Neue Roadmap für den Systemumbau

08.01.2026 – Alle vier Jahre veröffentlicht der VDE FNN eine Roadmap, die den Fortschritt beim Stromnetz- und Systemumbau aus technischer Sicht einordnet und geplante Schritte benennt. Im aktuellen Strategieplan 2025 stehen nun die Weiterentwicklung von Ordnungsrahmen, Markt und Technik im Fokus. 

Mit seiner neuen Roadmap 2025 „Vom Netz zum System“ knüpft das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) an seine bisherigen Leitfäden an und zeigt anhand dreier Aktionsschwerpunkte auf, wie aus technischer Sicht der Status quo des Netzumbaus aussieht und an welchen Stellen konkret gearbeitet wird. Dabei legt der VDE ein besonderes Augenmerk auf die Versorgungssicherheit, damit der Systemumbau im laufenden Betrieb gelingen kann.    

Nach Ansicht des VDE FNN sollte die Gesamtheit der Speicher und EE-Erzeugungsanlagen die bisherigen Großkraftwerke in ihrer Funktion sukzessive ersetzen, um die Systemstabilität sicherzustellen. Diese Substitution beinhaltet nicht nur die Leistung, sondern auch die technischen Fähigkeiten und Dienstleistungen für das System. Der VDE FNN entwickelt hierfür die Anforderungen an systemstützende und netzbildende Eigenschaften von Kundenanlagen und bringt diese in die Roadmap Systemstabilität des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) ein. 

Das VDE FNN Zielbild „Energiesystem 2030“ soll Orientierung geben, wie im künftigen Stromnetz die Koordinierung der vielen neuen Akteure möglich wird. (Bild: VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.)

Das VDE FNN Zielbild „Energiesystem 2030“ soll Orientierung geben, wie im künftigen Stromnetz die Koordinierung der vielen neuen Akteure möglich wird. (Bild: VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.)

Netzanschlussregeln 

Ein weiterer Aspekt für die Systemstabilität soll die Weiterentwicklung der Netzanschlussregeln (TAR) bilden, die definieren, welche Anforderungen für Netzbetreiber und Netzkunden am Netzanschlusspunkt gelten. Dabei geht es um neue Anforderungen an Erzeugungsanlagen, den Anschluss von Speichern und Wärmepumpen, die Definition von systemstützendem Verhalten oder die Voraussetzungen für eine Steuerung am Netzanschlusspunkt. „Ein Element aus dem Ordnungsrahmen, das wir dringend brauchen, sind die überarbeiteten europäischen Connection Network Codes (CNC 2.0). Aktuell hat die EU-Kommission diese depriorisiert, ohne einen neuen Termin zu nennen. Damit fehlt ein wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung einer stabilen, harmonisierten Stromversorgung auf Grundlage der Erneuerbaren in Europa“, mahnt Heike Kerber, Geschäftsführerin der VDE FNN. Um die Regulierungslücke zu überbrücken, prüft der VDE FNN nach eigenen Angaben derzeit, wie sich die Anforderungen aus dem geplanten CNC 2.0 an nationale Gegebenheiten anpassen lassen. 

Digitalisierung als Treiber

Für den VDE FNN dient das intelligente Messsystem (iMSys) als zentrales Element zur Digitalisierung der Verteilnetze, um auf diese Weise die Nutzung von Flexibilität und die Möglichkeit zum Eingriff bei Engpässen im Netz- und Systembetrieb zu gewährleisten. Dabei betrachtet der VDE FNN den Einsatz intelligenter Messsysteme als Ende-zu-Ende-Prozess, wie Heike Kerber ausführt: „Wir beschreiben nicht nur technische Komponenten, sondern geben auch Umsetzungshilfen für alle Beteiligten vom elektronischen Lieferschein bis zur Durchführung eines Steuerbefehls.“

Um bei der Steuerung Fahrt aufzunehmen, sei es erforderlich, dass die vielfältigen Regelungen im Ordnungsrahmen stärker auf den Netzanschluss fokussiert werden, anstelle – wie bisher – auf einzelne Anlagentypen und getrennt nach Erzeugung und Verbrauch. Steuerung nach § 14a EnWG und § 9 EEG sollten nach Dafürhalten des VDE FNN technisch und prozessual integriert gedacht werden. Auch die Cybersicherheit stellt hierbei eine unabdingbare Anforderung dar, die vom Backend bis zum intelligenten Messsystem konzipiert sein müsse.

Sicher und effizient

Der dritte Schwerpunkt der VDE FNN Roadmap 2025 will die Grundlagen für einen sicheren und effizienten Netzbetrieb schaffen. Da die Transformation des Energiesystems vor allem in den Verteilnetzen zu einem volatileren Verhalten der Marktteilnehmer führt, sollten Netzleitstellen in der Lage sein, die aktuelle Netzsituation zu überwachen, um bei Gefährdungen oder Störungen gemäß § 13 und § 14 EnWG angemessen agieren zu können.

Hierbei soll ein gemeinsames Verständnis von Resilienz und den zu treffenden Maßnahmen die Basis für ein robusteres und sicheres Energiesystem bilden. Dabei sind auch die gesetzlichen Grundlagen wie das KRITIS-Dachgesetz zu berücksichtigen. Zudem fördere eine kontinuierliche Überprüfung und Weiterentwicklung von Primär- und Sekundärtechnik sowie Krisen- und Risikomanagementsystemen die Resilienz des gesamten Elektrizitätsversorgungssystems. (cp)

www.vde.com/fnn  

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