Über zwei Millionen elektrische Pkw sind mittlerweile auf Deutschlands Straßen unterwegs – und das ist angesichts des gesamten deutschen Fahrzeugbestands definitiv noch ausbaufähig. Unter 100 Fahrzeugen finden sich erst vier reine „Stromer“. Eine klare Trendwende zum elektrischen Fahren zeigt sich allerdings beim Blick auf die Neuzulassungen, denn inzwischen ist jeder vierte neu zugelassene Pkw ein Elektrofahrzeug. Der Hochlauf wird sich wohl bald beschleunigen.

Trendwende in Sicht (Foto: scharfsinn86 / stock.adobe.com)
Die neue Förderung setzt zusätzliche Kaufanreize – und greift vermutlich auch deshalb, weil man derzeit an jeder Tankstelle sehen kann, wie teuer die Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen unter bestimmten Umständen werden kann. Laut einem aktuellen Kostenvergleich des ADAC gleichen sich zudem die Listenpreise von Elektroautos und Benzinern allmählich an, die Reichweiten steigen und auch der Markt für gebrauchte E-Fahrzeuge kommt allmählich in Schwung. Hinzu kommen knapp 100.000 E-Lkw und E-Transporter – von insgesamt 3,83 Million (2025). Das hat positve Konsequenzen für die Klimabilanz des Verkehrssektors, aber auch für die Entwicklung von Technologien rund ums elektrische Laden.
Skalierung der Infrastruktur
Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Ladeinfrastruktur. Der 8.BDEW-Elektromobilitätsmonitor weist im April 2026 rund 200.000 öffentliche Ladepunkte mit einer Gesamtleistung von über 9 GW aus. Die Zahl leistungsstarker Schnelllader wächst überdurchschnittlich, doch auch die Zahl der AC- und DC-Lader nimmt zu. Aktuell ist die öffentliche Ladeinfrastruktur fest in der Hand der Regionalversorger, was das Laden für Kunden anderer Stromanbieter oft kompliziert und teuer macht. Experten rechnen jedoch damit, dass Markthemmnisse für unabhängige CPO auf mittlere Sicht abgebaut werden.
Bei Ausstattung und Betrieb von Ladeinfrastruktur auf halböffentlichen und gewerblichen Liegenschaften herrscht schon deutlich mehr Wettbewerb. Hier wächst der Bestand schnell und oft über die Grenzen von Versorgungsgebieten hinaus, gleiches gilt für die privaten Ladepunkte zuhause, die mit großem Erfolg auch von spezialisierten Energiedienstleistern und unabhängigen Stromversorgern vermarktet werden.
Effizienz und Wirtschaftlichkeit
Mit der Skalierung des elektrischen Ladens über die „Grundversorgung“ hinaus entsteht Bedarf für spezialisierte Dienstleistungen und Technologien – von der Installation über die Mess-, Prüf- und Schutztechnik bis hin zum Betrieb. Gerade in diesem Segment sind effiziente Prozesse unverzichtbar, denn damit moderne Ladetechnik zuverlässig und wirtschaftlich läuft, braucht es deutlich mehr als eine funktionierende Stromversorgung.
Ein weiterer zunehmend wichtiger Aspekt ist die optimierte Integration der Ladeinfrastruktur in das am Standort vorhandene Energiesystem. Diese Herausforderung besteht im Großbetrieb, der teure Lastspitzen vermeiden und Ladestrom möglichst günstig beziehen will, ebenso wie im Prosumerhaushalt, der zum Laden bevorzugt Strom aus der eigenen PV-Anlage oder zumindest einen günstigen flexiblen Tarif nutzen möchte. Energiemanagementsysteme, aber auch geeignete Mess-, Monitoring- und Steuersysteme – diesseits und jenseits des Anschlusspunkts – sind dafür zwingend erforderlich.
Neue Player im System
Als große, steuerbare Verbraucher sind Elektrofahrzeuge gleichzeitig Akteure im Stromsystem, die man – je nach Sichtweise – als Belastung oder Chance sehen kann. Sicher ist: In einem zunehmend dezentralen, fluktuierenden Energiesystem werden die Flexibilitäten aus den Fahrzeugbatterien dringend benötigt. Erträge an den Strom- und Regelenergiemärkten bieten damit eine zunehmend wichtige Möglichkeit, die Wirtschaftlichkeit der E-Flotte oder sogar des privaten Elektrofahrzeugs zu erhöhen. Dass manch ein Verbraucher sogar ganz umsonst zur Netzstabilität beiträgt, zeigen die erfolgreichen Tests der TransnetBW zur freiwilligen Lastverschiebung. Auf mittlere Sicht jedoch werden ergänzend echtzeitfähige Lösungen unverzichtbar: Vehicle2Grid-Technologien oder Systeme für die Steuerung nach §14a EnWG sind daher mehr denn je im Fokus der Branche. Der Markt bleibt in Bewegung, Politik und Regulierung müssen ein funktionierendes Zusammenspiel orchestrieren. (pq)

