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Passgenaue Digitalisierung für Rosenheim

04.09.2026 – Die Stadtwerke Rosenheim rüsten ihre Ortsnetzstationenen erfolgreich mit Messtechnik von Janitza um. Langfristig sollen rund 400 Stationen digitalisiert werden.

Andreas Plankl (links) und Stephan Thusbaß arbeiten bei den Stadtwerken an der Digitalisierung des Ortsverteilnetzes. (Bild: Janitza electronics GmbH)

Die Stadtwerke Rosenheim (SWRO) sind ein typisches regionales Versorgungsunternehmen für Strom, Fernwärme, Gas und Wasser mit rund 600 Mitarbeitern. Als Tochterunternehmen der Stadt Rosenheim betreiben die Stadtwerke auch zwei öffentliche Bäder, die Abfallentsorgung und die Straßenbeleuchtung – und fühlen sich den Bürger:innen in besonderem Maße verpflichtet. Mit dem erklärten Ziel einer dezentralen und klimaschonenden Energieversorgung setzen die Stadtwerke Rosenheim auf technologische Innovation – so etwa im Bereich Smart Grid: „Seit 2012 beschäftigen wir uns mit digitalen Ortsnetzstationen“, sagt Andreas Plankl, Abteilungsleiter Netzführung bei den SWRO. „Damit waren wir einer der Vorreiter in diesem Bereich.“  

Herausforderung Energiewirtschaftsgesetz 

Mit der Digitalisierung der Ortsnetzstationen schaffen die Stadtwerke Rosenheim Transparenz in den Niederspannungsnetzen – und erfüllen damit eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung von §14a EnWG. Er definiert die regulatorischen Erfordernisse für ein netzdienliches Lastmanagement, also die Einzelsteuerung von Verbrauchseinrichtungen im Fall drohender Engpässe. Eine ständige Überwachung der wesentlichen Netzparameter gibt dabei dem Netzbetreiber nicht nur einen Überblick über potenziell kritische Situation, sondern wird auch vom Gesetzgeber gefordert, um den Leistungsbezug angeschlossener Verbraucher nötigenfalls zu reduzieren.

Messtechnik von Janitza erfasst wichtige Parameter in den Ortsnetzstationen in Rosenheim. (Bild: Janitza electronics GmbH)

  

Messtechnik effizient nachrüsten 

Seit 2024 überarbeitet die Abteilung Netzführung der SWRO die Messtechnik grundlegend. Hintergrund dafür war die Umstellung auf neue vereinheitlichte Netzleitsysteme für die Mittelspannung (HighLeit) und für die Niederspannung (SGOP) in der Leitstelle. Dort sind nun die Medien Strom, Gas und Wasser in einem einheitlichen SCADA-System zusammengefasst. Die Netzvisualisierungssoftware GridVis von Janitza dient vor allem der Überwachung der Spannungsqualität. Auch die eingesetzte Messtechnik für die Digitalisierung der Ortsnetzstationen kommt von Janitza. „Wir werden in den kommenden Jahren alle rund 400 Ortsnetzstationen komplett digitalisieren“, nennt Andreas Plankl das ehrgeizige Ziel. Auf Ebene der Mittelspannung ist eine Erd- und Kurzschlussüberwachung installiert. Hinzu kommen eine Zutrittsüberwachung und eine Temperaturmessung. Und schließlich sollen Ströme und Spannungen an allen Niederspannungsabgängen erfasst werden. 

Für die Messung der relevanten Werte kommen die modularen Netzanalysatoren UMG 800 und UMG 801 zum Einsatz. Die Geräte bieten viele Messkanäle bei geringem Platzbedarf im Schaltschrank. Die Gesamtzahl der Strommesskanäle lässt sich über zusätzliche Erweiterungsmodule sogar um bis zu 92 ausbauen. „Vor allem die Low-Power-Technologie der Janitza Wandler ist eine besonders wichtige Innovation“, erklärt Stephan Thusbaß, Gruppenleiter für Anlagen- und Messtechnik bei den SWRO. Er ist als Projektleiter für die Digitalisierung der Ortsnetzstationen verantwortlich. „Die Kombination aus Low-Power-Wandlern, die ohne zusätzliche Wandler-Klemmen auskommen, und den kompakten Messgeräten führt zu einer sehr platzsparenden Lösung.“ Gerade in Ortsnetzstationen, die im Kompaktformat errichtet sind, macht sich ein solcher Platzvorteil bemerkbar. Die Netzanalysatoren verfügen auch über entsprechende Eingänge für die Temperaturmessung oder für einen Türkontakt. 

Kommunikation mit allen übergeordneten Systemen 

Die Messdaten aus den Ortsnetzstationen werden an das Mittelspannungs-Scada-Leitsystem und an das neue Niederspannungsleitsystem übertragen. Hier bieten die Netzanalysatoren einen weiteren Vorteil: Mit den beiden simultan nutzbaren Ethernet-Schnittstellen, die zahlreiche verschiedene Protokolle unterstützen, vereinfacht janitza die Integration in die übergeordneten Systeme deutlich. Die Kommunikation geschieht über IEC-104, Modbus-TCP oder MQTT. Damit können die Geräte Daten simultan an die Netzleitsysteme und an die GridVis senden. Bei den SWRO sind etwa die Hälfte der 400 Ortsnetzstationen an das firmeneigene Kommunikationsnetz angeschlossen. „Bei den übrigen Stationen, verwenden wir eine Mobilfunkübertragung“, sagt Stephan Thusbaß. 

Maßgeschneiderte Komponenten 

Bei der Errichtung neuer Ortsnetzstationen plant das Team von Stephan Thusbaß die Messtechnik gleich mit ein: „Wir stehen vor der Herausforderung, dass wir die bestehenden Stationen nachrüsten müssen. Deswegen haben die SWRO gemeinsam mit Janitza ein standardisiertes Messgehäuse entwickelt, das alle Komponenten beinhaltet. Neben den Janitza Messgeräten sind dies ein Netzteil, ein Fernwirkgerät, ein Modem und verschiedene andere elektrotechnische Komponenten. Auch eine USV ist im Gehäuse integriert. „Damit kann die Messtechnik noch einige Minuten arbeiten, falls es einmal zu einer Netzstörung kommt“, erläutert Andreas Plankl. „So werden Fehlerursachen schneller sichtbar und Störungen gezielt behoben.“ 

Janitza hat gemeinsam mit SWRO ein einheitliches Messgehäuse für die Nachrüstung in Ortsnetzstationen entwickelt. (Bild: Janitza electronics GmbH)

Der Schaltanlagenbauer Janitza Greiz, der ebenfalls zur Unternehmensgruppe gehört, bestückt die Gehäuse komplett und verdrahtet diese auch, die sonstigen Komponenten stellen die SWRO bereit. Nach der Lieferung können die Mitarbeiter die Messtechnik sehr schnell installieren, anschließen und in Betrieb nehmen. „Nur so schaffen wir es, den Rollout der neuen Messtechnik im geplanten Zeitraum innerhalb von drei Jahren zu realisieren“, fasst Stephan Thusbaß zusammen. „Die Zusammenarbeit zwischen den SWRO, Janitza und dem Schaltanlagenbauer hat in allen Phasen des Projekts von der Projektierung über die Planung und die Fertigung bis hin zur Installation der Gehäuse sehr gut funktioniert“, freut sich Alexander Wagenhuber, Vertriebsmanager bei Janitza. 

Umbau zum smarten Netz als Generationenprojekt 

Die Idee hinter der Digitalisierung der Ortsnetzstationen geht aber über die reine Messung hinaus. Die Digitalisierung und dynamische Niederspannungsnetzsteuerungen sollen sich auch auf die Ebene der Verbraucher und Erzeuger erstrecken.  Droht beispielsweise eine Überlastung des Ortsnetztrafos, können steuerbare Verbrauchseinrichtungen gezielt geregelt werden. Auch die Abschaltung oder Leistungsbegrenzung bei dezentralen Energieerzeugern wie PV-Anlagen soll einfach und digital möglich werden. Viele Funktionalitäten sind aber abhängig vom Smart-Meter-Rollout und der Installation von Systemen zum CLS-Management. Diese Technologien werden in den kommenden Jahren nach und nach installiert.  Für die geplanten Funktionen braucht es einen digitalen Zwilling des Netzes, der Erzeuger und Verbraucher gleichermaßen umfasst. Die SWRO sind bei der Umsetzung eines solchen digitalen Zwillings bereits sehr weit fortgeschritten. Aber die Digitalisierung und der Aufbau eines smarten Verteilnetzes ist noch lange nicht abgeschlossen, ist sich Andreas Plankl sicher: „Das ist ein Generationenprojekt und wird uns noch viele Jahre beschäftigen.“ (pq)

www.janitza.com