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ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG?

Foto: Sri / stock.adobe.com

Vor gut 25 Jahren, am 25. Februar 2000, beschloss der deutsche Bundestag das Erneuerbare Energien-Ge- setz EEG und zu diesem runden Geburtstag gibt es tatsächlich einiges zu feiern: Im ersten Quartal wurden 47 Prozent des Bruttostromverbrauchs klimaneutral erzeugt, der Anteil von Wind, Solar und Co. an der Stromerzeugung lag im Juni bei über 75 Prozent. Wind- und Solaranlagen sind heute trotz sinkender Förderung rentabel, manch ein Projekt kommt ganz ohne Förderung aus.

STARKE GESAMTBILANZ

Im Zuge des EEG ist eine wachsende Technologie- und Dienstleistungsbranche entstanden, die im vergangenen Jahr mindestens 400.000 Menschen beschäftigte. Auch die Stromverbraucher profitieren – und zwar nicht nur die, die den „grünen Strom“ gratis aus eigenen Anlagen beziehen können. Wie die internationale Agentur für Erneuerbare Energien jüngst berechnete, waren weltweit 91 Prozent der im vergangenen Jahr in Betrieb genommenen Projekte kostengünstiger als die Alternativen auf Basis fossiler Brennstoffe. Auch unter diesem Aspekt können Erneuerbare Energien und Speicher zum starken Wirtschaftsmotor werden.

Quelle: IRENA-Bericht 2024

Zusätzlich spart der klimaneutrale Umbau der Energieversorgung auf lange Sicht unvorstellbar viel Geld. Weil er uns geopolitisch unabhängiger von Energielieferan- ten macht, deren Ziele wir nicht kennen, und – das Wichtigste: weil er unsere einzige Chance ist, die Folgen des Klimawandels zu begrenzen. Der eingeschlagene Weg muss also fortgesetzt werden.

Hier gibt es noch zahlreiche Stellschrauben auf Länder- und Bundesebene. Die Liste der Bremsen und Deckel, die den weite- ren Ausbau respektive den wirtschaftlichen Weiterbetrieb von Bestandsanlagen hemmen, ist lang.

GEMEINSAME AUFGABE

Ohne Frage müssen auch bei deren Bewertung unterschiedliche Interessen abgewo- gen werden. Falsche Fronten gegen die Erneuerbaren aufzubauen, ist aber bestimmt keine zielführende Lösung. Das gilt speziell mit Blick auf die aktuelle Diskussion um die Kosten des Netzausbaus, die vermeintlich dem unkontrollierten Zubau Erneuerbarer Erzeuger geschuldet sind und dementsprechend von diesen mitgetragen werden sollen.

Quelle: IRENA-Bericht 2024

Diese Argumentation greift zu kurz, denn tatsächlich haben politische Entscheidungen (oder Unterlassungen), den für die Energiewende notwendigen Netzausbau verzögert und verteuert Erdkabel, Genehmigungsver- fahren etc. – wodurch übrigens auch Redispatchkosten in Milliardenhöhe verursacht wurden. Auch sind nicht nur die Netzkosten oder die Förderung der Erneuerbaren für unsere immens hohen Stromkosten verantwortlich.

Fraglos müssen der Ausbau der Netze und der erneuerbaren Erzeugungsanlagen harmonisiert werden, aber es gibt noch viele Möglichkeiten, beim Netzausbau schneller und effizienter zu werden. Mindestens genauso wichtig ist ein weit gespannter gesetzlicher Rahmen, der zum Beispiel eine schnelle Digitalisierung der unteren Spannungsebenen sowie ein agiles Einspeise- und Engpassmanagement ermöglicht und hilft, Flexibilitätspotenziale auf allen Spannungsebenen optimal zu nutzen. All das ist komplizierter als den Ausbau zu bremsen, aber mit Sicherheit rüsten wir uns damit besser für die Zukunft. Es wäre schön, wenn alle Beteiligten dieses Verständnis teilen und sich konstruktiv der gemeinsamen Aufgabe eines funktionierenden klimaneutralen Energiesystems stellen würden.

Viel Spaß beim Lesen!
Ihr 50,2-Redaktionsteam