Weitere Ergebnisse...

Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Post Type Selectors

Zu neuen Ufern

(Bild: De Visu / stock.adobe.com)

(Bild: De Visu / stock.adobe.com)

17.07.2025 – In Skandinavien gehört AIDON Oy zu den führenden Anbietern von Smart Grid- und Smart Metering-Technologien. Nun bringt das Unternehmen eine Monitoring-Lösung für die Niederspannung an den deutschen Markt – und kooperiert dabei mit IT-Dienstleister GISA. Das Besondere: Beide Partner unterstützen herstellerunabhängige Ansätze.

Die Zunahme fluktuierender Einspeiser und Lasten haben die Situ ation in den Verteilnetzen verändert. Statische Daten und Erfahrung reichen heute als Grundlagen für Netzbewertung und -betrieb in den unteren Spannungs ebenen nicht mehr aus. Benötigt werden aktuelle Netzzustandsdaten. Das gilt umso mehr, da Verteilnetzbetreiber gemäß §14a EnWG und §9 EEG zu aktivem Engpass- und Einspeisemanagement verpflichtet sind – einschließlich umfangreicher Prozessvorgaben, Dokumentationspflichten und Sicherheitsanforderungen.

Vor diesem Hintergrund hat die Digitalisierung in der Niederspannung an Fahrt aufgenommen und Verteilnetzbetreiberbundesweit starten erste Projekte. Gesucht sind bezahlbare, zukunftssichere Lösungen, mit denen sich die gesetzlichen Anforderungen erfüllen lassen und der Netzbetrieb langfristig sicher und effizient aufgestellt werden kann. Dabei liegt der Fokus der Netzbetreiber aktuell auf den Ortnetzstationen. Ein Grund ist, dass Netzzustandsdaten aus intelligenten Messsystemen, die gemäß den Vorgaben der Bundesnetzagentur in die Netzzustandsbewertung einfließen sollen, aktuell noch nicht wie benötigt verfügbar sind. Doch auch andere Notwendigkeiten spielen eine Rolle, wie Christoph Scharfenort, Vertriebsleiter DACH bei AIDON, erläutert: „Die Netzbetreiber stehen derzeit vor der ganz konkreten Herausforderung, potenzielle Schwachstellen im Netz zu identifizieren, wo kurz- oder mittelfristig ein Handlungsbedarf entstehen könnte – und sie müssen entscheiden, wie man diese Schwachstellen möglichst effizient beseitigen kann. Das geht nur, wenn man sieht,
was in den Betriebsmitteln passiert.“

Echtzeitmessung in der Station

Genau zu diesem Zweck wurde die Retrofit-Lösung von AIDON entwickelt, die in Finnland, Norwegen und Schweden in rund 10.000 Trafos im Einsatz ist. Nach erfolgreichen Pilotprojekten bei deutschen Netz betreibern steht die Technologie nun auch dem hiesigen Markt zur Verfügung.

Die Hardware für die Stationen ermöglicht eine phasenscharfe Messung der Kabelabgänge (L1, L2, L3, N) in Echtzeit als 4-Quadranten-Messungen pro Phase für jeden Kabelabgang. Dabei wird nicht nur der Betrag der Leistung gemessen, sondern auch die Art (Wirk- oder Blindleistung) und Richtung der Leistung. Zur Aufnahme und Weitergabe der Messdaten dienen modulare Messeinheiten (FMD), die auf die Abgänge aufgesetzt und mit den Klemmen verbunden werden. „Die Konfiguration erfolgt digital über einen QR-Code auf der Vorderseite“, ergänzt Benjamin Petri, Leiter Business Development bei AIDON Deutschland und verweist auf ein praktisches Detail: „Bei unserer Lösung kann die Beschreibung und Zuordnung der Messeinheit als Text eingegeben werden, was die Prozesse erheblich vereinfacht.“ Zusätzlich überwachen Sensoren, ob die Türen der Trafostation ordnungsgemäß verschlossen sind, die Raumtemperatur in der Station bestimmte Grenzwerte nicht überschreitet oder Feuchtigkeit in die Station eindringt. Auch Kurzschlussanzeiger sind angebunden.

Sämtliche Messpunkte werden mit einem kompakten Gateway verbunden – insgesamt neun digitale Eingänge stehen für unterschiedliche Sensoren zur Verfügung. Das Gateway übernimmt zum einen die minutenscharfe Datenkommunikation ins Backend oder externe Plattformen. Zum anderen enthält es einen 4-Quadranten Lastprofil-Zähler sowie eine Recheneinheit für Power Quality-Analysen, statistische Auswertungen und das Alarm-Management.

Das kompakte AidonFMD ermöglicht die phasenscharfe Messung der Kabel abgänge. (Foto: Aidon Oy)

Das kompakte Aidon
FMD ermöglicht die phasenscharfe Messung der Kabel abgänge. (Foto: Aidon Oy)

„In der Stations-Hardware ist unsere Erfahrung aus rund 20 Jahren Energiemessung und Netzmonitoring in der Niederspannung gebündelt“, erklärt Petri nicht ohne Stolz. „Die Anforderungen im Kontext von §14a EnWG sind damit mehr als erfüllt.“ Auch mit Blick auf eine zügige Montage und Inbetriebnahme seien Geräte und Abläufe in der langjährigen Einsatzpraxis optimiert, berichtet der Leiter Business Development: „Die Hardware ist bei guter Vorbereitung in weniger als einer Stunde verbaut und einsatzbereit.“

Das Technologiekonzept überzeugte auch IT-Dienstleister GISA, der Ende April eine strategische Kooperation mit AIDON bekanntgab. Gemeinsam wollen die Unternehmen eine maßgeschneiderte Lösung zur Niederspannungsnetzüberwachung für den deutschsprachigen Markt entwickeln und implementieren. Das Portfolio von AIDON bilde dabei einen zentralen Baustein, betont Uwe Klemm, Head of Energy Steering bei GISA. Diese umfasst neben den Hardwarekomponenten auch die AIDON One-Cloud,die umfangreiche Funktionen für das Anlagen- und Netzmonitoring sowie eine Geräteverwaltung enthält.

Konsequent offen

Doch genau diese Konstruktion – Messtechnik kombiniert mit einer herstellereigenen Softwarelösung – will man in der Kooperation öffnen. Dieser Ansatz ist ungewöhnlich, dürfte den Netzbetreibern jedoch sehr entgegenkommen. „Viele Netzbetreiber wünschen sich mehr Flexibilität – bei der eingesetzten Hardware, beim Monitoring, aber insbesondere auch für ihre IT-Strategie“, weiß AIDON-Vertriebsleiter Christoph Scharfenort aus der Praxis. „Neben den komplexen regulatorischen Anforderungen in Deutschland gibt es einfach sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen in den Verteilnetzen“, so Scharfenort weiter. Alle Beteiligten könnten nur profitieren, wenn Anbieter die Kräfte bündeln, um so möglichst vielen Netzbetreibern zu ermöglichen, mit vertretbarem Aufwand eine für sie passende Gesamtlösung ins Feld zu bringen. Den Auftakt der Zusammenarbeit bildet ein Pilotprojekt für die Stadtwerke Meerane, einem lokalen Verteilnetzbetreiber, der rund 14.000 Kunden in Sachsen und Thüringen versorgt. Im Februar 2025 wurden fünf örtliche Trafostationen mit AIDON-Geräten ausgestattet, um detaillierte Messdaten über die abgehenden Kabel zu erfassen.

Datenbasiertes Netzmonitoring

Die Verarbeitung, Visualisierung und Speicherung der Stationsdaten erfolgt dabei über die Lösung gisa.NetMo. Diese für das Netzmonitoring entwickelte Ausprägung der GISA Smart Data Plattfom ist speziell für die Nutzung von Daten unterschiedlicher Hardwarehersteller ausgelegt und wird kontinuierlich erweitert. „Wir schaffen hier einen Datenpool für Netz- und Anlagenzustandsdaten. Diese führen wir dann in einer einzigen Monitoringlösung mit den Funktionalitäten eines GIS-Systems zusammen“, erläutert Steffen Grau, Senior Expert Smart Utilities und IoT bei GISA. Dazu werden die Daten aus der Stationshardware zunächst in ein standardisiertes Format übertragen und können mittels entsprechender Berechnungsroutinen ergänzt oder aggregiert werden. Alle Assets werden über eine Kartendarstellung visualisiert, wobei sich ganz unterschiedliche Sensoren oder andere Datenquellen einbinden lassen. „Das werden wir natürlich auch für Netzzustands- oder Einspeisedaten aus den intelligenten Messsystemen – also aus unserem oder externen aEMT Systemen – ermöglichen“, ergänzt Grau.

(Grafik: GISA GmbH)

(Grafik: GISA GmbH)

Die Messwerte einzelner Stationen oder größerer Netzabschnitte lassen sich in übersichtlichen Dashboards anzeigen – auf Wunsch minutenscharf. „Der Netzbetreiber entscheidet, welche Daten er sich in welcher Granularität anzeigen lässt oder speichert“, erklärt Steffen Grau. So können Stationen entsprechend ihrer Auslastung oder anderer kritischer Parameter sehr individuell überwacht werden. Gleiches gilt für die Alarme: Die Schwellenwerte und die Ausgabe der Alarme – über das Dashboard, per Mail oder über das Netzleitsystem – lassen sich frei konfigurieren.

Auch ein Gerätemanagement ist angebunden, über das sich die angebundene Messtechnik überwachen und fernwarten lässt. „Hier richten wir uns nach den Vorgaben der jeweiligen Hersteller“, berichtet Steffen Grau, denn man wolle dem Netzbetreiber ermöglichen, unterschiedliche Hardwarelösungen über eine Benutzer oberfläche zu verwalten. Betrieben wird gisa.netmo als SaaS im mehrfach zertifizierten GISA Rechenzentrums-Verbund.

„Durch die Kombination unserer Kompetenzen in der IT und intelligenten IT-Plattformen mit AIDONs Erfahrung aus dem Einsatz von smarten Geräten können wir ein hochsicheres Produkt anbieten, bei dem sämtliche Daten in Deutschland verbleiben“, fasst Uwe Klemm zusammen.

Langfristige Perspektive

Weitere Pilotprojekte sowie zahlreiche Weiterentwicklungen sind geplant – und AIDON wird dabei eine Rolle spielen: Beide Unternehmen planen, ihre Kooperation weiter auszubauen und neue innovative Ansätze für die Energiebranche zu entwickeln. Das bestätigt auch Tommi Blomberg, CEO von AIDON: „Wir schätzen das Vertrauen von GISA und sehen unsere Kooperation als eine langfristige und starke Partnerschaft für deutsche Netzbetreiber.“ Darüber hinaus will AIDON seine Präsenz am deutschen Markt in eigenen Projekten und Kooperationen ausbauen. (pq)

www.aidon.com
www.gisa.de