08.08.2025 – Ein Hubschrauber mit LiDAR-Technologie hat für die Netze BW knapp 3600 Kilometer zurückgelegt, um Hochspannungstrassen des Verteilnetzbetreibers zu inspizieren.
Der mit speziellen Sensoren ausgestattete Hubschrauber untersuchte für die Netze BW Hochspannungstrassen sowie die 266 angrenzenden Umspannwerke in Baden-Württemberg. Dabei kam die LiDAR (Light Detection And Ranging) -Technologie zum Einsatz, die Entfernungen und Abstände mit Laserstrahlen misst, um präzise 3D-Modelle von Objekten und deren Umgebungen zu erstellen. Der Spezialhubschrauber erfasste aus ungefähr 110 Metern Höhe die Leitungen sowie die umgebende Vegetation zentimetergenau.
LiDAR erhöht die Versorgungssicherheit
Das übergeordnete Ziel der Maßnahme war nach Angaben der Netze BW, die Trassenpflege zu digitalisieren und effizienter zu gestalten. Die zentimetergenaue Erfassung biete gerade in schwer einsehbaren und bergigen Gebieten deutliche Vorteile – neben erhöhter Versorgungs- und Arbeitssicherheit verringere sich das Risiko für Baumschäden.
Die gewonnenen Daten zeigen beispielsweise, wo Bäume in die Leitungen hineinwachsen oder einfallen könnten: „Bisher mussten wir immer schätzen – mit LiDAR haben wir Gewissheit, an welchen Stellen Vegetation zum Risiko werden kann. Ein einziger Baumschaden kann bis zu einer halben Million Euro kosten. Die Einschätzung darüber, wann Bäume zur Gefahr vor Stromleitungen werden, ist daher essenziell“, betont Fabian Grabowski, Monteur bei Netze BW.
Schnelle Maßnahmen bei Bedarf

(v.l.) Benjamin Hocanin (Werkstudent NETZinspect), Dr. Sophie Crommelinck (Product Owner bei Netze BW) und Andreas Kummelt (Monteur Netze BW) bei der Analyse von LiDAR-Daten. (Bild: Netze BW)
Nach Angaben Dr. Sophie Crommelinck identifiziere die LiDAR-Methode etwa ein Drittel mehr Vegetationsrisiken als in der bisherigen Schätzung. „In der Vergangenheit haben Monteur*innen darüber hinaus Leitungsabschnitte per Fahrzeug oder zu Fuß ins Visier genommen, was deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen hat. Bedarfsgerechte Rückschneide-Maßnahmen werden jetzt schneller eingeleitet“, ergänzt die Product Ownerin der Netze BW. Das LiDAR-System liefere zudem eine Wachstumsprognose für die Bäume in Trassennähe für die nächsten zwei Jahre und berücksichtigt dabei auch, dass die Leitungen bei Volllast und Hitze durchhängen oder sich bei Wind bewegen.
Drohnenaufnahmen und KI als Unterstützung
Alle identifizierten Einwuchs-Risiken stehen zudem ab jetzt dem Betriebspersonal gebündelt in der von Netze BW entwickelten TIP-App (Trassenmanagement & Innovationsplattform) bereit. Auf die Anwendung können auch Behörden und Partnerfirmen zugreifen. Der Kommunikationsaufwand reduziere sich somit deutlich. Behörden erhalten u.a. Zugriff auf Maßnahmen in Schutzgebieten, wodurch die Abstimmung erleichtert wird. „TIP stellt einen Teilbereich des Projektes dar. Auch Drohnenaufnahmen gehören dazu, die die visuelle Inspektionsarbeit ersetzen sollen“, ergänzt Katharina Gill, Leiterin des Projektes NETZinspect 2.0. „Durch Künstliche Intelligenz können zudem Fremdkörper in den Freileitungen erkannt oder die Funktionstätigkeit von Isolatoren geprüft werden. (cst)
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