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Stromnetz: Leistungsplus für die Ortenau

30.09.2026 – Hochtemperaturseile sollen im Raum Offenburg zusätzlichen Spielraum für neue Netzanschlüsse schaffen. Netze BW plant die Inbetriebnahme für 2030.

Das Hochspannungsnetz zwischen Offenburg und Weier erhält ein deutliches Leistungsplus: Untersuchungen im Auftrag der Netze BW zeigen, dass auf mehreren Leitungsabschnitten moderne Hochtemperaturseile künftig wesentlich mehr Strom über die bereits vorhandene Infrastruktur transportieren können.  

Mehr Kapazitäten  

Die Übertragungskapazität kann so auf rund 840 Ampere ansteigen – auf anderen Leitungsabschnitten sogar auf mehr als 1.000 Ampere. Eine normale Haushaltssteckdose ist im Vergleich für einen Strom von 16 Ampere ausgelegt.  Eine derartige Leitung kann Zehntausende Haushalte mit Energie versorgen. Grund dafür ist, dass der Strom im Hochspannungsnetz mit einer deutlich höheren Spannung übertragen wird. Für Unternehmen kann diese Übertragungskapazität ebenfalls von Vorteil sein. Anstatt nur einen einzelnen Anschluss zu versorgen, ermöglicht die leistungsstarke Hauptverbindung die Anbindung großer Anlagen oder ganzer Standorte an das Stromnetz.  

Jörg Reichert, Vorsitzender der Netze BW-Geschäftsführung sagt dazu: „In der Ortenau ist richtig Bewegung: Neue Unternehmen, Ladepunkte, Wärmepumpen, Photovoltaik-Anlagen treiben den Strombedarf nach oben. Mit den Hochtemperaturseilen bringen wir schneller mehr Leistung ins bestehende Netz und schaffen neuen Spielraum für Anschlüsse. Das gibt der Region Rückenwind – für eine sichere Versorgung und weiteres wirtschaftliches Wachstum, noch bevor der langjährige Netzausbau abgeschlossen ist.“  

Inbetriebnahme 2030 

Dr. Fred Oechsle, Leiter Netzmanagement Strom bei Netze BW, ergänzt: „Wir nutzen die vorhandene Infrastruktur so effizient wie möglich. Die neuen Hochtemperaturseile werden auf den bestehenden Leitungsstraßen verlegt; an den Masten sind dafür nur teilweise kleinere Anpassungen nötig. Nach aktuellem Stand sollen die neuen Seile im vierten Quartal 2030 in Betrieb gehen. Sie ersetzen den langfristigen Netzausbau nicht, schaffen aber eine wichtige und wirkungsvolle Zwischenlösung.“ 

Bevor die Hochtemperaturseile in Betrieb genommen werden können, sind noch einige Schritte erforderlich: Dazu gehören technische Prüfungen, eine sorgfältige Detailplanung und die Einleitung entsprechender Genehmigungsverfahren. Einige benötigte Bauteile sind speziell und haben eine längere Lieferzeit. Zudem müssen die erforderlichen Arbeiten im laufenden Netzbetrieb genau koordiniert werden. Während des Seiltauschs muss die Stromversorgung in der Region gewährleistet sein.  

Bild: peterschreiber.media / stock.adobe.com (Symboldbild) 

Zusätzliche Reserven prüfen 

Außerdem sollen die vorhandenen Kabelstrecken auf ungenutzte Reserven überprüft werden, die sich vorübergehend nutzen lassen. Dabei wird geprüft, inwiefern die Kabelstrecken für kurze Zeit mehr Strom transportieren können, ohne ihre eigenen technischen Grenzen zu überschreiten. Auch die dafür notwendigen Anpassungen in den Umspannwerken werden untersucht. So möchte der Netzbetreiber zusätzliche Kapazitäten möglichst früh bereitstellen und neue Netzanschlüsse besser planbar machen.  

Investitionen und mögliche Verzögerungen 

Die Netze BW werden bis zum Jahr 2030 jedes Jahr einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in den Ausbau und die Modernisierung des Stromnetzes investieren, wovon auch der Ortenaukreis mit dem Raum Offenburg profitieren wird. Allerdings können begrenzte Kapazitäten bei Fachfirmen, steigende Materialkosten, fehlende Flächen für Umspannwerke und aufwendige Genehmigungsverfahren für Verzögerungen sorgen.  

Taskforce Mittelbaden 

Für diesen Fall hat Netze BW die Taskforce Mittelbaden gegründet. Regionale Partner setzen sich zusammen und stimmen sich seit April 2026 zu Strombedarf, Anschlussfragen und Ausbaumaßnahmen miteinander ab. Eine dieser Maßnahmen ist der Einsatz der Hochtemperaturseile. Die Taskforce soll Planungen und Genehmigungen optimieren und gezielte Investitionen ermöglichen. (rp)  

https://www.netze-bw.de/