06.01.2026 – Die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg forscht daran, wie sich Stromnetze besser auslasten lassen, ohne diese direkt ausbauen zu müssen. Ihr Ansatz: Dynamische Netzentgelte für ein flexibleres Stromnetz nutzen.
Das Forschungsvorhaben „Erschließung von Flexibilität unter Anwendung dynamischer Netzentgelte am Beispiel des Stadtwerk Haßfurt“ (FlexNet Haßfurt) hat sich zum Ziel gesetzt, mithilfe dynamischer Netzentgelte eine flexiblere Stromnutzung bei Haushalten und Unternehmen zu fördern – und somit einen Beitrag zur kosteneffizienten Energiewende zu leisten. Hierfür entwickeln die Forscher:innen der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH) sowie ihre Projektpartner neue Konzepte, wie Stromkund:innen durch gezielte Preissignale zu einem netzdienlichen Verhalten motiviert werden können.
„Unser Ansatz setzt nicht auf Eingriffe oder Abschaltungen, sondern auf Transparenz und Anreize“, erklärt Prof. Dr. Oliver Brückl, Projektleiter und Co-Leiter der Forschungsstelle für Energienetze und Energiespeicher (FENES) an der OTH Regensburg. „Dynamische Netzentgelte können Verbraucherinnen und Verbraucher dabei unterstützen, ihren Stromverbrauch zeitlich zu verschieben – und damit aktiv zur Entlastung der Netze beizutragen.“
Netzzustandsabhängige Netzentgelte
Im Zentrum des Vorhabens FlexNet Haßfurt steht die Entwicklung netzzustandsabhängiger Netzentgelte, die je nach Auslastung des Netzes variieren können. So sollen niedrige Entgelte Zeiten signalisieren, in denen Strom besonders netzfreundlich genutzt werden kann, höhere Entgelte indes vor drohenden Engpässen warnen. Auf diese Weise sollen Kund:innen – unterstützt durch intelligente Steuerungssysteme – ihren Verbrauch bei Wärmepumpen, Batteriespeichern oder industriellen Anlagen anpassen. Im Idealfall könnten auf diese Weise kurzfristige Maßnahmen wie das Abregeln von Anlagen durch den Netzbetreiber oder der Einsatz konventioneller Kraftwerke vermindert werden.
Flexibilitäten aktivieren
Die OTH Regensburg entwickelt in diesem Projekt eine Methodik zur Gestaltung und Bewertung dynamischer Netzentgelte im Mittel- und Niederspannungsnetz des Stadtwerks Haßfurt. Dabei legen die Forscher:innen einen Fokus darauf, Flexibilität sowohl bei Haushalten als auch bei Industriebetrieben zu aktivieren und systematisch in die Netzplanung zu integrieren.
Ein zentraler Punkt der Forschung geht der Frage nach, wie verlässlich flexible Stromnutzung tatsächlich ist. Nicht jede Reaktion auf ein Preissignal lässt sich gleich gut einplanen: Während einige Unternehmen verbindlich zusagen können, ihren Stromverbrauch bei Bedarf zu senken oder zu verschieben, reagieren Haushalte meist freiwillig, etwa indem sie Geräte dann nutzen, wenn das Netz weniger belastet ist. Die OTH Regensburg untersucht, welcher Teil dieser Flexibilität zuverlässig planbar ist und welcher eher unterstützend wirkt, wie Prof. Dr. Oliver Brückl erläutert: „Nicht jede flexible Reaktion im Stromnetz ist garantiert abrufbar. Unsere Aufgabe ist es herauszufinden, worauf sich Netzbetreiber wirklich verlassen können und wo Flexibilität eher eine zusätzliche Entlastung bringt. Nur so lässt sich entscheiden, ob flexible Lösungen Netzausbau ersetzen oder zumindest deutlich reduzieren können.“
Praktische Erprobung
Die entwickelten theoretischen Konzepte werden von den Projektbeteiligten direkt praktisch erprobt. Hierzu wurde eine durchgängige Signalkette im Netzgebiet des Stadtwerks Haßfurt aufgesetzt, die von der Bildung der Preissignale beim Netzbetreiber über die Kommunikation bis hin zur automatisierten Umsetzung bei Haushalts- und Industriekunden läuft. Dabei sollen intelligente Algorithmen die angeschlossenen Endgeräte eigenständig so steuern, dass sie Kosten sparen und gleichzeitig das Netz entlasten. Das Projekt läuft noch bis September 2028. (cp)
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