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Mut zur Erneuerung

03.02.2026 – Veraltete Leistungsschalter in Mittelspannungsschaltanlagen bergen hohe Risiken, sind aber in der Praxis immer noch weit verbreitet. Schneider Electric hat Lösungen für eine effiziente Modernisierung entwickelt.

Foto: Schneider Electric GmbH

Ein dumpfes Knallen, ein gleißender Blitz, dann Rauch. In Sekundenbruchteilen hat ein Störlichtbogen die Stille im Schaltraum zerrissen. Solche unkontrollierten elektrischen Entladungen entstehen, wenn in einer Mittelspannungsschaltanlage beim Schalten ein Fehler auftritt und der Leistungsschalter versagt. Die Folge: enorme Kurzschlussströme, die Komponenten zerstören, Druck aufbauen und Brände verursachen können. Genauso kritisch ist das Gegenteil – wenn der Schalter ohne Anlass abschaltet.

Schaltanlagen, in denen die Leistungsschalter ihre technische Lebensdauer überschritten haben, sind naturgemäß besonders anfällig – und leider keine Seltenheit, wie Matthias Reiser, Service Sales Director bei Schneider Electric und Experte für Mittelspannungsanlagen, berichtet: „Wir bekommen durchaus Anfragen für die Wartung von Schaltgeräten, die ihren Lebenszyklus schon weit überschritten haben.“

Risikofaktor Öl-Leistungsschalter

In vielen Altanlagen finde man typischerweise sogenannte Öl-Leistungsschalter. Bei diesen wird der Lichtbogen, der beim Trennen von hohen Spannungen entsteht, in einer mit Öl gefüllten Kammer gelöscht. Diese Art von Schaltern wurde bereits in den 1990ern durch moderne Vakuumleistungsschalter abgelöst, bei denen die Löschung des Lichtbogens in einer Vakuumkammer erfolgt. „Gerade bei den älteren Bauarten können sich Probleme lange unbemerkt entwickeln – bis sie sich in Form eines Störlichtbogens oder einer Fehlabschaltung bemerkbar machen“, warnt Matthias Reiser. Doch auch, wenn es nicht zu solch spektakulären Vorfällen kommt, können Materialverschleiß oder Schwierigkeiten mit der Verfügbarkeit der veralteten Komponenten erhebliche Probleme verursachen – etwa, wenn im Zuge einer Wartung ein Kunststoffteil abbricht. „Wenn der defekte Schalter nicht mehr produziert wird, muss entweder eine komplett neue Schaltanlage oder ein neuer, ähnlicher Schalter eingebaut werden. Beides ist nicht kurzfristig umsetzbar“, erläutert der Experte. Aus Sicht von Matthias Reiser führt somit eigentlich kein Weg mehr an der Modernisierung von Leistungsschaltern vorbei.

Mehrwerte durch moderne Komponenten

Mittelspannungsanlage

Jahrzehntealte Mittelspannungsanlagen sind auch in Deutschland keine Seltenheit. Die dort verbauten Leistungsschalter sind störanfällig und oft nicht mehr lieferbar. (Foto: mg85 / stock. adobe.com, Symbolbild)

Das lohnt sich übrigens nicht nur mit Blick auf die potenziellen Risikofaktoren von Leistungsschaltern, die nicht mehr auf dem aktuellen Stand sind. Denn, wie Matthias Reiser berichtet, hat sich auch in diesem Bereich technologisch einiges getan: „Moderne Leistungsschalter bringen nicht nur die Vorteile mit sich, dass die Funktionsweise überarbeitet wurde und Ersatzteile verfügbar sind. Auch im Hinblick auf den Betrieb und die Instandhaltung hat sich aufgrund der Digitalisierung viel getan.“ So sind Leistungsschalter heutzutage mit moderner Sensorik ausgestattet, die es ermöglicht, die Bauteile zu überwachen und zustandsorientiert zu warten (Predictive Maintenance).

Modernisierung im laufenden Betrieb

Doch die Modernisierung von Leistungsschaltern– ob sie nun geplant erfolgt oder aufgrund einer Fehlfunktion notwendig wird – werden in der Praxis häufig dadurch erschwert, dass die laufenden Prozesse eigentlich nicht gestoppt werden können. „Da zeigt sich, wie schnell aus einem unscheinbaren Bauteil eine kritische Schwachstelle werden kann“, bemerkt Matthias Reiser und verweist auf ein Beispiel: „Bei einem Kraftwerksbetreiber sorgte ein Störlichtbogen in einem Schaltfeld für einen Fehler und wir standen vor der Herausforderung, den Leistungsschalter auszutauschen, ohne das Kraftwerk stillzulegen.“ In solchen Fällen verwendet Schneider Electric Retrofit-Lösungen, die es ermöglichen, nur den Leistungsschalter durch ein angepasstes, modernes Modell zu ersetzen. „Da wir viele Schaltanlagen gebaut und entwickelt haben, können wir oft mit kleinen Adaptionen nur den Leistungsschalter ersetzen“, sagt Matthias Reiser und erklärt, wie das konkret funktioniert: „Die Leistungsschalter mit ihren Kontaktarmen sitzen im Regelfall auf sogenannten Fahrwagen. Sobald der Fahrwagen ausgefahren ist, haben wir die Möglichkeit, den veralteten Schalter gegen einen neuen auszutauschen und die Kontakte anzupassen, damit er wieder in die ursprüngliche Zelle passt. Dann muss der neue Leistungsschalter nur noch in die Zelle eingefahren werden. So können wir Zelle für Zelle modernisieren, ohne die Gesamtanlage zu beeinflussen.“

Moderne Leistungsschalter

Moderne Leistungsschalter können oft im laufenden Betrieb nachgerüstet werden. Die Ergänzung smarter Sensorik ermöglicht permanentes Monitoring und zustandsbasierte Wartung. (Foto: Schneider Electric GmbH)

Vom Anlagenaudit zur Umsetzung

Patentrezepte gibt es nicht. Das im Einzelfall technisch und wirtschaftlich optimale Vorgehen muss immer individuell ermittelt werden, führt der Fachmann von Schneider Electric aus: „In den meisten Fällen machen wir eine Art Anlagenaudit – wir nennen es EcoConsult – und überprüfen, was überhaupt machbar und sinnvoll ist.“ Dabei werden Zustand, Wartungsintervalle und Status der Bauteile im Lebenszyklus sowie die Ersatzteilverfügbarkeit ermittelt. Auf dieser Grundlage wird die Kritikalität bewertet und Handlungsempfehlungen erstellt. „Wenn das Anlagenaudit abgeschlossen ist und die Handlungsfelder klar sind, folgt im zweiten Schritt die Umsetzung – häufig in Form einer Retrofit-Lösung“, so Reiser weiter. Das Ziel sei immer, Leistungsschalter gezielt auszutauschen oder zu modernisieren, ohne die gesamte Schaltanlage außer Betrieb zu nehmen.

Sein Fazit: „Wer rechtzeitig prüft und modernisiert, verhindert Ausfälle – und sorgt dafür, dass die Schaltanlage zuverlässig im Hintergrund bleibt.“ Mit Blick in die Zukunft lohnt es sich nicht, erst zu handeln, wenn es schon zu spät ist, sondern vielmehr zeitnah auf neuere Leistungsschalter umzustellen. Sie liefern zusätzliche Daten, die Anlagenbetreiber langfristig vor Risiken schützen und frühzeitig eingreifen lassen können. Die kritischen Vorgänge in einem Leistungsschalter sind unsichtbar – wer sie rechtzeitig erkennt und modernisiert, verhindert Ausfälle und Gefahren. (pq)

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