrohr (Produktrohr) für den HGÜ-Kabeldurchzug. 

Baustellenlogistik und Ressourceneffizienz 

Das Verfahren soll zudem ein schlankeres Baustellenkonzept ermöglichen, indem es auf kompakten Baugruben, weniger Maschinentechnik und dem einstufigen Verlegeprozess basiert. Außerdem entfällt durch die Doppelfunktion des PE-RT-Rohrs als Produkt- und Vortriebsrohr nicht nur der Einsatz zusätzlicher Stahlrohre, sondern auch deren Transport und Montage.  

Insgesamt führt die kompakte Baustelleneinrichtung zu kürzeren Rüst- und Abbauzeiten, geringerem Materialeinsatz und damit zu einer spürbaren Verkürzung der Bauzeit – so soll beispielsweise die eigentliche Querung einer Straße mit dem fertig verlegten Kabelschutzrohr in wenigen Stunden durchführbar sein.  

Nach Angaben des Bohrdienstleisters liegt der technische Anwendungsschwerpunkt der Lösung auf kurzen bis mittleren Rohrvortriebslängen – das Verfahren ist für Haltungslängen von 100 bis 200 Metern ausgelegt. Zur Markteinführung stehen jedoch eher klassische Straßen- und Bahnquerungen mit typischen Längen von ca. 50 Metern im Vordergrund. (cp) 

www.allunderground.de