17.09.2026 – Wie Smart Meter Gateway, CLS und EEBUS neue Flexibilitätsoptionen erschließen
Mit der zunehmenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen wird Ladeinfrastruktur zu einem zentralen Bestandteil moderner Wohn- und Stadtquartiere. Wo zahlreiche Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden, entstehen neue Anforderungen an das Niederspannungsnetz. Gleichzeitig bietet gerade die Elektromobilität ein großes Flexibilitätspotenzial: Fahrzeuge müssen in vielen Fällen nicht unmittelbar nach dem Anschließen mit maximaler Leistung geladen werden. Entscheidend ist vielmehr, dass zum gewünschten Abfahrtszeitpunkt ausreichend Energie zur Verfügung steht.
Für Smart City Quartiere stellt sich daher die Frage, wie eine wachsende Ladeinfrastruktur intelligent in das Energiesystem integriert werden kann. Die Smart-Meter-Gateway-(SMGW)-Infrastruktur bietet hierfür eine sichere und standardisierte Grundlage. Durch die Kombination aus den Tarifanwendungsfällen (TAF) 7, 9 und 10, dem CLS-Kanal sowie dem Kommunikationsstandard EEBUS lassen sich Ladeeinrichtungen netz- und marktdienlich steuern. Gleichzeitig entstehen Möglichkeiten für dynamische Tarife, die Nutzung lokal erzeugter Energie und zukünftige Flexibilitätsmärkte.

Vernetztes Smart City Quartier mit den Lösungen von Theben Smart Energy.
Ladeinfrastruktur als Flexibilitätsbaustein
Werden zahlreiche Elektrofahrzeuge beispielsweise am frühen Abend gleichzeitig geladen, können bestehende Lastspitzen zusätzlich verstärkt werden. Doch genau hier liegt auch eine Chance: Im Gegensatz zu vielen anderen Verbrauchern lässt sich der Ladevorgang eines Elektrofahrzeugs häufig zeitlich verschieben oder in seiner Leistung anpassen.
Ladevorgänge können dadurch in Zeiten hoher PV-Erzeugung verlagert, an die aktuelle Netzsituation angepasst oder automatisiert auf günstige Strompreisphasen abgestimmt werden. Je nach Fahrzeug, Ladepunkt und Nutzerverhalten bewegt sich der steuerbare Leistungsbereich typischerweise zwischen 4,2 kW und 11 kW. Über eine größere Anzahl von Ladepunkten hinweg entsteht daraus ein beträchtliches Flexibilitätspotenzial.
Die Ladeinfrastruktur wird damit vom zusätzlichen Verbraucher zu einem aktiv nutzbaren Baustein des intelligenten Quartiers.
Datenerfassung als Grundlage intelligenten Ladens
Damit dieses Potenzial genutzt werden kann, müssen Energie- und Leistungswerte sicher und standardisiert erfasst und bereitgestellt werden. Eine zentrale Rolle spielt hierbei das Smart Meter Gateway.
Für die abrechnungsrelevante und eichrechtskonforme Erfassung von Viertelstundenwerten kommt TAF 7 zum Einsatz. Gerade bei dynamischen Tarifen, der Flexibilitätsvermarktung oder einer transparenten Zuordnung von Verbrauchsdaten bildet dieser eine wichtige Grundlage für energiewirtschaftliche Prozesse.
Ergänzend liefern TAF 9 und TAF 10 Informationen für netz- und marktdienliche Anwendungen. Sie ermöglichen die Bereitstellung aktueller Leistungs- und Netzzustandsdaten und schaffen damit die Voraussetzung für die intelligente Integration der Ladeinfrastruktur.
Durch das Zusammenspiel der Tarifanwendungsfälle entsteht eine durchgängige Datenbasis – von der eichrechtskonformen Messwerterfassung bis hin zur netzdienlichen Anwendung. Das Smart Meter Gateway wird damit zur zentralen Infrastruktur, um Elektromobilität sicher in ein zunehmend digitales Quartier einzubinden.
Sichere Steuerung über den CLS-Kanal
Für intelligentes Laden reicht es nicht aus, Energieflüsse lediglich transparent zu machen. Entscheidend ist die Möglichkeit, auf die jeweilige Netzsituation reagieren zu können.
Die Steuerung erfolgt über den Controllable-Local-System- (CLS)-Kanal des Smart Meter Gateways. Dieser stellt einen sicheren Kommunikationsweg zwischen Gateway-Administrator, CLS-Managementsystem und den steuerbaren Geräten vor Ort bereit.
So kann beispielsweise die Ladeleistung einer Wallbox an die aktuelle Netzsituation angepasst werden. Bei hoher Netzbelastung lässt sie sich reduzieren. Steht dagegen ausreichend Netzkapazität zur Verfügung, kann der Ladevorgang entsprechend optimiert werden.
Steuerbefehle können dabei regulatorisch konform und auf Basis der vom BSI definierten Sicherheitsanforderungen übertragen werden. Gleichzeitig ermöglicht die bestehende SMGW-Infrastruktur die Skalierung auf eine große Anzahl von Ladepunkten – ein entscheidender Faktor für Quartiere mit wachsender Ladeinfrastruktur.
EEBUS verbindet Ladepunkt und Energiesystem
Eine zentrale Rolle spielt zudem der Kommunikationsstandard EEBUS. Er ermöglicht die herstellerübergreifende Kommunikation zwischen Energiemanagementsystemen und steuerbaren Geräten wie Wallboxen.
Über EEBUS kann die Ladeinfrastruktur auf Netzanforderungen oder Marktanreize reagieren und in übergeordnete Energiemanagementkonzepte eingebunden werden. Gleichzeitig ermöglicht der Standard das Zusammenspiel mit weiteren Komponenten wie Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern oder Wärmepumpen. Die Wallbox wird damit nicht isoliert betrachtet, sondern Teil eines vernetzten Energiesystems.
LPC und MPC: Steuern und Wirkung überprüfen
Auf Basis von CLS und EEBUS lassen sich zwei zentrale Anwendungsfälle für die intelligente Ladeinfrastruktur realisieren.
• Limitation of Power Consumption (LPC) beschreibt die aktive Begrenzung der Leistungsaufnahme. Bei einer Wallbox kann beispielsweise eine maximale Ladeleistung vorgegeben werden. So lassen sich Netzengpässe vermeiden und verfügbare Netzkapazitäten effizienter nutzen. LPC bildet damit eine wichtige Grundlage für die netzdienliche Steuerung gemäß § 14a EnWG.
• Monitoring of Power Consumption (MPC) dient der standardisierten Erfassung und Übertragung von Leistungs- und Energiedaten eines Verbrauchers. Dadurch lässt sich das Ladeverhalten kontinuierlich bewerten. Gleichzeitig kann MPC als Nachweis der tatsächlichen Steuerungswirkung gegenüber dem CLS-Management beziehungsweise dem aktiven externen Marktteilnehmer (aEMT) genutzt werden.
Das Zusammenspiel aus Monitoring und Steuerung schafft damit die Voraussetzung, Ladeinfrastruktur nicht nur anzubinden, sondern aktiv in das Energiesystem des Quartiers zu integrieren.
Fazit
Mit der wachsenden Elektromobilität wird Ladeinfrastruktur zu einem zentralen Bestandteil moderner Quartiere. Gleichzeitig entsteht durch die zeitliche und leistungsseitige Flexibilität von Ladevorgängen ein erhebliches Potenzial für das Energiesystem.
Die SMGW-Infrastruktur bietet die notwendige sichere Kommunikations- und Datenbasis, um dieses Potenzial zu erschließen. Durch die Kombination von Datenerfassung über die Tarifanwendungsfälle, sicherer Steuerung über CLS und interoperabler Kommunikation mittels EEBUS können Ladepunkte netz- und marktdienlich integriert werden.
Damit wird intelligente Ladeinfrastruktur zu einem zentralen Baustein des Smart City Quartiers – und Elektromobilität vom zusätzlichen Verbraucher zum aktiven Bestandteil eines flexiblen Energiesystems.
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