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„Rollout in Deutschland liefert Smart Grid Blaupause für Europa“

09.01.2023 –Am 11. Januar 2023 soll das „Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende“ (GNDEW) im Kabinett vorgestellt und voraussichtlich zeitnah im Bundestag beschlossen werden. Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender des Smart Meter Gateway-Herstellers PPC, ordnet den Gesetzentwurf und den deutschen Weg im europäischen Kontext ein.

Mit dem „Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende“ soll der Rollout der Smart Meter Gateways (SMGW) als zentraler Digitalisierungs-Baustein der Energiewende und der cybersicheren Energieversorgung in Deutschland beschleunigt werden. Der vorgelegte Entwurf fand in vielen Punkten die Zustimmung der Branche und auch PPC halte den Entwurf für gelungen. Die von Minister Robert Habeck angekündigten wichtigen Maßnahmen zur Beschleunigung würden sich im Gesetzesentwurf wiederfinden, wie z.B. die Abschaffung der Markterklärung, ein verbindlicher Rolloutplan bis 2030, mehr Daten für den Netzbetrieb, Agilität als Basisstrategie oder die Reduktion der Entgelte für Endkund:innen (Preisobergrenze, POG) durch Verrechnung von Kosten an die Netzbetreiber.

Mehr Vertrauen durch koordiniertes Vorgehen

Porträtfoto PPC Ingo Schoenberg

Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender (CEO) von PPC. Foto: Power Plus Communications AG

Allerdings wäre es noch vertrauensbildender gewesen, wenn alle Behörden im Schulterschluss agiert hätten. Optimierungsbedarf bestehe laut Schönberg insbesondere bei Zielvorgaben, Preiskomponenten oder der Koordination der Messstellenbetreiber in Steuerungsprozessen. Diese wurden von den Verbänden Ende 2022 auch entsprechend kommentiert und dürften teilweise in die aktuelle Gesetzesvorlage einfließen.
Insgesamt liefert das BMWK allerdings mit dem GNDEW nicht nur das erhoffte Signal zur Beschleunigung in Deutschland, sondern auch ein klares Statement zum EU-Aktionsplan „Digitalisierung des Energiesystems“.
Bereits 2016 wurde im „Clean Energy for All Europeans Package“ die Digitalisierung als wichtiges Instrument zur Förderung des Einsatzes von sauberer Energie und der Sektorenkopplung in der EU angeführt. Im Oktober 2022 hatte die Europäische Kommission im EU-Aktionsplan Digitalisierung des Energiesystems nochmals sehr deutlich gemacht, dass hier drigender Handlungsbedarf bestehe.
Die Kommission schätzt, dass bis 2030 mehr als 170 Milliarden Euro in die Digitalisierung der Energiesysteme investiert werden müssen, um Daten bereitzustellen sowie Systembausteine der Energiewende und Energienetze aktiv steuern zu können. Aufgrund der gestiegenen Risiken in den Bereichen Cybersecurity und Datenschutz dürften diese Summen weiter ansteigen, um die Sicherheit der digitalen Infrastruktur in Energiesystemen zu gewährleisten.

Zielsystem für Smart Grid beschrieben

Im EU-Aktionsplan wird ein Zielsystem für ein Smart Grid beschrieben, das bisher in den meisten Ländern Europas noch nicht vorhanden ist. Der immer wieder kolportierte Vorsprung anderer Länder vor Deutschland beim Rollout liefert laut Ingo Schönberg keine Smart Grid Plattform, da in Europa bisher vor allem einfache Smart Meter zum Einsatz kommen. Diese können zwar den Verbrauch der Kund:innen zu Abrechnungszwecken auslesen und übertragen, werden dem PPC-Chef zufolge aber keinesfalls dem von der EU geforderten Plattformansatz mit Echtzeitsteuerung über cybersichere Systeme gerecht.

Weichenstellungen für das Smart Grid

Im Gegensatz zu bisherigen europäischen Smart Meter-Ansätzen wurden nach Ansicht von Schönberg in Deutschland frühzeitig die Weichen hin zu einer energiewendetauglichen und cybersicheren Smart Grid-Lösung gestellt. Der hiesige Ansatz eines „digitalen Netzanschlusses“ mit dem Smart Meter Gateway als Sicherheitsanker und Möglichmacher für Steuerungsvorgänge, Tarifierung und Netzüberwachung sei bisher einmalig. Dieser vorausschauende Ansatz zur systemischen Integration der Erneuerbaren und zur Flexibilisierung bei der Sektorenkopplung mit Wärme und Mobilität suche seinesgleichen in Europa.

Insbesondere das Partizipationsmodell des Digitalen Netzanschlusses, bei dem der Endkunden SMGW-gestützt Sollwerte für den Netzanschluss erhält und diesen eigenverantwortlich über Energiemanagementsysteme einhält, ist in den Worten des PPC-Chefs „eine Blaupause für Europa“. Dies gilt insbesondere für den Vorsprung bei der Cybersicherheit der SMGW-basierten Plattformlösung, die bereits im Sinne des „EU Cyber Resilience Act“ Produkt- und Systemsicherheit berücksichtigt. Hier habe das BSI frühzeitig die richtigen Weichen gestellt und Hersteller bei notwendigen Sicherheits-Zertifizierungen erfolgreich begleitet.

Smart Meter Rollout: Mehr Agilität in den Rollout- und Entwicklungsprozessen

In den letzten Jahren liefe auf vielen Ebenen im Rollout und im Aufbau der Systemlandschaften nicht alles perfekt und vieles musste erst erlernt werden. Allerdings seien zertifizierte SMGW längst nicht mehr der Flaschenhals im Rollout. Und auch das GNDEW allein kann nicht alle Hemmnisse beseitigen. Ingo Schönberg ist jedoch überzeugt, dass es deutlich mehr Agilität in die Rollout- und Entwicklungsprozesse bringt, zum Beispiel beim Aufbau der Backend-Systeme für eine massenmarkttaugliche Steuerung und Netzüberwachung oder bei der Umsetzung des digitalen Netzanschlusses (SMGW und Energiemanagement-System am Netzanschluss). Das Gesetz ermöglicht zudem eine sukzessive Fortentwicklung der SMGW, um über Softwareupdates flexibel auf neue oder sich ändernde Anforderungen in der Energiewende reagieren zu können. Allerdings: Das Eichrecht in der aktuellen Form passe nicht für digitale Systeme und wirke so noch als Agilitätsbremse.

Rückblickend könne man Ende 2022 feststellen, dass der „Proof of Concept“ einer hochsicheren skalierbaren SMGW-Plattform mit mehr als 300.000 installierten SMGWs erbracht, Updates von allen Herstellern zigfach erfolgreich eingespielt und damit die technische Reife für die mit dem GNDEW eingeforderte Beschleunigung und Agilität belegt worden sei.

Die Erfahrungen würden belegen, dass im Dialog der Stakeholder praktikable Lösungen entstehen, wie zuletzt die Branchen-Konsultation für die TR-03109-5 für den Interoperabilitätsnachweis von anbindbaren Einheiten (Steuerbox, Energiemanagementsystem, Submetering) gezeigt hat. Hierbei wurden mit dem BSI auch klare Grenzen für Anforderungen an nachgelagerte Systeme fest vereinbart und so Investitionssicherheit für Entwicklungen und Investitionen gestärkt. Ein ähnlicher Prozess hin zu einfachen Lösungen gebe es bereits jetzt bei der SiLKe.

Eichrecht ist häufig der Bremsklotz beim Smart Meter Rollout

Die Hersteller von Smart Meter Gateways und Gateway-Administrationssystemen sind laut PPC nachweisbar in der Lage, mit dem BSI und der PTB in weniger als einem Jahr eine komplett neue Systemplattform für ein SMGW durch ein Zertifizierungsverfahren zu bringen oder zeitnah etwaige Bugs zu beseitigen und die geprüfte Software zum Update auszuliefern.

Das schnelle Update der Geräte scheiterte Ingo Schönberg zufolge bisher leider (noch) oft am föderal geprägten Eichrecht und entsprechender Hemmnisse für Hersteller und MSB. Aber auch hier wird hat das BMWK bereits den Transfer in die Zeit digitaler Systeme angekündigt.

Vom energiewirtschaftlichen Dreieck zum „Energiewende Viereck“

Cybersicherheit ergänzt laut dem PPC-Chef zukünftig das energiewirtschaftliche Dreieck zum „Energiewende Viereck“, in dem eine Balance aus Cybersicherheit, Preiswürdigkeit, CO2-Reduktion und Versorgungssicherheit im Zielsystem 2030 zu finden ist. Dabei befeuern die stetig wachsende Relevanz von Daten und die technische Möglichkeit über SMGW mit Endkunden zu interagieren viele energienahe Geschäftsmodelle.

Das Orchestrieren aller Beteiligten und der technischen Lösungen werde eine Teamleistung der Behörden, Betreiber, Hersteller und nicht zuletzt partizipationswilliger Endkund:innen sein müssen, bei der gemeinsam nach vorne geschaut und zum Nutzen der Energiewende lösungsorientiert gedacht und gehandelt werden müsse. (ds)

www.ppc-ag.de